Donnerstag, 25. Juni 2026

4526 Wie ein Hirsch

 



11:28 a.m.  Aus Verlegenheit über die Schreibideenlosigkeit lege ich das graue Lesezeichenbändchen meines Notizbuches einmal nach links auf den roten Kaffeehaustisch, dann rechts, dann schleudere ich es von der Tischplatte hinunter, so dass es vom Büchlein neben den Tisch runterhängt und ich es nicht sehen kann, was mir aber auch nicht passt, darum lege ich es wieder in einem möglichst weiten Bogen vor die Oberkante des Notizbuches nach links auf die rote Tischplatte (glaubst du im Ernst, dass, wenn du auch nur irgendwas Beliebiges hinschreibst, deine „Schriftsteller“-Existenz oder überhaupt deine Existenz gerechtfertigt ist? - der innere Spötter. Und dieser Schmäh, einfach irgendeinen Ist-Zustand zu beschreiben, hat sich auch schon längst literarisch, wissenschaftlich, existentiell und überhaupt überlebt. Also ist tot). Neun Minuten sind vergangen, seit ich zum Griffel gelangt habe (dein Uhrzeitgeblödel geht noch lange nicht als Markenzeichen durch und auch nicht als literarischer Kunstgriff, nicht einmal als Tagebuchanspielung! - der innere Spötter). Die Spiegelung des gläsernen Kristallkugel-Lampenschirms im Fenster der Lokalfront sitzt genau auf dem supergeraden Platanenstamm und das ergibt ein schönes Bild, besonders weil die Lichtpunkte der gespiegelten Lampe dem Baumstamm so eine besondere, entrückte Note geben. Die Gläser in der obersten Reihe der Gläserstellage hinter der Bar werden von rötlichem Licht bestrahlt. Wenn ich mich jetzt frage, was ich tun soll, muß ich mich der Frage stellen, was ich noch mit meinem Leben anfangen will. Und das ist mir jetzt und bei dieser Hitze zu viel. Na gut, probiere ich hald (sic!) ohne Brille zu schreiben. Geht so leidlich. Was wird eigentlich mit meinem Wortschatz nach meinem Tod geschehen? Wird er verloren sein oder irgendwo in so einer Art Weltgeist abgespeichert, für den Fall, dass irgendetwas daraus einmal gebraucht werden könnte? Beim Austrinken meines gestreckten Gemüsefruchtsaftes ist mir ein kleiner Rest eines Eiswürfels in die Mundhöhle gekommen, wo er ziemlich schnell verschmilzt. Das allerletzte Schlückchen dann ist ganz sämig und schmeckt vor allem nach Karotte. Was völlig okay ist! Ich überlege gerade, ob ich das vom Karottensaftrest orange benetzte Glas am roten Tisch als schräge, nahe am Nervenden befindliche, aber deswegen interessante Farbkombination fotografieren und im Internet teilen soll. Ich mache es nicht. Jetzt überlege ich, ob ich doch noch einen Cappuccino bestellen soll. Das mach ich. So schnell kann das gehen! Auf die grüne Krone – unterer Bereich – der Platane draußen blicke ich nur kurz, weil in der Fensternische ein junges Paar sitzt, in deren Geturtel ich nicht hinein gaffen will. Nicht weil es abstoßend wäre! Das nicht. Eine Schulklasse wandert zuerst, dann rennt sie vorbei (Nachhut!). (Das junge Paar: er tippt jetzt Smartphone, sie liest ein Buch - jetzt kann ich also rausschauen.)

Der Barhocker - die Barhocker dort haben kleine Rückenlehnen und das ist wichtig – der Barhocker also gleich neben der Lichtengelnische ist so gedreht, das ein möglicher Sitzer zum Fenster hinausschauen würde. Es sitzt niemand darauf, der Hocker ist leer, und gerade das macht mir den Anblick … elegisch. Fast als würde dort tatsächlich eine unsichtbare Person sitzen, eine verlorene Seele vielleicht, die ihren Blick aus der Verstelltheit des Raumes auf einen Sehnsuchtspunkt in der Weite draußen gerichtet hat, den sie jedoch nicht erreichen kann. Und das, obwohl sie schon im abstrakten, meinetwegen geistigen Zustand ist und auf der Energie des Alls reisen könnte. Die Zuckerdose am Tisch in der Fensternische nebenan spiegelt sich im Fensterglas genau auf dem Hintern einer jungen Frau draußen, dann geht die ab und ohne den Hintergrund der schwarzen Hose ist die Zuckerdosenspiegelung nicht zu sehen. Das ist nicht Esoterik, das ist Physik!

Lacht mich die unsichtbare Person am Barhocker drüben aus? Nein, die ist jenseits von Gut und Böse (na und? Da kann sie ja trotzdem über deine Torheit lachen! - der innere Spötter). Ah! Jetzt kommt das!: dass ich mir wie ein grober, rustikaler Landtrottel vorkomme, so mit forciertem Dialekt, Umtata und ungehobeltem Benehmen. Bitte, wieso das jetzt? Weil ich was von einem weiblichen Hintern geschrieben habe? Obwohl ich den gar nicht hervorgehoben und begutachtet habe? Wahrscheinlich (die Strafe folgt der bösen Tat auf dem Fuß – der innere Spötter). Meine linke Hand ist schon wieder unbemerkt zur Faust geballt, diese Verkrampfung ist vermutlich nicht gut für den Herzmuskel. Ich werde bald zu meine Stadtwanderung aufbrechen. Ich werde ganz langsam gehen. Das nehme ich mir vor.

13:31.  Von langsam kann keine Rede sein! Flott wie ein Hirsch bin ich unterwegs!

(17:57.  Jetzt hat es 34° Celsius – der Tipper.)




(25.6.2026)




©Peter Alois Rumpf    Juni 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4525 Konzert

 



10:57 a.m.  Ich sitze schon länger im Espresso Burggasse, aber jetzt muß ich noch den Falter lesen.

11:51 a.m.  Mein Kopf raucht und schwurbelt vom Gelesenen; offensichtlich hält er nicht mehr viel aus. Dabei habe ich gestern in der Arena ein tolles, wunderbares Konzert von Aldous Harding erlebt, am Heimweg habe ich Leute in der wartenden Menge vor der roten Ampel angeplaudert und bin in unserem Haus wie in jüngeren Jahren die Stiegen in Zwei-Stufen-Sprüngen hinaufgelaufen, obwohl ich am Vormittag im Fitnessstudio war und sonst auch schon fast 15 152 Schritte absolviert hatte. So sehr hat mich das Konzert beflügelt. Apropos: mein Lichtengel hier hat immer noch ungleiche Flügel und das wird sich vermutlich nicht ändern, bis die eine Glühbirne kaputt gegangen sein wird. Aber das macht nichts. Aber auch dann ist es zwar ein wenig wahrscheinlicher, jedoch dennoch unsicher, ob eine Glühbirne mit exakt der selben Lichtstärke wie die andere eingeschraubt werden würde, aber – wie schon gesagt – eventuell wahrscheinlicher, weil die neue ja aus der gleichen Glühbirnenpackung genommen werden könnte wie die, aus der die jetzt stärkere genommen worden ist, oder? Aber – wie auch schon gesagt – es macht mir nichts aus, wenn die Lichtflügel ungleich leuchten (worüber könntest du sonst so „schön“ schreiben? - der innere Spötter), aber majestätischer wäre er, der Lichtengel, wenn beide Flügel die selbe, stärkere Lichtstärke hätten (So! Jetzt ist es aber genug - der innere Korrektor). Gut, ich lehne mich zurück, lege die Brille ab und lasse die Umgebung einfach auf mich einwirken (wenn er diesen Satz fertig geschrieben haben wird – der innere Spötter). Nein, vorher muß ich noch aufs Klo. Von Rhythmus und Bass her müßte das Lied jetzt aus den Boxen On Along The Watchtower sein, aber es ist zu laut im Moment, als dass ich den „Rest“ vom Song hören kann.

Nur einige Sekunden halte ich es aus, nur einfach dazusitzen, dann greife ich doch wieder zum Griffel, weil mich das alles hier so glücklich macht – auch noch das Konzert gestern. Ich würde das gern mit jemand face-to-face teilen, aber so geht es auch, mit stillem, aufgestautem Wohlwollen allem rundherum gegenüber.

Was so ein Baum im Blickfeld ausmacht! Die Platane da draußen ist ja auch wirklich herrlich (obwohl fraulich passender wäre, nicht wahr? - der innere Spötter). Was das Konzert gestern betrifft: sie spielten auch live so präzise und diszipliniert; das passt hier so gut. Keine Ausflipperei, und dennoch hatte ich den Eindruck, Frau Harding freue sich und taue richtig auf – wie gesagt, mein Eindruck; und ich war eher weit hinten (wie es auch zu deinem Leben passt – der innere Spötter) und habe ihr Gesicht und ihre Mimik nicht so deutlich sehen können – und der Funke ist wirklich übergesprungen. Auch die Stücke, die ich nicht kannte, waren mir gleich zugänglich und alles so toll gespielt und gesungen. Dieses Konzert gehört neben dem des Revolutionary Ensembles 1977 auf Schloss Moosham, denen des Art Ensembles of Chicago so um 1980 zu den besten Konzerten, die ich erlebt habe (wobei ich schon festhalten muß, dass ich nicht so viele Konzerte besucht habe; Geldmangel, Depression und Resignation begleiten mich doch schon fast mein ganzes Leben). Ich sage innerlich zur Platane, dass ich glücklich bin (und dass du zweieinhalb Cappuccini intus hast, auch? - der innere Spötter). Ich starre zum Lichtengel, sehe die Lichtstrahlen wie Sternspritzer abspringen und meine Augen füllen sich mit Tränen der Rührung (das sind die fragwürdigsten Momente! - der innere Korrektor). Laß mich!

Das Konzert des großartigen Revolutionary Ensembles (Leroy Jenkins, Jerome Cooper, Sirone = Norris Jones) damals wird für mein Empfinden immer das allertollste Konzert bleiben; ich glaubte tatsächlich, den Höhepunkt der Musikentwicklung miterlebt zu haben und dass es keine Weiterentwicklung mehr geben kann. Sozusagen das Ende der Musikgeschichte. Ich war völlig weg. Gott-oder-wem-oder-was-auch-immer-sei-Dank war dem nicht so, aber damals war ich völlig hingerissen. Und hingerissen war ich auch gestern beim Konzert von Aldous Harding.

Der Deckenventilator dreht sich schneller als die Erde sich um die eigene Achse dreht und wie schnell sich die Zeit und die Geschichte weiterdrehen, weiß ich auch nicht und muß ich auch nicht wissen. Heute ist mir das alles egal.


(24.6.2026)


©Peter Alois Rumpf   Juni 2026   peteraloisrumpf@gmail.com

Dienstag, 23. Juni 2026

4524 Nicht sicher

 



14:57.  Es ist sehr heiß. Aber ich kann ohne Brille schreiben. Das ist neu! Ist eine Wunderheilung passiert? So eine unauffällige, versteckte? (das wäre bei ihm mit seiner Realitätsunaufmerksamkeit nicht weiter verwunderlich – der innere Spötter). Aber jetzt beginnt schon wieder alles ein wenig zu verschwimmen. Auch interessant! Wie geht das? Was läuft da organisch (oder – huch! - anorganisch) ab? Der Deckenventilator hier im Leo dreht sich nicht. Aber der in der Oberlichte des Fensters arbeitet auf Hochtouren; also ich glaube, dieses Gerät heißt nicht Ventilator, aber wie es heißt, weiß ich nicht (vergessen oder nie gewußt? - der innere Spötter). Zum Lesen der Karte habe ich, ohne zu denken, die Brille aufgesetzt. Jetzt probiere ich, ob ich die Getränkekarte auch ohne Brille derlesen hätte. Ja, habe ich hinbekommen. Aber Ich bin nicht repräsentativ steht auf meinem T-Shirt (warum nicht Leiberl? - der innere Spötter). Heute sitzen alle draußen im „Verschlag“ und ich frage mich auch schon, ob es draußen in der leichten Brise nicht angenehmer ist als hier herinnen (mit Verschlag meint er leicht, aber freundschaftlich spöttelnd den Schani“garten“ auf der Straße, der mit schlichten Holzplatten eh recht schön abgegrenzt ist – der innere Spötter).

Schon wieder habe ich unbemerkt die Brille aufgesetzt. Ich werde heute Abend zum Aldous-Harding-Konzert rausfahren und erwarte, dass es an der Abendkasse noch Karten gibt. Aber jetzt schaue ich mir wieder einmal die ausgestellten Bilder an der Wand gegenüber an, dazu nehme ich jedoch absichtlich die Brille mit. Die Zeichnungen – so fast konventionell sie auch auf den ersten Blick erscheinen – gefallen mir, so klein, so unaufgeregt, bescheiden – wenn man das nur nicht falsch versteht! - also nicht angeberisch, ein wenig wie einfach und nebenbei hingeworfen – aber durchaus gekonnt und nicht nebenbei! Menschenleere Landschaftsminiaturen und kleine Menschenbilder – die separat. Keinesfalls naiv!

