4568 Die Kugellampen
11:07 a.m. Es ist zu heiß zum Schreiben. Oder fehlt bloß der Kaffee? Da ist er schon. Layla schweißt und jault so schön aus den Boxen. Mir fehlt die Zeitung.
11:48 a.m. Doch noch die richtige Zeitung gefunden. Es ist irre heiß: 37°C. Zu Hause würde ich es auch nicht aushalten, da dürfte es jetzt auch 30°C haben (aktuell 16:20 knapp über 30°C im Zimmer – der Tipper). Ich glaube, ich lasse das Schreiben heute. Wohin könnte ich gehen?
Während mein dritter Cappuccino kommt, beobachte ich die Gäste in der Laube via Spiegelung in der offenen Glastüre (keine Sorge, das schaut mehr wie gestikulierende Schattenwesen aus; ein Theaterspiel, das man nicht entschlüsseln kann, aber als solches schön – der innere Spötter). (Innerer Spötter, warum hast du mir diesen Satz gestohlen? Der passt gar nicht zu dir! – der Autor.) Die gläserne Eingangstür ist nicht der einzige Spiegel: die Blätter der Bäume und der Büsche spiegeln sich in der Glasvitrine der Mehlspeisen beim Fenster und im Schutzglas eines in der Fensternische neben der Lichtengel-Lampe aufgehängten Bildes (das ist kein Bild, sondern das Zertifikat eines Weines in einem rahmenlosen Wechselrahmen – auch rahmenloser Bildhalter genannt - der Korrektor, der aufgestanden und hingegangen ist).
Ich starre ins Licht der beiden kristallinen Kugellampen, die vom Deckenventilator leicht bewegt werden. Die kugelförmigen Oberflächen der Lampen scheinen sich zu verändern; sie bekommen Dellen und Ausbeulungen, was nichts mit der an sich schon unruhigen Oberfläche aus Glasstückchen zu tun hat. Vor allem die nähere Lampe, die den runden Motorteil im Zentrum des Ventilators verdeckt, so dass nur dessen Flügelspitzen hinter der Lampe diese umkreisen, erscheint in einer tollen optischen „Situation“ (er meint, er würde so beinahe sehen. Kannst du eine „Entrückung“ hier im Lokal wirklich brauchen? Na also! - der innere Spötter). Nun starre ich auf die andere Deckenlampe hinter dem Ventilator. Sie schaukelt leicht mit der Musik und leuchtet schön und mit sanftem Stolz wie eine milde, versöhnliche, erträgliche Sonne. Ja, und ich kann die Aura sehen! (Oida! Kein Wunder, wenn du lange in das Licht starrst! - der innere Spötter.) Auch dieser Lichtkörper bekommt Dellen und Wülste, wenn ich länger hinschaue. Jetzt versuche ich, irgendwie beide Lampen gleichzeitig im Blick zu halten, was nicht so leicht geht (aber seine Stimmung hebt und er vergißt fast die Hitze – der innere Spötter). Wie machen wir das mit dem Heimweg? Bei allen Museen am Weg zur Kühlung einkehren? Mich würde interessieren, wie viel Grad es hier herinnen hat; draußen offizielle 37°C im Schatten.
(Jetzt zu Hause im Atelier, wo ich eintippe: knapp über 31°C - der Tipper.)
(5.8.2026)
©Peter Alois Rumpf August 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

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