Eine eigenartige, betörende, fast in Trance setzende Geräuschkulisse entsteht durch die Mischung der nicht sehr lauten Boxenmusik und dem lauten, rhythmischen Surren der Lüftung in der Oberlichte oben. Schon wieder habe ich die Brille auf und kann mich nicht erinnern, wann und wieso ich sie aufgesetzt habe! (doch! Als du am Etikett der Biorhabarbersaftflasche das Kleingedruckte gelesen hast – der innere Korrektor). Bei der Boxenmusik treten Bass und Schlagzeug stärker hervor als üblich – was mir gefällt und den oben zu beschreiben versuchten Effekt fördert.

Ich kann sagen, dass ich mich inzwischen in vier Cafés – sagen wir: „bekannt gemacht“ habe. Jetzt fehlt nur noch der Wohlstand, dass ich täglich im einen oder anderen frühstücken, jausnen, mittagessen und zum Nachmittagskuchen einkehren kann. Eine kleine Mücke – oder was das ist – krabbelt auf meiner linken Hand herum, kitzelt ein wenig, die Farbe ist grün, Beine und Greifzangen – wenn ich das richtig sehe – gelblich. Aber bezüglich Letzterem bin ich mir trotz Brille nicht sicher.


(23.6.2026)


©Peter Alois Rumpf   Juni 2026   peteraloisrumpf@gmail.com

4523 Die Frage ist entschieden

 



7:54 a.m.  Wieder steigt ein Hitzetag aus dem Morgen. Bald werde ich die Fenster schließen. Ich bin noch nicht ganz ausgeschlafen. In meinem Zimmer hat es im Moment 27°C. Ich frage mich, ob ich bei der Hitze ein Fitnesstraining riskieren kann (immerhin wird meine Altersgruppe in den Medien vor Überanstrengung gewarnt). Und das Aldous-Harding-Konzert heute Abend? Komisch, mit diesen Fragen kommt der Stress auf. Dann denke ich über mein Leben nach. Das allein ist fast schon ein Witz. Oft, wenn Tauben rufen, muß ich an Sympathy For The Devil von den Rolling Stones denken (und umgekehrt). Die Taube jetzt legt ihr gru, gruhuu allerdings etwas anders an. Wenn ich – was mir viel lieber ist – ohne Gebiss im Maul frühstücken will, muß ich bald in die Küche hinunter gehen, bevor die Tageskinder und die Hospitantin kommen, obwohl ich noch nicht hungrig bin und überhaupt noch nicht bereit. Ansonsten muß ich nach dem Müsli wieder mein Gebiss reinigen. Eine Szene meines Lebens fällt mir ein, und die macht mich so aggressiv, dass ich zu zucken anfange. Gut, dann kann ich aufstehen und hinunter gehen. Fragt sich noch, ob ich jetzt schon die Fenster schließen und die Rollos herunterlassen soll. Ich rieche Zigarettenrauch. Ich weiß nicht, ob ich mir das einbilde, ob ich eine Geruchshalluzination habe oder ob wirklich jemand im Lichtschacht geraucht hat. Da mir davon übel wird, schließe ich die Fenster und kann auch gleich alles verdunkeln. Diese Frage ist also entschieden.


(23.6.2026)


©Peter Alois Rumpf   Juni 2026   peteraloisrumpf@gmail.com

Montag, 22. Juni 2026

4522 Fremdsprache




Im Hof unter einem großen Lindenbaum. Ein angenehmes Lüftchen weht durch die Hitze. Wobei es jetzt zuzieht; immer mehr Wolken breiten sich aus. (Ich darf nicht vergessen, auf die Uhrzeit zu achten; Psychotherapietermin.) Ich bin vom Gespräch auf der Nebenbank abgelenkt (verstehen kann ich vom Gespräch der beiden jungen Frauen nichts; diese Jugendsprache ist für mich wie eine Fremdsprache, sowohl was das Vokabular, als auch was die Aussprache betrifft). (Oh mein Gott! - habe ich jetzt verstanden.) Ich will nicht zuhören, aber ignorieren kann ich es auch nicht. Okay! Ich beende das Schreiben.

Am leergeräumten Antiquariat Klabund, dessen Räumlichkeiten schon zur Vermietung ausgeschrieben sind, vorbeizugehen, gibt mir einen Stich ins Herz. Auch wenn ich nur selten etwas gekauft habe, so habe ich doch bei jedem Vorbeiflanieren die Auslagen betrachtet, die Titel der Bücher gelesen, die Photos und Bilder angeschaut. Es sind schon Welten, die da untergehen und verschwinden, mitsamt dem Klabund und dem literarischen neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert.


(22.6.2026)


©Peter Alois Rumpf   Juni 2026   peteraloisrumpf@gmail.com

4521 Öst - Arg

 



12:27.  Heute also Österreich – Argentinien. Ich habe beim Aufwachen rasendes Herzklopfen bekommen, als mir das so aus dem Schlaf heraus eingefallen ist. Unglaublich, war ich da alles draufpicke – ich würde sagen, es geht darum, dass es in dieser Welt im Prinzip möglich sein soll, dass der Schwächere gegen den Stärkeren gewinnen kann oder wenigstens sich behaupten; wenn es mir selber schon nicht gelungen ist, sollte es wenigstens unser Nationalmannschaft gelingen. Da hängt doch tatsächlich meine Lebensgeschichte drin (respektive die, die du dir zusammengezimmert hast – der innere Spötter).

Ich hoffe, dass ich das ohne Herzinfarkt überstehe (meine Mutter hatte einmal, während sie im Fernsehen ein Fußballspiel angeschaut hat, einen Herzinfarkt; einen gefährlichen Hinterwandinfarkt; mit Hubschrauber wurde sie von Irdning nach Bruck an der Mur geflogen. Und als sie wieder aufgewacht ist, war ihre erste Frage an das Spitalspersonal, wie das Spiel ausgegangen ist. Ich muß immer noch darüber lachen). Die aktuelle Hitzeperiode ist auch nicht ohne und setzt mir zu. Ungern gebe ich das zu.

Was anderes: ich sitze im Kaffeeamt und sie spielen The Barrel von Aldous Harding, die morgen in der Arena auftritt. Ein Lied, das ich besonders mag und gleich frage ich mich, ob das ein Wink des Schicksals ist, denn ich habe den Ticketkauf vor mich her geschoben und schon aufgegeben, noch eine Karte zu bekommen. Ich weiß jedoch nicht, ob es noch Karten gibt und um welchen Preis. Ich glaube auch nicht, dass sich das budgetär ausgeht. Ich sollte zumindest nachschauen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.


(22.6.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juni 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4520 Ein Tag am Wasser

 



0:22 a.m.  Ein Tag am Wasser war das gewesen. Aber schwimmen taugt mir nicht mehr richtig. Als hätte ich es verlernt; irgendwie unbeholfen, als stimmte etwas mit den Muskeln nicht. Dabei bin ich mein Lebtag gern geschwommen. Es war sogar die einzige Sportart, in der ich nicht ganz schlecht war (Schule). Jetzt brennen meine Augen vom vielen Sonnenlicht, das noch dazu von den glitzernden Wasserflächen rundum gleißend reflektiert wurde.


(22.6.2026)


©Peter Alois Rumpf   Juni 2026   peteraloisrumpf@gmail.com

4519 Der Hubschrauber

 



11:38 a.m.  Ich weiß nicht, was das bedeutet – ein Hubschrauber kommt übers Gänsehäufel geflogen, recht nieder, kreist umher, dann erst sehe ich am anderen Ufer viele Rettungsautos, ich glaube, auch Polizei und jemand von den Gaffern (ich bin auch einer) meint, auch Feuerwehr erkannt zu haben. Ich weiß nicht, was passiert ist, ob jemand ertrunken ist, ich kann aus der Entfernung nichts feststellen. Der Hubschrauber landet am anderen Ufer, fährt seine Rotation herunter, ohne sie gänzlich abzustellen und nach einigen Minuten hebt er wieder ab, dreht sich – Entschuldigung, dass ich das in diesem Zusammenhang, wo es womöglich um Leben und Tod geht, so beschreibe – majestätisch, elegant und elegisch in eine bestimmte Richtung (Osten? Süden? Ich weiß es nicht) und fliegt davon. Und das ist der Moment, wo mir die Tränen in die Augen schießen; für meine Verhältnisse sogar eher heftig – ich habe zu tun, das unter den vielen Menschen abzuwürgen und zu verbergen. (Entschuldigung, dass ich da wieder nur über mich und meine Gefühle schreibe, aber was sich da am anderen Ufer ereignet hat, weiß ich nicht und kann es nicht erzählen.) Ich habe den Verdacht, dass es nicht das möglicherweise sehr dramatische Geschehen ist, dass meine Tränen ausgelöst hat, sondern das elegante, langsame, sanfte Abheben des Hubschraubers, seine elegante Drehung um die eigene Achse, wie um sich zu verabschieden, und dann sein zielgerichtetes, schnelles Verschwinden auf Nimmerwiedersehen. (Oder haben darin der Tod und der Weggang einer Seele doch ihr Gleichnis gefunden?)


(21.6.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juni 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4518 Wolkentürme

 



14:49.  Wolkentürme formieren sich und soeben habe ich den ersten Donner gehört. Die Grillen zirpen noch wie verrückt und ein Marienkäfer hat mich gebissen. Ich sitze auf der Hollywoodschaukel im Garten; die schwüle, heiße Luft steht, die Ruhe vor dem Sturm, nur der Autoverkehr läßt sich nicht beeindrucken und spult seinen geistlosen, konventionellen, einfallslosen, berechenbaren, blöden und lästigen Sound ab. Das Gewitter scheint näher zu kommen, aber Wien ist groß. Ein Schmetterling sucht seinen Weg knapp über dem grünen Gras; vielleicht sucht er gar nicht, sondern weiß genau, warum er so fliegt und nicht anders. Welcher Vogel ist das, der da so hingebungsvoll zwitschert? Ich weiß es nicht. War das ein Regentropfen auf meinem Knie? Ein einsamer Vorläufer? Jetzt kommt eine Brise auf, ein Schatten huscht über die Wiese, aber als ich hinschaue, ist dort nichts. Nun eine ausdauernd rufende Krähe. Große Abschiedsszene (menschlich). Irgendwo wird auf Holz geklopft – würde ich sagen. Die Thuje ist an der vorderen Seite offen. Ganz viele verschiedene Grüntöne sind in diesem Garten zu sehen (das ist natürlich nichts Neues – der innere Spötter). Der Wind wird stärker. All ihr angewachsenen und frei beweglichen Wesen da im Garten – es ist schön, dass es euch gibt. Mir kommt vor, der stärkere Wind vertreibt das drohende Gewitter, aber sicher bin ich mir nicht. Ein Flugzeug quert hoch oben unseren Ruheplatz. Der Wind wird fast stürmisch. Dann legt er sich wieder. Jetzt hört man von der Straße einmal eine quietschende Fahrradbremse. Ein Schmetterling besucht den Hollerbusch. Ich ziehe mein Kappe vor ihm (dem Holunder) und sogleich fängt er zu tanzen an.


(20.6.2026)


©Peter Alois Rumpf   Juni 2026   peteraloisrumpf@gmail.com

Freitag, 19. Juni 2026

4517 Lange Sommerhose

 



10:55 a.m.  Im Espresso Burggasse. Standard zurückgelegt, Kleine Zeitung geholt. Der erste Cappuccino zur Hälfte ausgetrunken. Plötzlicher Drang zu schreiben, obwohl noch nicht alles gelesen. Ist das Trotz? (siehe Nummer 4516 Keinen Kopf machen). Heute habe ich keine REMbox mit! In der Hitze zu schwere Schlepperei (die Medien warnen vor Überanstrengung im Alter). Und jetzt? Ein Schluck Kaffee, die Kleine Zeitung/Ennstal/Todesanzeigen-Bezirk Liezen.

11:21 a.m. (Ich schreibe hald (sic!) so gern ante meridiem). Ohne REMbox weiß ich nicht so recht, was ich jetzt mit meinen Händen, meinen Augen und meiner Aufmerksamkeit anfangen soll. Gut, der Lichtengel wie immer; Cappuccino II und Schnittlauchbrot bestellt. Ich sollte mir vielleicht eine leichte lange Sommerhose zulegen; kann ich noch in der Öffentlichkeit meine nackten Beine herzeigen?

Ich verschiebe die Entscheidung bezüglich langer Sommerhose und esse das Schnittlauchbrot. Ich bin nicht der einzige Danebene hier – wie ich gerade an einer Gast-sucht-die-ausgestellten-Mehlspeisen-Szene ablesen kann. Heute ist die Musik weiblich (wie auch besagter Gast). Das Welttheater ist gar nicht so uninteressant. Ich schau mich um und genieße meine Abseitsposition (so gut es geht – der innere Spötter). Ja, ich finde es wirklich schön, elegisch und bedeutungsvoll, wie da die Menschen draußen vorübergehen und der leichte Wind die Zweige der Platane, die schon ihre Früchte ausbildet … denk beim Schreiben, dass du das alles zeitnahe eintippen mußt, denn es könnte ja sein, dass dich die Götter z’fleiß bei deiner lächerlichen, leicht durchschaubaren, folkloristischen und unglaubwürdigen Todessehnsucht erhören – im Gegensatz zu deiner Sehnsucht nach einem ordentlichen Lottogewinn, der dich von einigen deiner Sorgen befreien würde (und dir jede Menge neuer bescheren – der innere Spötter). Der – von mir aus gesehen – rechte Flügel des Lichtengels wird wirklich immer schwächer. Oh, gedankenlos habe ich ein vermeintliches Stäubchen vom Notizbuch gewischt, vielleicht jedoch war das ein kleines Insekt, das ich jetzt getötet habe. Wenn ja, muß ich mit den Konsequenzen leben. Ich beobachte die Gesten der Gäste in der Laube draußen und ziehe – gottseidank – keine Schlüsse daraus (was sich im Paralleluniversum abspielt, weiß ich natürlich nicht). Langsam werde ich unruhig. Bald breche ich zur Stadtwanderung durch die Hitze auf. Die junge Frau am Nebentisch scheint etwas Mathematisches zu lernen oder zu erarbeiten, aber was weiß ich.


(19.6.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juni 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4516 Keinen Kopf machen

 





8:49 a.m.  Satt, mit vollem Bauch hocke ich im Bett; die Lesebrille verschmiert, so dass sie meine Sicht trübt; ein heißer Morgen, ich versuche, mit meinem Leiberl die Brille zu putzen, was leidlich gelingt; bin voller Erwartung, was der Tag bringen wird (in meiner Planung wird er gemütlich); ich spüre ein wenig in mich hinein und deswegen fällt es mir auf und ich entspanne meine zur Faust verkrampfte linke Hand und strecke die Finger. Genau genommen zweifle ich immer noch an meiner Schreiberei, genauer gesagt: mein Urteil besagt, dass solche Selbstbetrachtungen und Selbstbeschreibungen die Menschheit nicht weiterbringen und deshalb sinnlos sind. Irgendwas in mir wehrt sich gegen dieses Urteil, aber kommt nicht dagegen an und kann nicht einmal für sich selbst seine Einwände artikulieren. Aber ich habe mir das Schreiben angewöhnt und könnte es vermutlich ohne Entzug nicht loswerden. Ich seh schon ein, dass solche Betrachtungen für die Leser und Leserinnen fad sind, weil ich den Punkt, wo das Unendliche auf das Endliche trifft – oder umgekehrt – verpasse. Gottseidank gibt’s die Fußballweltmeisterschaft. Ganz so leicht ist es ja nicht, ein sinnloses Leben zu Ende zu leben (Männer definieren sich vor allem über ihren Beruf, ihre Arbeit, ihren gesellschaftlichen Status), aber die Bühne bietet doch genug Ablenkung und Möglichkeiten zum Selbstbetrug an. Und man kann ja immer ins Gelächter flüchten, zumindest so lange, bis es ernst wird und einem das Lachen vergeht (Halt! Ich möchte darauf hinweisen, das du damals, als du dich schon aufzulösen begonnen hast und dabei warst, deinen Körper zu verlassen, durch zuerst einen Wut-, und deswegen dann einen Lachanfall zurück gekommen bist - der innere Korrektor). Stimmt auch wieder. Vielleicht kann man wirklich lachend sterben. Man wird ja sehen! Da muß ich mir jetzt keinen Kopf machen. Auf ins Espresso Burggasse!


(19.6.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juni 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4515 Für sie

 



0:29 a.m.  Eine kleine Mücke tanzt im Licht der Leselampe rasant im Kreis. Dann krabbelt sie wieder auf dem Notizbuch umher. Dann ein Zick-Zack-Kurs. Das kleine Insekt löst tatsächlich kleine Staubwölkchen aus, wenn sie innen im Lampenschirm kreisen muß. Ich werde für sie (die Mücke) bald das Licht abdrehen.


(19.6.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juni 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4514 Gedankenlos

 



17:05.  Das Lesezeichenbändchen grau auf braun (Kaffeeamtstisch) kommt auch gut. Ich hatte den Falter aus seinem unhandlichen Gestell genommen, um ihn ganzseitig lesen zu können; das war etwas mühsam; noch mühsamer war es, das Ganze wieder – sozusagen – einzufädeln (obwohl es sich dabei um viel Papier, aber keinen Faden gehandelt hat) und wieder hinein zu klemmen. Ich glaube, ich habe hier auch schon ein Bild hinterlassen – jedenfalls erkennen sie mich wieder und vielleicht lachen sie. Ich verrate, dass ich zur Zeit meine ich-bezogene Schreiberei als äußerst fragwürdig empfinde, sodass ich nur noch mit leicht schlechtem Gewissen schreibe, aber aufhören will oder kann ich nicht. Wie ein abseitiger Narr, der seinen (beruflichen) Platz nie gefunden hat, und jetzt auf seinem Abstellplatz irgendwo in den Sand irgendwelche Linien zeichnet, schreibt, zieht – gedankenlos - wollte ich schon schreiben, aber Gedanken sind viele da, denen es jedoch meist an Denken mangelt. Bald sperren sie hier zu. Ich werde gehen müssen. Wie symbolträchtig!


17:54.  Mein Blutdruckmesser – was hat er? Warum fährt er nochmals hoch und erhöht nochmals den Druck; findet er keinen Puls? Ich sitze zu Hause am Schreibtisch und will brav meinen Blutdruck messen, wie es mir die Ärzte aufgetragen haben. 129. Das ist nicht zu hoch – so viel ich weiß. Dabei habe ich vorhin zwei Cappuccini getrunken, bin flippig und zittrig, durchaus konfus. Ich kann mit dieser Blutdruckmesserei nichts anfangen, weil ich die Ergebnisse nicht interpretieren kann und auch keinen Zusammenhang zwischen meinem Verhalten und den Resultaten finden, sodass ich keinerlei Anleitungen zu irgendwelchen Verhaltensänderungen ableiten kann. Und kein Arzt und auch keine Ärztin wird sich meine Sammlung von Listen mit den Messergebnissen je anschauen. Wurscht!

Jetzt hocke ich bequem im Bett und überlege, welches aus den zwei Stapeln ungelesener Bücher neben dem Bett ich nehmen und als nächstes lesen könnte. Oder doch lieber Internet? Ein Krimi? Ich bleibe einmal hier und verschnaufe. Soll ich doch wieder Antidepressiva nehmen? Eine Ader meines linken Unterarms schlägt nervös gegen das Uhrband, in unregelmäßigem Pochen. Eher wie Zucken. Baut in kleinen Zuckungen Druck auf, den sie von Zeit zu Zeit in einer größeren, stärkeren, großflächigeren zuckenden Entladung abbaut. Ein bißchen unheimlich, das zu beobachten. Ach! Egal! Ich leg das Schreibzeug weg.


(18.6.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juni 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4513 Ganz wild

 



11:26 a.m.  Heute gehe ich es ganz wild an: der erste Cappuccino ist nicht einmal ausgetrunken, schon lege ich die REMbox auf den mit roter Resopalplatte versehenen, quadratischen Kaffeehaustisch, auf dem das blaue und das rote Lesezeichenbändchen der REMbox sowie das graue meines Notizbuches nahe beieinander liegend um farbliche Aufmerksamkeit buhlen. Der Lichtengel leuchtet immer noch asymmetrisch. Alte Hits aus den Boxen, aber wirklich fast nur die guten; das ist wichtig, denn ich bin nicht nostalgisch (jetzt zum Beispiel fifty ways to leave your lover). Ist es doch dieses Lied, das mir die Tränen in die Augen treibt oder dort der unperfekte Lichtengel, der so hoffnungsvoll seine ungleichen Flügel ausgebreitet hat und doch nicht fliegen kann? Ich bewundere den ganz gerade gewachsenen, rindenbunten Stamm der Platane draußen in der Laube, deren Zweige ganz lieb und leicht im einfühlsamen Wind schaukeln. Ich sehe nur den unteren Teil ihrer Krone, die sich wie ein riesiger Sonnenschirm über die Laube wölbt, aber jetzt beginnt, sich majestätisch tanzend - aber nicht kokett - hin und her zu drehen. Der Oldie jetzt ist mir zu konventionell; ich weiß nicht, wer das ist, kenne aber den Song, weil der damals unvermeidlich war.

Was zieht mich da alles an? (Weil diese Oldies vermutlich geremastert sind, oder weil die Anlage besser ist als mein kleines Kofferradio damals, haben sie bei aller Vertrautheit etwas leicht Entfremdetes, aber jedenfalls Schärferes, Klareres; die einzelnen Stimmen und Instrumente sind als individuelle Linien besser heraushörbar.)

Ich sollte jetzt etwas essen, obwohl ich nicht wirklich hungrig bin; ich weiß auch schon, was. Ich warte aber noch mit dem Bestellen und lege mein graues Notizbuchbändchen am roten Tisch quer über das blau-violette der REMbox; das ebenfalls angepeilte rote hatte es verfehlt. 12:00. Eleanor Rigby (das erste und vielleicht einzige Beatleslied, wo ich damals den Text zu verstehen versucht habe). Was weht mich da alles an?


14:39.  Jazz aus den Katscheliboxen. Ich starre auf die Leinwand, wo morgen früh das Fußballspiel gezeigt werden wird – so Gott will. Jetzt ist es im Lokal sehr ruhig, obwohl alle Tische besetzt sind. Ich bin es, der mit seinen blöden Witzen die Ruhe unbedingt stören muß. Was ist denn los? Ginge ich jetzt schnurstracks nach Hause, käme ich voll in die Abholzeit mit ihrem Gedränge im Vorzimmer; das muß nicht sein. So warte ich noch ein wenig ab. Draußen sitzt niemand. Die Stimmung ein wenig wie die Ruhe vor dem Sturm. Fragt sich, welcher Sturm, oder? Alle hier arbeiten an ihren Laptops oder Dings (Notebooks – der Tipper), nur ich schreibe händisch auf Papier. Nachdem die Posaune geblasen hat, klimpert das Klavier, alles sehr dezent, ausgewogen und … bis ein Handy düdelt. Bin ich froh, dass es nicht meines war (Präteritum: inzwischen hat es schon aufgehört; so schnell bin ich beim Schreiben nicht). Komm! Entspann dich! Leg Griffel und Brille weg und lehne dich zurück! Wieder Schweißbogen-Sternspritzer-Lichtreflexionen, diesmal von einer Frontscheibe eines Autos.


(16.6.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juni 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

Montag, 15. Juni 2026

4512 Ende der Durchsage

 



12:35.  Ich bin so müde. Aber ich habe es ins Weltcafé geschafft; zu Fuß. Ich habe mich ins Innere geschlichen, ohne dass es jemand bemerkt hat. Nun sitze ich da und warte, bis ich wahrgenommen werde und bestellen kann. Schon passiert (von sich aus meldet er sich nicht – der innere Spötter). Ich bin so müde. Meine Wahrnehmung franst aus. Im Innenhof, auf der Seite, wo ich kaum je durchs Fenster geschaut habe, schaukeln die riesigen Blätter eines mir unbekannten Baumes in einer leichten Brise auf und nieder, ohne ihre fast waagrechte Ausrichtung aufzugeben, als würden sie flach auf mehrstöckigem Wasser schwimmen.

Gestärkt wende ich mich wieder der Umgebung zu. Eigenartige Blickachsen ergeben sich (wem? - der innere Spötter) und Anblicke eigenartig kauender Menschen (selbstvergessen oder über-ichbewußt?). Mein Gedankenfluß stockt und kommt nicht weiter; dreht sich im Kreis, hat sich in Dickicht verfangen (vielleicht staut er sich auf und du kannst darin baden?! - der innere Spötter). Jetzt einmal huste ich bloß. Oder läßt mein Gehirn nach, organisch, denn statt bloß habe ich block hingeschrieben; solches passiert mir in letzter Zeit oft. Mein Gott! Ich habe doch gar nichts zu sagen! Deswegen fällt meine Schreiberei ins Leere. Ach, meine linke Hand halte ich wie fast immer zu einer schwachen Faust geschlossen. Was will ich festhalten? Was will ich nicht, dass es mir aus der Hand fällt? Ich entdecke getrockneten Zahnpastaschleim auf dem rechten Handgelenk und reibe ihn mit der Linken plus Spucke ab. Die Barbara Frischmuth ist so eine tolle Schriftstellerin! Wie sie beschreibt, ihre Geschichten aufbaut, fortführt und beendet! Mich frißt der Neid! Aber ohne es ihr nicht zu vergönnen! (Geht das überhaupt? Beziehungsweise: was ist Neid? - der innere Spötter.) Ich bleibe hocken; habe keine Lust, in die Parks nebenan zu gehen, obwohl die Sonne scheint. Ich sehne mich nach Landschaft, nach richtiger Landschaft mit ins weite Tal hereinziehenden Wolken zum Beispiel. Die können sich natürlich auch auflösen und der Sonne und dem weiten Himmel Platz machen, so weit es der Hügel oder der Berge wegen geht. Es muß eh nicht das steirische Ennstal sein, meinetwegen Ost- oder Südsteiermark, oder Slowenien. Und ich bin sicher, wir würden auch in anderen Bundesländern die richtigen Plätze finden. Ist ja wurscht!

Schmeckt der Kaffee gut! Jetzt hat er die angenehmste Trinktemperatur. Ich habe es – ganz einfach gesagt – zu nichts gebracht. Ich bin mir deswegen nicht böse; es ist nur schad’ um mich. Ich bin der innere Kritiker und schreite jetzt ein: Stopp! Halt! Nicht weiter! Dein Selbstmitleid in Ehren, aber das geht nicht! Nicht in einem Text, den du veröffentlichen wirst! Und – du weißt das genau! - auch nicht vor deiner inneren Wahrheit. So! Ende der Durchsage!


(15.6.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juni 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4511 Ruhe

 



9:36 a.m.  Ich liege im Bett, schlafe, döse und denke: ich sehne mich nach Ruhe. Als dann die Tageskinder johlend die Stiegen heraufkommen, merke ich erst, wie sehr ich soeben die Ruhe hatte. Und mir fällt erst jetzt auf, dass ich gegen meine Gewohnheit noch nicht gefrühstückt habe. Allerdings habe ich gar keinen Hunger; was mich auch wundert. Soweit dieser Morgen, an dem ich nun – nachdem ich mein Gesicht mit kaltem Wasser aufgeweckt habe – im Bett hocke und lesen will. Das Büchlein liegt schon unter dem Notizbuch auf meinem Schoß bereit.


(15.6.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juni 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4510 Soundcheck

 



17:40.  Durch die offene Lokaltür kommt der Zigarettenrauch herein. Draußen brennt die postgewittrige Sonne her auf den zum Teil noch nassen Asphalt. Zum kleinen Teil. Heute gibt es eine Lesung im Katscheli. Ich bin in die Vorbereitungs- und Aufbauarbeiten geraten. Von und über irgendwelche Spiegelungen blenden durch das Glas der offenen Lokaltür von Zeit zu Zeit irgendwelche Lichtflecken herein, deren Ursprung schon die Sonne sein müßte. Der Soundcheck läuft gerade, ich hätte ihn lieber vermieden, wenn ich es gewußt hätte (ich habe hier immer ohne technische Hilfsmittel gelesen), es kommt mir vor, als wäre ich in ein intimes Geschehen eingedrungen. Schreiben tue ich nicht, weil ich etwas zu sagen hätte, sondern aus Verlegenheit. Aber gehen will ich jetzt auch nicht; was kann ich dafür, dass der Beginn um mindestens eine halbe Stunde verschoben wurde? Ich bin heute schon 12 537 Schritte gegangen und will nun sitzen und rasten. Eigentlich fürchte ich mich vor dem, was mich da erwartet. Aber ganz hinten an der Wand, den Tisch als Barriere vor mir, könnte es gehen (auf meinem T-Shirt steht: noli me tangere!). Die Dächer der geparkten Autos blinzeln von je einer einzigen Stelle blendend beim Fenster herein. Selbst die Gesichter und nackten Oberarme der Menschen draußen in der Sonne schaffen ein Lichtstrahlbündel bis herein zu schicken. Mein Gott! Bei solchen Veranstaltungen bin ich so ein Fremdkörper! Ich gehöre auf die Bühne, Kanzel, in den Altarraum, auf ein Podest et cetera, niemals ins Publikum. Aus nicht so eindeutig herleitbarem Frust beginne ich, innerlich grantig zu werden (der Frust ist schon herleitbar – er will nur nicht nachdenken und sich die Sache genauer anschauen – der innere Spötter). Für Flucht ist es zu spät. Die abstrahlenden Sonnenflecken auf den Autodächern schauen wie der dichte Funkenflug beim Schweißen oder wie Sternspritzer aus und man kann die Lichtstrahlen abspringen sehen. Der Himmel schweißt ihnen ihre Egocontainer auf - auch nicht schlecht! Okay! Okay! Zurück ins Hier und Jetzt!

Jetzt werde ich plötzlich sehr müde. Ich gehöre nicht hierher. Ich meine nicht das Lokal; ich meine diese Welt. Ich weiß mir hier nichts anzufangen und alle meine Anläufe verlaufen im Sand. Wie ein Fluß, der nie das Meer erreicht (ist das hier und jetzt? - der innere Spötter). Nur dem Ventilator fühle ich mich verbunden, obwohl der ja nicht vergeblich kreist. Jetzt ganz, ganz schöne afrikanische Musik aus den Boxen. Wirklich wunderschön! Danke, Universum! Danke, Afrika! Der Wind hebt draußen die Sonnensegel und muß sie wieder fallen lassen. Gut, drei starke Schweißstellen an drei Autos draußen blenden mich noch und ein paar schwächere gesellen sich dazu. Gut, schweißt mich auf und laßt die Funken überspringen; ich bin bereit, in Licht aufzugehen. (Boah! Jetzt trägt er aber dick auf und überschätzt seine Kräfte, seine Containance und seine Hingabefähigkeit! - der innere Spötter)


(Die Lesung der Schriftstellerin war übrigens sehr toll! - der Tipper)


(13.6.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juni 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

Freitag, 12. Juni 2026

4509 Invasion der Riesen

 



10:49 a.m.  Trauer oder Rührung? Was ist das jetzt? Und das mitten in meinem Lieblingscafé. Hier ist voll was los und mir kommen die Tränen in die Augen (aber nicht aus den Augen heraus! Aber könnte tendenziell physisch in Richtung überall ausrinnender Greis gehen, oder psychisch in Richtung sentimentaler alter Depp - der innere Spötter). Riesige Männer gehen durchs Lokal; vermutlich Lieferanten. Mich wundert es, dass sie nicht mit ihren Köpfen an den Türbalken stoßen (Türbalken? In Wahrheit ein Metallquerdings). Die Sonne scheint hinter Wolken verborgen und Wind ist aufgekommen, die Platane in der Laube rüttelt und schüttelt sich. Ich bin im vorderen Raum der einzige männliche Gast. Eigentlich ist es sehr laut. Vielleicht sind die Riesen gar keine Lieferanten, sondern Profis irgendeiner Umbaufirma oder eines technischen Dienstes. Jedenfalls diskutieren sie etwas Räumliches, Praktisches oder Technisches mit dem Chef. Ein kleiner Bub, der auf der Schulter seines Vaters liegend durchs Lokal getragen wird, schaut aus seiner erhöhten Position offensichtlich fasziniert auf den drehenden Ventilator am Plafond, ohne dass es sein Vater merkt. Jetzt geht eine Riesin durch den Raum, sie schaut nur bescheiden auf ihr Smartphone und ihr Dutt streift die Querschiene der Lokaltür oben gerade nicht. Vom gar nicht unsympathischen weiblichen Lärm um mich gerate ich fast in Trance. Noch ein Riese taucht auf. Was ist los? Invasion der Riesen? Von wo kommen sie? Oder war ich – sagen wir – einen Tag lang hundert Jahre bei den saligen Fräulein und jetzt hundert Jahre später hat sich die Durchschnittsgröße der Bevölkerung um einen, einen halben Meter erhöht? Nein, alles ist noch wie vorgestern; Chefin, Chef, Kellner, KöchInnen erkenne ich wieder; das kann keine Trickserei sein! Kurz wird es ganz ruhig im Lokal; eine abgesprochene Generalpause? Wer hat die angeordnet oder wurde sie demokratisch festgelegt? Zu kurz, als dass ich mir darüber Klarheit verschaffen hätte können. Draußen hat sich die Sonne wieder durchgesetzt. Der Lichtengel! Leuchtet heute wieder, asymmetrisch. Beim Pinkeln am Klo – nein, das beschreibe ich nicht genauer – ist mir aufgefallen, dass ich noch kindlich bin (kindlich? Nicht -isch? - der innere Spötter). Noch ein Riese. Und noch eine Riesin. Bin ich letzte Nacht geschrumpft? Wäre eine Möglichkeit. Wenn, dann jedoch nicht allein: Chefin, Chef, Kellner und KöchInnen sind auch kleiner als die Riesen. Ich greife zur REMbox. „Der anale Beichtstuhl der Gier“ – Zitat aus einem REM-Text in der REMbox – löst inneres Gelächter aus. Gottseidank! Oder wem oder was auch immer. 11:55 a.m. Bald ist Mittag (aber nicht der höchste Sonnenstand! - wie ich nicht müde werde zu betonen). Angenehme weibliche Musik. Der Geräuschpegel ist gesunken. Mit Fortdauer wird dieser Song doch weniger angenehm.

Oder findet in Wien ein Kongress großgewachsener Menschen statt? Schon wieder RiesInnen!


13:29.  Schöne afrikanische Musik im Katscheli. Ein wunderschönes Lied. Gefolgt von französischer, „postmoderner“ (will sagen: eklektischer) Schrägheit. Weiter verfolge ich das jetzt nicht. Allmählich wird mir mein Input zu viel. Heimgehen. Jetzt spanisch.



(12.6.2026)



©Peter Alois Rumpf    Juni 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4508 Hell und leicht

 



8:50 a.m.  Oh! Keine Angst heute früh! Das ist schon mal etwas! Dabei hatte ich Träume von russischer Gefangenschaft und noch etwas Schrecklichem, das ich vergessen habe. Meine obere Bildreihe unterm Plafond kommt mir heute so hell und leicht vor. Ein wenig warte ich noch, dann werde ich in mein Lieblingscafé fahren – die Frühstücksrushhour vermeiden – gleichzeitig verdauet mein Frühstücksmüsli mit Knarren, Knurren und Glucksen geräuschvoll im Magen.


(12.6.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juni 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4507 Fast!

 



22:41.  Es ist unglaublich, welch immense Trauer mich plötzlich überkommen kann. Wie aus dem Nichts. Ich erkenne keinen konkreten Anlass. Ich vermute, dass sie aus alten Zeiten kommt (die wiederum nicht sooo alt sein müssen). Diese Trauer tritt sehr körperlich auf. Täusche ich mich oder macht sie mich sehr müde? Jedenfalls hocke ich schon im Bett, lasse die Geräusche der Umgebung und das Surren in den Ohren durch mich gehen, ebenso die verschwommenen Formen und Farben aus der optischen Wahrnehmung und lasse gelassen und gleichgültig die aufgescheuchten Staubteilchen vor meinen müden Augen schweben und langsam, wie in Zeitlupe, vorbeitanzen. Die kalte Luft läßt mich niesen und mein Geist ist auf Dramatik aus. Draußen wird er sie – solange alles so bleibt, wie es ist - nicht finden. Ich bin wirklich müde. So müde, dass mir fast zum Heulen ist. Fast!


23:44.  Ich habe noch ein bißchen gelesen. Und das hat mich gut von meiner Trauer abgelöst. Durch Horizonterweiterung, sozusagen.


(11.6.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juni 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4506 Thomas Müller

 



8:52 a.m.  Na bitte, es ist überstanden. Der Regen ist vorbei, die Wasserlachen beim Fenster sind aufgetrocknet und ich habe gut geschlafen. Es ist hell im Zimmer, die Bilder oben an der Wand zeigen fragile, schwache Lichtauren – aber jetzt wird alles eine Spur dunkler; am Himmel muß sich eine Wolke vor die Sonne geschoben haben (vor die Sonne! Dass ich nicht lache! Vor unser kleines Fleckchen auf der Erde, auf dem wir umherkrabbeln, hat sich eine Wolke geschoben!) und jetzt kommt die Trauer. Heute also die Trauer und nicht die Angst. Mir soll’s recht sein. Braut sich draußen wieder ein Regen zusammen? Warum denke ich jetzt an Soko Donau? Es ist hier und jetzt nicht ungemütlich, aber so ein Streifen Frust zieht sich doch durch die ganze Gefühlsanlage. Ah! Jetzt weiß ich, warum das Schreiben so holprig von der Hand geht: ich habe die Leselampe nicht aufgedreht. Ich lasse es aber dabei (wieder eine seiner kryptomagischen Entscheidungen, wo keiner weiß, wofür das gut sein soll – der innere Spötter). Die Chose wird nicht aufgeklärter, weil jetzt die markante Stimme des … wie heißt denn nur der berühmteste Profiler Österreichs? … der Name will mir nicht und nicht einfallen! … Thomas … Thomas … Thomas … (Müller – der Tipper) – die markante Stimme von Thomas Müller also aus dem magischen Off hereinbellt, wobei ich gar nicht erfaßt habe, was er gesagt hat (oder war das nur der inhaltslose Klang seiner Stimme?). Ja, so ein früher Vormittag im Bett gibt schon einiges her!


(11.6.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juni 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4505 Durchs geschlossene Fenster

 



23:04.  Es schüttet, aber diesmal ängstigt es mich, denn es kommt Wasser durchs geschlossene Zimmerfenster. Die aufschlagenden Tropfen, die zu hören ich so liebe, sind beunruhigend geworden. Gleich fürchte ich, dass meine kleine Welt zerbricht. (Ich schäme mich, das zu berichten, aber in einer ersten gelähmten Reaktion dachte ich wirklich „wenn jetzt mein letztes Asyl zusammenbricht, dann will ich nicht mehr leben. Ich habe doch schon vor zwei Jahren der Hausverwaltung gemeldet, dass mein Fenster undicht ist. Die Folge war eine aufwendige Sanierung des ganzen Lichtschachtes, sicher teuer, aber mein Fenster ist bei Starkregen wieder undicht. Ich will mir das nicht mehr antun, noch dazu, wo damals bei zur Reparatur ausgehängten Außenflügeln und bei einer schon Tage vorher in den Medien angekündigten, heftigen Gewitterfront keiner der Handwerker sich um die Abdichtung der offenen Fenster gekümmert hat oder gar mir bei meinen unprofessionellen Versuchen geholfen und ich das selbst irgendwie hinpfuschen mußte, um eine Überschwemmung in meinem Zimmer zu vermeiden. Ich kann das nicht mehr, ich bin alt. Und ich gehe nicht in die Obdachlosigkeit, niemals. Davor fürchte ich mich schon allein aus gesundheitlichen Gründen. Ich habe keinen Nerv mehr für solche Existenzkrisen“.) (Über die Berechtigung und Ernsthaftigkeit solcher Gedanken brauchen wir nicht diskutieren. Wir können nur festhalten, dass er offensichtlich eine Scheiß-Existenzangst hat, plus Scheiß-Lebensangst und Scheiß-Revierangst – der innere Kritiker.)


(10./12.6.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juni 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

Mittwoch, 10. Juni 2026

4504 Sitzen bleiben

 



12:28 a.m.  Der Song aus den Boxen hebt mit seinem Gebläse gut an. Der Lichtengel leuchtet heute nicht, sondern zeigt nur sein Skelett als Wandlampe. Ein kühler Regentag, was nicht heißt, dass es permanent schüttet. Der Stamm der Platane draußen in der Laube an der Straße wächst kerzengerade in die Höhe, die ich vom Lokal aus nicht bis an ihr Ende ersehen kann. Der Wind oder die Zugluft oder die Arbeit des Ventilators am Plafond bewegt einen an der dem Gastraum zugewandten Seite der Kaffeemaschine befestigten Zettel so, dass ihn immer wieder so eine Art Zittern erfaßt. Mit meinem Penis ist irgendetwas nicht in Ordnung; nichts Schlimmes – ich rede auch nicht von Erektion – es fühlt sich an, als würde er in der Unterhose davonkriechen wollen. Ach! Wird schon nichts sein! (Hänschen klein, ging allein … fällt mir dazu ein). Lassen wir das! (Ich kringle mich ein vor innerem Lachen! Hoffentlich gefällt das auch meiner LeserInnenschaft!) Ich trinke den letzten, schon etwas überständig und kalt gewordenen Schluck aus der Kaffeetasse und werde mir den Frucht-Gemüse-Saft mit Leitungswasser bestellen. Ich will nicht gehen. Ich will heute nicht in die Fitness; ich will sitzen bleiben, sitzen bleiben, sitzen bleiben. Das Soul-Gebläse ist immer noch am Werk und das hier jetzt gefällt mir gut. Heute sitze ich – auf Empfehlung eines der Kellner – näher am Fenster, was mir schon gefällt. Jetzt wird die Musik “popiger“ (ich verwende den Begriff so, wie ich ihn in den späten Sechzigerjahren verstanden habe), was mir auch gefällt (dir gefällt heute sehr viel, fällt mir auf – der innere Spötter). Ich will nicht, dass meine Zeit hier abläuft, ich will wirklich – hingesunken in meine wundervolle Regenmelancholie – sitzen bleiben, einfach sitzen bleiben. Innen der Ventilator, draußen die Passantinnen und der Autoverkehr sind mir Bewegung genug (Nein! Du zählst jetzt nicht die Moves deiner schreibenden Hand auch noch auf! - der innere Zensor). Ahja! Und der Wind in den Platanen. (Er beschreibt nicht alles, was er sieht! - der innere Spötter.) Ein mächtiger Mann – eine alte, europäische Ausgabe des Mighty Quinn – kommt herein und geht aufs Klo (zuerst habe ich Wiener Ausgabe geschrieben, dann auf europäische Ausgabe korrigiert, jetzt bin ich völlig unsicher. Geht mich auch nichts an). Ich reagiere inzwischen schon auf jedes Gedudel meines Handys; so geht das nicht weiter!


(10.6.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juni 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4503 Mehr ist es nicht

 



0:25 a.m.  Boah! Ich bin erschöpft. Längerer Aufenthalt unter fremden Menschen in räumlicher Enge kann mir so zusetzen (wo man schon nicht mehr weiß, wo man sich hinstellen soll, um niemandem im Weg zu stehen, und was man mit den Händen machen soll und erst recht nicht, wie, was, wo, mit wem reden). Obwohl das eine interessante Veranstaltung war und eine schöne Lesung. Ich kann auch in der kleinen Menge verloren sein. Ich beschwere mich nicht, ich klage niemanden an, ich sage nur. Es darf schon so sein. Ich bin erschöpft und spreche das aus. Punkt. Mehr ist es nicht. Das wird man wohl noch sagen dürfen!

Es regnet so schön und ich habe das Vorzimmerfenster offen und ebenso die Zimmertür ins Vorzimmer, so höre ich das Geplätscher des Regens und kann ihn riechen und atme die kühlere Luft; ich werde gut schlafen.


(10.6.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juni 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

Dienstag, 9. Juni 2026

4502 Türen öffnen automatisch

 



10:30 a.m.  Der Dienstag ist de facto mein fixer Espresso-Burggasse-Tag, wiewohl noch mehrere Tage dazukommen können. Aber auch die Herfahrt hat einiges zu bieten: mit der U2 ist das so: ab der Station Rathaus bis Karlsplatz fährt sie auf der zukünftigen U5-Strecke, die automatisiert sein wird und wo schon Bahnsteigtüren installiert sind und funktionieren, und das bedeutetet, dass immer alle – ich betone: alle – U-Bahntüren in jeder der Stationen automatisch öffnen und das Drücken des Öffnen-Knopfes an der U-Bahntür nicht nötig ist. Für mich ist das ganz simpel: dort wo es auch Bahnsteigtüren gibt, öffnen die Türen automatisch und das wird auch in jeder der betroffenen Stationen per Lautsprecher in den Waggons angesagt – und wo es die Bahnsteigtüren nicht gibt, muß man/frau den Türöffnerknopf wie bisher auf der U2 und immernoch auf allen anderen U-Bahnlinien drücken, wenn man ein- oder aussteigen will. Ich habe das schnell, nämlich nach der ersten Konfrontation mit diesem provisorischen System, kapiert und bin äußerst arrogant gegenüber den Luschis, die das nicht verstehen (wollen) und mit sinnloser Eifrigkeit die Knöpfe drücken. Noch dazu, wo ich den Eindruck habe, die Wiener Linien wollen es – aus Gründen, die ich nicht kenne, aber als technische vermute – nicht, dass man/frau bei Doppeltürenstationen diese Knöpfe drückt. Ich verachte regelrecht die Leute, die da mit wichtigem Gesichtsausdruck, aber dramhappert und deppert herumdrücken (besonders verachtet er dabei die Frauen, die sowieso die Tendenz haben, bei technischen Sachen die Ohren anzulegen und sich blöd zu stellen – denkt er zumindest, aber das schreibt er nicht hin, weil er sich nicht noch unbeliebter machen will, abgesehen davon, dass er sich mit seinem Beitrag ohnehin schon als Funktionsfaschist geoutet hat – der innere Spötter). Ich kann in diesen Situationen den Impuls, den Leuten, die verschlafen, ignorant oder realitätsverweigernd diesen vermaledeiten Knopf unbedingt und unbelehrbar drücken wollen und schon trancemäßig auf diesen zusteuern, laut zurufen: „Halt! Stopp! Nicht!“ und wenn sie zum Knopf hinlangen, ihnen auf die Finger zu klopfen. Ich kann diesem Impuls also kaum widerstehen. Mein Kompromiss zwischen meinen Impulsen und den gesellschaftlichen Normen ist, dass ich – wenn ich auf dem Weg hierher beim Volkstheater aussteigen will – gleich nach der Station Rathaus mich vom Sitzplatz erhebe, mich ganz bis zur U-Bahntür dränge und mit meinem mächtigen Körper den Zugang zum Druckknopf verstelle.

Und heute war noch etwas: ich steige beim Volkstheater – niemand hatte es gewagt, den Knopf zu drücken - aus – ich hatte mich in der U2 genau in den Waggon und an die Tür platziert, wo ich direkt zur Rolltreppe zur 49iger-Haltestelle hinauf komme – mache die paar Schritte zur Rolltreppe, besteige sie, als ich sehe, dass der junge Mann vor mir zu laufen beginnt, weil er von seiner Position weiter oben schon sehen kann, dass eine 49iger-Straßenbahn in der Station steht und jederzeit losfahren könnte, renne auch ich los – so gut es geht: Knie, Kreuz – und dem Mann vor mir zur Straßenbahn nach. Eine Sekunde und Millimeter, bevor er den Türöffnerknopf erreicht, hat jedoch der Straßenbahnfahrer den Türöffnungsautomatismus ausgeschaltet und die Tür geht nicht mehr auf. Darauf zeigt der junge Mann von ganz hinten nach vorne dem Fahrer den Stinkefinger und ich mache es in seinem Windschatten, aber gut sichtbar ebenso. Da aber schaltet der Fahrer die Türöffnerelektronik wieder ein und wir können einsteigen (möglicherweise hat er dadurch eine Grünphase der entscheidenden Ampel verpasst). Als ich dann Haltestelle Kirchengasse aussteigen will, gehe ich ganz nach vorne und spreche gegen das geschlossene Kommunikationsgitter der Fahrerkabine „ich möchte mich für den Stinkefinger entschuldigen!“, weiß aber nicht, ob der das überhaupt gehört hat. Deshalb drehe ich mich nach dem Aussteigen um und blicke von außen vorne in die Fahrerkabine und lächle den Fahrer an und tippe mit meinen beieinander gehaltenen rechten Zeige- und Mittelfinger auf den Schirm meiner Kappe und auch er lacht und hebt – ein wenig müde? – grüßend seinen Arm.

Das auf dem Weg hierher. Nun also sitze ich im Espresso Burggasse, habe die Zeitungen schon gelesen und werde bald meinen zweiten Cappuccino bestellen, vielleicht auch ein Schnittlauchbrot (köstlich! Mit aufgeschlagener Butter!), blicke kurz zum asymmetrischen Lichtengel – der linke Flügel scheint immer schwächer zu leuchten – aber vorher werde ich mein Handy checken. Mein rechter Arm ist von der Schreiberei schon müde, darum wende ich mich der REMbox zu.



11:24 a.m.  Creedence Clearwater Revival aus den Boxen (heute scheinen sie wieder auf Nostalgietrip zu sein (Rolling Stones, sogar Cream … wirklich nicht die Schlechtesten. Dabei sind die Kellner zu jung, um für diese Musik nostalgische Gefühle zu hegen). Auf meinem Leiberl übrigens steht: Lieber nicht! (Crosby, Stills, Nash and Young – genau genommen weiß ich nicht, ob mit oder ohne Mr. Young). Jetzt tritt gerade eine Pattsituation ein, sowohl was das Wetter draußen, als auch was meine Impulse betrifft. Dabei schreibt mir meine Armbanduhr, ich solle mich bewegen und läßt am Display so ein Männele tanzen, aber ich habe einen kindischen Widerstand gegen solche kindischen Aufforderungen. Aus Verlegenheit und ratlos greife ich zur REMbox. Aber die tausendste Betrachtung meiner „verschollenen“ Bilder (in dieser Sache war ich mir mein eigener Nazi) bringt mir heute auch nichts (Griffel weglegen wäre eine Option – der innere Spötter). (Jetzt wieder die Rolling Stones.) Ich betrachte den Unterschied von Lichtstärke und Schatten zwischen der kristallinen Deckenlampe und ihrer Spiegelung im Fenster (den Hit kenne ich auch, aber … doch Rolling Stones … oder doch nicht? - ich bin verwirrt … nein, nein, sicher nicht, aber ich weiß nicht wer). Salzkristalle auf meiner Haut (vom Essen des Schnittlauchbrotes! In China ist ein Sack Reis umgefallen – der innere Spötter).

Gewasserten Frucht- und Gemüsesaft bestellt (das wird ein Scheiß-Text, mein Freund! - der innere Spötter). Der bewässerte Saft schmeckt köstlich! (deine depperten Wortspiele sind auch fürn Hugo! Und fällt dir nichts anderes ein als das köstlich!? - der innere Spötter). Zu viel Rolling Stones gehen mir doch auf die Nerven, ich weiß nicht, ob das an der Quantität oder der Qualität der gespielten Nummern liegt.

An einer Schriftstellerkarriere kann ich nicht arbeiten, ich gehöre zu denen, die entdeckt werden müssen (und dann würde er sich noch ausführlich zieren! Er hat eine Scheißangst vor Erfolg! - der innere Spötter), abgesehen davon, dass mein Alter … (was jetzt! Schreib eine ordentliche Aussage hin! Sei nicht so denkfaul! Die drei Punkte … sind feig! - der innere Kritiker).

Diese Unruhe in der Ruhe vor dem Sturm; diese Pattsituation; diese – scheinbare! - Unentschiedenheit, wo doch schon längst alles beschlossen ist; diese Illusion über die Möglichkeiten des Eingreifens, wenn die Schicksalsmechanik schon abzulaufen beginnt; diese Hin und Her – innen und außen; dieses unangebracht wirkende Aufgescheucht-Sein, dabei ist es absolut angebracht, wenn es auch schon fast zu spät ist; eilt alle in die Luftschutzbunker! Aber auch ich bleibe sitzen und trinke langsam meinen köstlichen Saft. Es wird Zeit, dass endlich die Fußball-Weltmeisterschaft beginnt! Die Musik irritiert mich immer mehr, nicht, weil sie schlecht wäre, sondern weil sie mir bekannt und in meinen Tiefen der Erinnerungen abgespeichert vorkommt, aber ich keine Ahnung habe, wer da spielt. Vielleicht sind es unbekannte Nummern bekannter Bands oder Sänger (heute nur männliche); vielleicht sind sie remastered und mir deswegen etwas entfremdet, … . Das mit dem Saft war eine gute Idee! (jetzt hau ich dir bald das Schreibzeug aus der Hand! Nimmt dein Klumpert und geh! … heim! – der genervte innere Kritiker.)


(9.6.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juni 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4501 Hinstrecken

 



0:58 a.m.  Ich entdecke, was ich da – mir gar nicht recht bewußt – mit Datum und Uhrzeit eigentlich hinschreibe: die Zeit; und die vergeht. Und wenn sie ganz vergangen ist, bin ich tot.

Jetzt allerdings bin ich nur müde und möchte schlafen und nichts mehr denken. Um mein eingespieltes Protokoll zu erfüllen, schaue ich mich noch ein wenig im Zimmer um, wo ich aber auch nichts Besonderes feststelle: die Dinge bleiben an ihren Plätzen, ich höre keine Stimmen (solche hat er – außer vor Jahrzehnten einmal in einem Traum, wo jemand flehentlich seinen Namen gerufen hat und er davon wach geworden ist, und das Rufen immer noch vernommen hat – auch gar nie gehört – der innere Spötter), das Surren bleibt unauffällig (solange er nicht genau hinhört – der innere Spötter) und somit mache ich nun Schluß und werde mich zum Schlaf hinstrecken (hinstrecken ist nicht korrekt; er rollt sich immer zur Seite ein – der innere Spötter).


(9.6.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juni 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

Montag, 8. Juni 2026

4500 Wie gesagt: wenn

 



15:30.  Wenn ich Literat bin, dann bin ich inzwischen ein Kaffeehausliterat. Wie gesagt: Wenn. Wenn nicht, dann bin ich ein schreibender Kaffeehaussitzer (wobei ich die traditionellen Kaffeehäuser vermeide). Ui! Jetzt bin ich in die Handytipperei abgerutscht. Das muß ich wieder einbremsen! Übrigens: Kaffeeamt. Zufrieden muß ich gähnen. Ich habe heute schon viel geschafft: am Morgen der Kampf mit dem Drachen, obwohl ich den eher ausgetanzt habe; vier Texte eingetippt und - bis jetzt – sagen wir: zwei Texte geschrieben (und das bei insgesamt nur zwei Kaffees! - der innere Spötter); ach ja, eine Ladung Geschirrspüler von Mittag wird auch schon fertig sein; nicht zu vergessen: in der Früh rasieren, Zähneputzen; die kleine Wanderung in den Achten, auf der Brücke über den Donaukanal die Vier-Elemente-Andacht … sonst will mir jetzt nichts Wichtiges mehr einfallen. Also Zeit, nach Hause zu gehen, den Geschirrspüler ausräumen und die zweite Ladung vorbereiten? Auch hier macht die Sonne draußen an den Mauern und in den Fensternischen herinnen schöne Lichtflächen.


(8.6.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juni 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4499 Spielverderber

 



12:45.  Ich sitze im Weltcafé ausnahmsweise auf der wunderbar schattigen Terrasse draußen an diesem heißen Tag, somit im Raucherbereich, und hoffe, dass mir das Geschehen in der Schwarzspanierstraße Beschreibungsmaterial liefert. Im Moment allerdings habe ich einen großen Durchhänger, aber schon kommt der üblicherweise bestellte Cappuccino. Es ist wirklich ein Weltcafé: zwei Tische weiter reden drei junge Damen Tirolerisch! Die anderen Tische kann ich nicht gut genug abhören (Spionageausrüstung wäre nicht schlecht!). Was sie alle reden, verstehe ich sowieso nicht. Und: der Wind versucht meine aufgeschlagene Notizbuchseite umzublättern. Versitze ich hier einen begehrten Essplatz beim ledigen Kaffeetrinken? Meine Skrupel scheinen unausrottbar. Damit kann ich schon leben, wie mit meiner Morgenangst, dem knappen Budget, dem zumindest unsicheren gesellschaftlichen Status, den Besenreisern an den Beinen, den zur Zeit moderaten Knie- und gelegentlichen Kreuzschmerzen, der zunehmenden Vergeßlichkeit (jetzt passiert es ihm schon, dass er ein Wort mit doppel s schreibt und dann auf ß korrigiert; er wird bald widerwillig, aber doch auf die neue Rechtschreibung umgeschaltet haben – der innere Spötter), der Weltfremdheit, meinem Fremdkörperdasein, weniger mit den lästigen Stoff- oder Plastikmarkerln oben innen am Kragen der T-Shirts, die mich ständig am Hals kratzen, aber wieder gut mit dem Anblick von kurzbehosten oder -berockten oder -bekleideten Damenbeinen (es ist nicht so schlimm, wie es klingt; das findet er hald (sic!) witzig; verzeiht es ihm, er wurde noch in den Fünfzigerjahren grundsozialisiert - der innere Spötter), und mit Kaffee, der mich schon optimiert hat, stimmungsmäßig (später dann und bei Überdosierung macht ihn der Kaffee weinerlich – der innere Spötter). Vorhin habe ich gelesen, dass es für die Haut gesünder ist, nur zwei- oder dreimal die Woche zu duschen! Ich hab’s gewußt! Ich hab’s gewußt! Zurück in die Schwarzspanierstraße: die Tischbesetzung nebenan wechselt (es hat rundherum schon mehrere Wechsel gegeben, aber er ist mit dem Schreiben nicht nachgekommen – der innere Spötter).


13:30.  Der große Narrenturm wölbt sich hinter der niederen Hecke auf der kleinen Böschung vor dem richtig blauen Himmel fast erschreckend nahe zu mir her, als ich aus dem Tietzetor getreten bin, obwohl der Abstand reichlich sein müßte. Ich lehne mich an die schattige Hausmauer und schaue zum alten, sonnenbestrahlten Rundbau hin (das ist es für jetzt, länger mag er nicht stehen und krampfhaft das Notizbuch mit der Unterkante an seinen Bauch pressen um zu schreiben – der innere Spötter). Ich lasse den Wind die Notizbuchseite umblättern, weil sie vollgeschrieben ist. Hoffentlich weht er mir in Dankbarkeit neue Ideen zu (naja, die Sache spielte sich in Wahrheit so ab: der Wind will seine Seite umblättern, erhält das Blatt nieder, schreibt den Satz Ich lasse den … ganz unten am Rand der Seite hin, weil er die Idee hat, den Wind tatsächlich die Seite umblättern zu lassen, die aber erst jetzt, nach obigem Satz, voll ist; als er aber den Wind dann umblättern lassen will, kommt dieser aus der anderen Richtung und drückt das Blatt nieder – der innere Spielverderber).


(8.6.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juni 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4498 Standhalten

 



7:31 a.m.  Es ist ein schöner Sommermorgen. Ich wache gut ausgeschlafen auf, die optimistischen Geräusche der aufgeweckten Stadt kommen beim offenen Fenster herein, nicht zu aufdringlich, eher wie ein Angebot zu einem tüchtigen Leben, aber mir fährt die nackte Angst ein, die mich innerlich zittern läßt und die meine Körpermitte bis zur Übelkeit traktiert. Ein großes Verzagen kommt über mich und der Gedanke, dass mir das alles zu viel ist. Ich weiß jedoch, dass dieser Zustand vergeht und vergesse das nicht und halte stand, aber vom Empfinden her würde ich am liebsten verschwinden, als wäre ich in der falschen Welt gelandet oder hätte an die falschen Tür geklopft. Langsam aber beruhige ich mich nun und langsam kann ich mit dieser Welt da etwas anfangen: ich verspüre leichten Hunger und denke an das Frühstück, ich stelle mir das sonnenbeschienene Draußen vor – hier herinnen in meiner Kemenate sieht man kein Sonnenlicht – denke an meine kleine Wanderung zur Psychotherapie heute und ob ich das hier zum Thema machen könnte, überlege, ob ich vorher auf einen Cappuccino ins Weltcafe einkehren soll und dort noch ein wenig schreiben, oder ob ich letzteres in den Parks des alten AKH machen könnte und dabei das Licht und all die Schatten vor allem der Bäume betrachten und zuschauen, wie ein möglicher Wind sie bewegt. Meine Atemzüge werden nun tiefer und gewinnen allmählich mehr Terrain, die Panik scheint sich auf einen winzigen Punkt irgendwo in der Leibesmitte zusammengezogen zu haben, aber dort sitzt sie nun und lauert und wartet auf die Gelegenheit für einen weiteren Ausbruch. Ein wenig zittert noch mein Kinn, aber jetzt einmal ist das Ärgste überstanden.


(Diese Angst ist übrigens nicht neu; er kennt sie schon sein ganzes Leben – der Tipper)


(8.6.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juni 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4497 Ein bißchen schwer

 



22:26.  Der frühe Vogel fängt den Wurm. Ich hoffe, dass das auch für Schlafen und Träumen gilt. Im Lichtschacht röhrt eine Klimaanlage oder Lüftung. Ansonsten ist es recht still. Jetzt hat die auch aufgehört. Nur in meinen Ohren schrillt es noch. Mein Herz ist wieder ein bißchen schwer; es scheint das zu mögen, oder zumindest als angemessen zu empfinden. Mich stört es nicht.


23:04.  Können wir noch etwas sagen? Ich ziehe eine nichtssagende Grimasse, die soetwas wie ich weiß nicht bedeuten könnte, aber ich kann ihre Ausdrucksstärke oder Schwäche ohne Spiegel nicht beurteilen. Jetzt werde ich doch müde. So richtig müde.


(7.6.2026)


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4496 Kein Grund

 



10:52 a.m.  Jetzt schon den ersten Cappuccino im Leo. Ich habe ihn noch nicht bestellt. Jetzt aber. Reggae aus den Boxen (verdammt! Wie schreibt man das? Muß nachschauen), irgendwas mit Mama und Papa wird gesungen. Neue Bilder an der Wand gegenüber fallen mir auf und ich erhebe mich von meinem Sitzplatz, gehe hin und betrachte sie (die Frau, die dort sitzt, zieht gleich ihre Taschen näher an sich heran). Schlichte, klassische Zeichnungen; sie gefallen mir. Der erste Schluck und dann der zweite, der ein Doppelschluck geworden ist. Die Musik hat sich verändert, rhythmisch kein Reggae mehr, aber der Gesang wirkt noch so (der Geist will hald (sic!) immer Zusammenhänge sehen, wo vielleicht gar keine sind). Ohne Zeitung und ohne REMbox bleibt mir nichts anderes über, als aufs Handy zu schauen (oh Gott! Wie mir dieses Wort Handy auf die Nerven geht! Smartphone – ich weiß gar nicht, ob mein Handy ein solches ist – klingt mir wiederum viel zu angeberisch (ich bin nun mal nicht smart und bin es nie gewesen). Jetzt wird ausführlich und ausdauernd von Sunshine gesungen und – da! schau! - draußen scheint die Sonne!

Am Handy nichts Neues; es ist nur ein Anruf von Private Telefonnummer abgespeichert (solche Tricks gehören verboten!). Wieder hat sich die Musik verändert: gekonnt humpelnder Rhythmus und der Singsang mit glockenspielähnlichen Tönen geradezu versüßt, aber sparsam und mit raffinierter Zurückhaltung. Mir jucken die Augen. Jetzt wird die Musik souliger. Der Kaffee entfaltet seine Wirkung und das ist gut so, vorher bin ich im Gehen fast eingeschlafen (auch wenn es als gut empfunden wird, kann es fragwürdig sein – der innere Spötter). Das Handy düdelt. Botschaft von meiner lieben Frau. Das ist jetzt aber nicht der Grund, warum ich das Lokal gleich verlassen werde.


(6.6.2026)


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4495 Überstanden

 



23:41.  Der Tag ist überstanden, gar nicht einmal so schlecht. Das zweite Frühstück im Kaffeeamt war lebensrettend (übertreib nicht! - der innere Spötter). Mein Handy habe ich jetzt am Ladekabel und ich befinde mich schon in meinem Bett. Müde bin ich, geh zur Ruh. Das war heute schon ein Kampf ums innere Gleichgewicht und der hat seinen Tribut gefordert. Aber jetzt ist es gut. Gut getan hat mir auch, dass ich das Training im Fitnessstudio gestrichen habe und auch mein Zehntausend-Schritte-Programm. Wenn ich auch gar nicht zum Lesen gekommen bin. Für heute ist es genug.


(5.6.2026)


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Freitag, 5. Juni 2026

4494 Leib und Seele zusammenhalten

 



12:37.  Ich bin im Kaffeeamt und versuche, meinen noch eher leichteren Deprivationszustand in den Griff zu bekommen. Das sind Momente, wo ich nicht weiß, was ich gerade mache und machen wollte, nicht weiß, wer ich bin, wo die Alltagswelt zu verschwimmen droht und wo sehr, sehr fremdartige „Erinnerungen“, die sich jedoch wirklich als echt erlebte ausgeben, aber von denen ich keine Ahnung habe, hereindrängen, als Einschübe in meine fragil gewordene Alltagsrealität. Ob das mit dem Regen draußen zu tun hat? Mir kommt es so vor, aber in diesem Zustand traue ich mich nicht, auch nur halbwegs verbindliche Aussagen zu machen. Hier will ich unter Menschen essen, um meine Alltagswelt zu stärken; nicht ganz risikolos, wenn die Sache doch noch kippt, aber ich glaube, ich manövriere eh ganz geschickt durch dieses innere Chaos, nur sollte bald das bestellte Essen kommen, auf dass es Leib und Seele zusammenhalten kann.

Vielleicht einmal ein Schluck Wasser. Done. Die solche Zustände begleitende Angst ist noch nicht in blanke Panik abgerutscht; ich glaube, ich kann die Balance halten. Soll ich auf die blöden Medikamente, die mir der Arzt verschrieben hat (Blutdruck, Cholesterin), pfeifen? Ich vermute da einen Zusammenhang. Ich brauche Essen! Zwar habe ich schon zu Hause gefrühstückt, aber anscheinend hat es nicht gereicht, mir Gewicht und Selbstverständlichkeit zu verschaffen. Mit Fitnessstudio wird heute nichts; das habe ich schon gecancelt; in diesem Zustand: nein! Ich fürchte mich vor einigen der Typen (obwohl mir dort noch nie etwas passiert ist) und bin im Moment zu verletzlich und instabil, um mich dieser forciert machomäßigen Welt zu stellen. Kaffeehaus geht, und das unverständliche Geplauder rundherum hilft mir als Geräuschkulisse, wie ein Chor, der ständig sagt: „alles ist normal! Keine besonderen Vorkommnisse!“ (obwohl das auch jederzeit kippen kann und sich ins Gegenteil verkehren). Nein, nein, es geht schon. Es wird schon gehen.

Das Mach’s Madame (Briochetoast, Beinschinken, Emmentaler, Bechamel, Dijonnaise, Spiegelei, Beilagensalat) ist köstlich und wirklich in der Lage, Leib und Seele zusammen zu halten. Ich habe während der angenehmen Nahrungsaufnahme zunehmend Souveränität gewonnen und im Gegensatz zum Zustand vorher, wo ich mir als Fremdkörper vorgekommen bin (Fremdkörper steht auf meinem T-Shirt unter dem Hemd), habe ich meine rustikale Art zu essen ungeniert ausgelebt (du und rustikal! Du ißt wie eine Tunte mit abgespreitzten Fingern und tüpfelst wie pikiert in den Saucen herum! - der innere Landmacho) (Halt! Stopp! Dieser Rustikalrowdie ist eine fremde Installation! Der ist als Image anerzogen und gehört nicht zu seinem wirklich inneren Wesen! Im Gegenteil, damit als Vorbild wurde ihm ständig auf den Kopf geschlagen, weil er nicht so war - der innere Korrektor).

Oh, jetzt geht es mir viel besser, und der Boden ist wieder stabiler (was natürlich auch eine Illusion ist – der innere Spötter). Egal, mir geht es wieder gut. Das Essen zu Hause hätte das nicht gebracht; es ging auch um Weltvergewisserung.

So! Jetzt habe ich sogar die REMbox selbstbewußt auf den Tisch gelegt; eine starke, mutige, magische Handlung, so knapp nach der vor kurzem noch schwankenden Welt. Und ja, ich schlage die Seite 255 mit den Abbildungen meiner Bilder auf und betrachte sie. Jetzt fange ich schon wieder an, etwas übermütig zu werden, indem ich die Damen des Personals bitte, mir die Speisekarte (Speisenkarte – Karte mit Speisen; Speisekarte – Karte zum Verspeisen? Oder? - der innere Spötter) für ein paar Minuten zum Abschreiben meiner Frühstückwahl zu überlassen (heimlich amüsiert mich dabei der Gedanke, sie könnten mich für einen Lokalkritiker halten, weil ich da mit aufgeschlagenem Notizbuch gegessen und meine Bestellung von der Speisekarte abgeschrieben habe – Hochstapler wäre schon lustig, wenn nicht das Auffliegen so peinlich wäre – aber dass ich das nicht sofort richtig gestellt habe, hat mehr mit der Befürchtung zu tun, dass die Leute hier gar nicht auf diese Idee eines Lokalkritikers gekommen sein könnten und ich dann mit meiner höflich besorgten und gut gemeinten Erklärung sehr, sehr blöd als größenwahnsinnig dastünde) (So! Jetzt muß ich doch etwas klarstellen: es ist ja nicht gesagt, dass die Arbeit eines Lokalkritikers höher zu stellen ist als die unseres Schreibers! Gesellschaftlich sozialstatusmäßig schon, da ist es so, aber das muß ja nicht der inneren Wahrheit und auch nicht der im Universum entsprechen. Ich behaupte auch nicht das Gegenteil: ich halte nur fest, dass das von vornherein und ausschließlich vom momentanen gesellschaftlichen Status her begründet noch nicht in Stein gemeißelt und klar ist! - der innere … wem gebe ich diese Stimme? … der innere Wahrheitssucher).

Übrigens: beim Bestellen von Mach’s Madame vorher hatte ich die üblichen Hemmungen, diesen Namen der Speise gegenüber der Kellnerin auszusprechen, weil ich sofort zweideutig denke; es wundert mich, dass ich das in diesem Zustand vorher hinbekommen habe. Vielleicht war mein Deprivationszustand eher oberflächlich. Genug jetzt!


Sehr schöne Musik aus den Boxen. Ich lege die REMbox weg und höre zu. Nach dieser Dichte schaue ich, ob eine brauchbare Tageszeitung frei ist (das Weltgeschehen als Ablenkung – der innere Spötter).

So! Zeitungen gelesen. Draußen scheint es aufzuklaren. Mir geht es gut. Der Spuk (oder was das war) ist weg (er weiß das schon, dass soetwas mit einer Verschiebung des Montagepunkts zu tun hat und dass diese komischen herandrängenden Erinnerungen mit den abgespeicherten und normalerweise verdrängten Erfahrungen des weggeschobenen, aber nie völlig abgeschnittenen Energiekörpers zu tun haben könnten - der innere Korrektor). Es ist Zeit, zu aufzubrechen. Aufs Klo werde ich zu Hause gehen. Und ich werde heute hauptsächlich lesen; auch die Seele braucht Nahrung und Training.


(5.6.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juni 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4493 Mit Leitungswasser

 



14:10.  Die Wanderung hierher ins Katscheli hat mich über mit Fronleichnamsblumen bestreute Wege geführt und ich bin von der Hitze erschöpft gerne auf einen Apfel-Karotten-Saft mit Leitungswasser und Eiswürfel eingekehrt. Wenn ich den Himmel und sein Wolkenspiel richtig lese, dann kündigt sich ein Wetterumschwung an (ja, für morgen ist Regen angesagt; ich habe nachgeschaut). Ich betrachte mein altes Spiegelbild gegenüber in einigen Metern Entfernung. Das ist eigentlich neu. Vor kurzem noch habe ich mich in den Spiegeln jünger gesehen. Oder ist das ein magischer Spiegel, der mich narrt? Und ich bin noch jung und zukunftsreich? Dieser große Wandspiegel nämlich da hinten, in dem mein Köpfchen so besonders klein erscheint, vergrößert den Raum sehr wirksam. Die Lampenschirme hier sind sehr schön (und das Getränk sehr gut). Zuerst glaubte ich, durchs Fenster einen Mann mit Steirerhut zu sehen, dann war es jedoch eine Frau mit Frisur. Also können einen auch Fensterscheiben narren.

Als ich noch getrunken habe, war ich sozial geschmeidiger (und unendlich blöder! Vergiß deine Belästigungen einiger Frauen nicht! - der innere Spötter). Nur eine leichte Brise schaukelt den rosa Stoff des langen Sonnensegels, und das nicht einmal an allen Stellen, sondern nur an seiner Ostseite (uff! Jetzt habe ich mir mit dem Blick auf den Handykompass das von mir aus gesehen links, aber von … aus gesehen … erspart!). Die Musik – mir unbekannt – fährt ein. Ich habe meine Ellenbögen auf den Tisch gestützt und meinen Kopf in die „aufgeklappten“ Hände gelegt. Der Song wird mir in seinem Verlauf doch zu fad. Der nächste fängt auch wieder vielversprechend an. Ich glaube nicht mehr so recht an seine Entfaltung, obwohl jetzt eine schöne Passage gekommen ist. Und noch eine schöne. (Wie bei deinen Texten? - der innere Spötter.) (Gegen die Wahrheit bin ich ziemlich machtlos – der Schreiber.) Jetzt geht der Wind durch alle acht Abteilungen des Sonnensegels, alle Stoffpartien wölben sich. Ich bin bei den letzten Schlucken des Apfel-Karotten-Saftes mit Leitungswasser und Eiswürfel angelangt (merkst du eigentlich, wie lächerlich und überständig dieser uninspirierte Vollständigkeits- und Aufzählwahn ist? - der innere Spötter). Die Musik ist gerade wieder sehr schön, sanftes, gekonntes Gitarrengeklimper mit sanfter weiblicher Stimme (die Kellnerin steuert via Fernbedienung unauffällig und wie nebenbei die Musikauswahl, wenn ich das richtig gesehen habe).


(4.6.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juni 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

Donnerstag, 4. Juni 2026

4492 Alter Soul

 



11:40 a.m.  Alter Soul aus den Boxen. Der Lichtengel asymmetrisch wie immer in letzter Zeit (wie fliegt es sich da?) (Dummkopf! Der Lichtengel reist als Energiekörper auf Bewußtsein – der innere Spötter). Meine alte Seele wird schon wieder etwas müde und traurig; aber das ist nicht schlimm. Ohne Schwermut kein Tiefgang (ha, ha, ha! Also wirklich! Oida! - der innere Spötter). Die eine Gast knotzt auf dem Barhocker mit Rückenlehne, als liege sie mit ihrer Rückseite zum Lokal auf einer Chaiselongue (ich habe mich soeben zu folgender Rechtschreibregel entschlossen: ich schreibe einfach die Gast und nicht die Gästin und ziehe das durch: die Lehrer statt die Lehrerin etcetera. Geschlechtszuordnung nur über den Artikel; ich will mir die lästigen -in und -innen-Anhängsel ersparen und außerdem sind Anhängsel nur in der weiblichen Form unwürdig) (und wie sind dann in deinem Plural zum Beispiel in die Käufer die weiblichen Käuferinnen repräsentiert? - der innere Spötter) (Auch wieder wahr! - der Schreiber).

Ich habe mich hier im Espresso Burggasse zum erstenmal mit dem köstlichen Hashbrown verwöhnt (der Tapfere! Dabei hat er sich das fast nicht bestellen getraut, aus Angst, das englische Wort gegenüber dem nativespeaking Kellner falsch auszusprechen. Ohne Umständlichkeiten ist es nicht gegangen, bis er es dann geschafft hat, das Wort irgendwie herauszumurmeln – der innere Spötter).

So! Und jetzt, wo das leere Geschirr weggeräumt ist und der zweite Cappuccino gekommen, kommt die REMbox auf den Tisch. Bevor ich sie aufblättern werde, gehe ich mir noch die Hände waschen (Janis Japlin aus den Boxen; mein Lieblingssong von ihr wäre Summertime). Die Chaiselonguefrau hat sich vom Platz erhoben und gestreckt. (Ich könnte ja im Singular mit der/die Gast arbeiten und im Plural generell mit dem femininen Plural) (wirkt jedoch bei - zum Beispiel - die Faschistinnen blöd, wenn die vorwiegend Männer waren und es dabei um ein patriarchalisches Projekt geht – der innere Spötter) (Auch wieder wahr! - der Schreiber). Vielleicht findet der Weltgeist bald eine bessere Lösung, wobei sich die Frage erhebt, ob und inwieweit man (!) über die Form den Inhalt erzeugen oder herbeirufen kann. Ich frage das ganz im Ernst; wahrscheinlich ist das Verhältnis Form – Inhalt doch dialektisch, oder? (ich suche im Internet vergeblich nach einem Cartoon mit Wickie, wie er mit Ski durch einen Wald fährt und erstaunt feststellt, dass die Spuren seiner Ski je eine links und eine rechts an einem Baum vorbeiführt. Das zum Thema Dialektik(kritik). In den Siebzigerjahren in der Kleinen Zeitung erschienen).

So! Jetzt schlage ich die REMbox auf.


12:43.  Schon ein wenig überdrüssig. Wessen? Ich weiß es nicht. Sitzen? Soul? Lesen? Kaffee? Schreiben? Fronleichnam. Umzüge kann ich schon mögen. Aber ich bin drauß. Hier in der Burggasse ist viel los. Fast Volksfestcharakter (er übertreibt maßlos! - der innere Spötter). Letzteres hat nichts mit Fronleichnam zu tun, glaube ich. Ich mache meine Stadtwanderung. Zahlen.


(4.6.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juni 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4491 Augen geschlossen

 



23.05.  Geht noch was? Vermutlich nicht. Ich bin recht müde. Ein bißchen horche ich noch hinaus und hinein. Irgendwas fährt schnell vorbei (innen). Das Außen ist rot-schwarz gefärbt (die Augen geschlossen). Bei offenen Augen gerät das Außen in unglaubwürdige Bewegungen und Verschiebungen.


(3.6.2026)


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4490 Heimliche Arroganz

 



11:59 a.m.  Jetzt muß ich nur noch meine heimliche Arroganz aufgeben, dann werde ich erleuchtet sein. Knapp vor High Noon (Sommerzeit – also der Sonnenstand stimmt noch nicht – als könnte eine gesellschaftliche Übereinkunft den Sonnenstand ändern! Wie dumm!). Mein erster Blick auf Ventilator und Lichtengel heute - ich würde mir so wünschen, dass letzterem beide Flügel in gleicher Lichtstärke leuchten. Der dritte Cappuccino bringt mein System nahe ans Kippen, aber noch schmecken die einzelnen Schlucke und lösen keine Übelkeit und keinen Ekel aus. Unidentifizierbare Lichtreflexionen flashen von draußen ins Lokal herein. Vor fünf Jahren zum Beispiel hätte ich mir nicht vorstellen können, in einem Lokal zu sitzen und glücklich zu sein. Ich mußte das Ausgehen wieder lernen. Natürlich habe ich inzwischen wieder die Fotos meiner später dann zerstörten Bilder in der REMbox angeschaut; ich will mich nicht völlig darauf fixieren, aber doch den Schmerz über meine Vernichtung der Bilder zulassen und aushalten üben. Der Ventilator über mir dreht sich flott und hoffentlich zieht er die Schlacken aus meinem Kopf (naja, direkt über ihm dreht sich der nicht, der befindet sich schon drei, vier Meter weiter in der Raummitte am Plafond – der innere Spötter) (Wäre jetzt toll, so einen Laser-Raumvermesser zu haben).

Langsam sollte ich mich aufmachen, wenn ich rechtzeitig zu F.s Theaterauftritt kommen soll. Der Kaffeerausch ist schon eindeutig ein Rausch.


14:29.  Eine Viertelstunde zu früh am Bankerl in der Blumauergasse. Angenehme Temperaturen, angenehmes Lüftchen (das mich ein paar Mal zum Niesen bringt), angenehmes Licht.


(2.6.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juni 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

4489 Vorspiel

 



10:24 a.m.  Habe gerade im Standard (Eric Freys Kolumne) gelesen: „Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten“. Ich jedoch sitze wieder im Espresso Burggasse, habe die REMbox am Tisch liegen, habe außer den Standard die Kleine Zeitung, Ausgabe Ennstal inklusive Todesanzeigen Bezirk Liezen gelesen und hoffe tatsächlich, dass mir heute ein genialer Text gelingen wird. Ich hoffe; glauben ist wieder etwas anderes und gelingen erst recht. Aber ich bin mit meiner Durchschnittsproduktion durchaus zufrieden, meistens. (Gute Musik aus den Boxen.) Noch zögere ich, die REMbox aufzuschlagen, wie es meine Gewohnheit ist (übrigens: im Lotto habe ich nichts gewonnen). Ich lasse mich von den Spiegelungen in der offenen Glastüre ein wenig verwirren; ein Kontrapunkt mitten in der stabileren Realität. Langsam läßt die Highness nach; ich meine die Euphorie seit der REMbox-Präsentation am Mittwoch; ich hoffe, ich habe die Quintessenz irgendwo gut abgespeichert; an einem Ort, der mir leidlich zugänglich ist. Jetzt kommt hier am Tisch die REMbox dran! Und die ist ein großartiges Buch. Man stößt auf die unterschiedlichsten Texte - Beschreibungen der Zeit und von REM, super Analysen – und, was die Texte der Remisten nach meiner Zeit betrifft, die ich nicht kannte (die Texte): sie sind alle toll und voller Weisheit. Ich als Theologe würde sogar sagen: inspiriert. Aber auf eine demütige, bescheidene, das Wunder von Existenz und Leben würdigende, wenn auch ein wenig getarnte Art, auch wenn die Oberfläche frech und arrogant auftreten kann und damit das Tiefere schützt. Mich jedenfalls haut es immer wieder um, wenn ich beim Herumblättern auf diese Sätze stoße (gut, dazu gehört nicht viel, dass es dich umhaut – der innere Spötter). Nebenbei gesagt: das „Hashbrown“ auf der Speisekarte habe ich mich noch nicht zu bestellen getraut, weil ich kein Englisch verstehe und nicht korrekt aussprechen kann (meine schlechten Englischkenntnisse sind tatsächlich ein Lebenshindernis, das mich auch davon abgehalten hat, etwas dagegen zu tun – das nur - wie gesagt – nebenbei; wir müssen es nicht diskutieren). Plötzlich steigt es in mir heiß auf: habe ich aus Unwissenheit und technischer Unbedarftheit meine E-mails zur Vor- und Nachbesprechung der REMbox-Präsentation immer an alle meine Kontakte geschickt und nicht nur an die REMistInnen (willst du mit REM ist innen nichts anfangen? - der innere Spötter)? Das wäre sehr peinlich! Ich denke ein wenig nach – vielleicht doch nicht, aber was verstehe ich schon von den dort programmierten Mechanismen.


11:46 a.m.  Wunderschöne Musik: Knocking On Havens Door von einer Frau gesungen. … Nein, es ist gar nicht knocking on havens door … es hört sich nur wie das (das Wort, das er da hingeschmiert hat, kann er nicht mehr lesen und ihm fällt auch nicht ein, was er ungefähr gemeint haben könnte – der innere Spötter) Vorspiel bis zur Passage mit der titelgebenden Textzeile an, zu einem eigenen Song ausgedehnt. Aber wunderschön.


(2.6.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juni 2026     peteraloisrumpf@gmail.com

4488 Auf morgen

 



0:46 a.m.  Das wird ein voller Erfolg! Was, das verrate ich nicht (liebe Leute, er hält euch am Schmäh – der innere Spötter). Gerade vorhin war ich saumüde, jetzt bin ich putzmunter (Etymologie nachschauen!) (hoffentlich hat es nichts mit reinigen zu tun, denkt er jetzt, wegen dem Staub im Zimmer – der innere Spötter). (Putz = Verweis; laut Wehle; durch einen Verweis eines Vorgesetzten zur Munterkeit gezwungen? Rüdes Aufwecken bei verschlafen beim Militär? – der Tipper, der immer in den Wörterbüchern nachschauen muß.) (Du könntest doch auch einfach googeln!) (Mach ich manchmal, aber das Internet kennt viele umgangssprachliche und österreichische Dialektwörter und Redewendungen nicht. Deshalb allein nicht so verläßlich – der Tipper.)

Jedenfalls: Staub fliegt hier genug herum. Das an meinem linken Ohr klingt wie eine Gelse. Kann das schon sein?, frage ich meine Leserschaft. Achja, es ist soweit: blicke ich auf die Wand gegenüber ins sogenannte Narrenkastl, rinnt die ganze Front samt Regal und Bücher nach unten, bleibt aber an Ort und Stelle. Es ist schon klar, dass das meine müden Augen sind, aber niemals sehe ich die Dinge wieder“hinaufspringen“; sie bewegen sich immer nur nach unten. Ich verschiebe jetzt die Überprüfung und Erforschung dieses Phänomens auf morgen. Oder übermorgen.


(2.6.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juni 2026     peteraloisrumpf@gmail.com

4487 Das Kaffeeamt

 



(Uhrzeit vergessen).  Ich blicke durch die Riesenfenster auf das Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen

hinaus (ich habe im Notizbuch eine Zeile frei gelassen, um Platz für die Korrektur der hingeschriebenen und als falsch vermuteten Bezeichnung des Amtes da draußen zu haben, aber: ich habe mich an Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen richtig erinnert!). Ich meinerseits sitze in der großen „Halle“ des Kaffeeamtes, mit dem ich mich immer mehr anfreunde. Vorm Amt gegenüber hängt und weht – soweit sie das - an mehreren Stellen fixiert – kann – eine EU-Fahne im Wind. Die REMbox (2 Kilo) liegt wieder am Tisch, wiewohl bei mir nach ihrer Präsentation in der Secession Lust und Eifer, sie herumzuschleppen deutlich nachgelassen haben (warum eigentlich?) und auch die Überzeugung von der „magischen“ Notwendigkeit meines Schlepperwesens. Der Kaffee ist ausgetrunken, Zeitungs- und REMbox-Lektüre habe ich schon hinter mir. Ich sollte nach Hause gehen, meine Alltagspflichten erledigen. Das sagt mir die blaue EU-Fahne.


(1.6.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juni 2026     peteraloisrumpf@gmail.com

4486 Der innere Spötter ist frech

 



23:28.  Ich bin heute keine zehntausend und auch keine sechstausend Schritte gegangen. Und auch kein Fitnesstraining. Ich habe geschrieben und getippt. Ich sollte entspannt sein (die Aufregungen sind vorbei), aber gerade jetzt bin ich es nicht. Weil ich morgen nicht verschlafen darf? Ich werde trotzdem schon jetzt den Tag beschließen (das hat er soeben beschlossen – der innere Spötter).


(29.5.2026)


©Peter Alois Rumpf    Mai 2026     peteraloisrumpf@gmail.com