4566 Zwanzig Minuten
10:15 a.m. (33°C) Ich bin von zu Hause zu Fuß zum Einundzwanzigerhaus, das noch geschlossen ist, gewandert. Ich habe dafür 75 Minuten und 7901 Schritte gebraucht und bin dabei zirka 5 Kilometer gegangen. Noch geschlossen, also nichts mit einem ersten Kaffee in der wunderschönen Lucy-Bar. So sitze ich im Schweizergarten im Schatten, irgendwo heult eine Maschine (ob Garten oder Baustelle) und nervt. Ich bin verschwitzt und eine Nebelkrähe schaut mich an, dann geht sie weiter. Ich habe es befürchtet, dass das Belvedere 21 erst um 11 Uhr aufsperrt, aber fest daran geglaubt, dass um 10 Uhr aufgesperrt wird (wie sagt Luther? „Sündige tapfer, aber glaube noch tapferer“ - oder so ähnlich – der innere Spötter). Einen Trinkbrunnen sehe ich hier im Park nicht. Ein Mann übt unter einem Baum Tai Chi. Mir gibt es sofort einen Stich, weil ich Tensegrity (magical passes) seit Jahren nicht mehr übe und es nicht schaffe, damit wieder anzufangen; denn die Sehnsucht danach ist groß. Den Vögeln ist auch heiß, alle haben ihren Schnabel offen. Ein Mähtraktor fährt fröhlich vorbei und stinkt unbekümmert, die Frauen auf der Nebenbank führen ein tiefes Gespräch mit Gebeten und so, links vor mir unter einem jungen, etwas vertrockneten Ahornbaum blüht eine geliebte Wegwarte (siehste! Geht doch! - der innere Spötter). Direkt vor mir auf der anderen Seite des Weges, der vorbei führt, steht ein Mistkübel – wenn das alles keine kosmische Versuchsanordnung - wie für mich gemacht - ist! Nehme ich die Einladung an? (Auf meinem T-Shirt steht Kein Interesse.) Drüben hinter der Baumgruppe tollt eine Kindergruppe unter lauter und akustisch scharfzüngiger Anleitung der russisch (?) sprechenden Pädagogin (oder so ähnlich) auf der vertrockneten, gelb-braunen Wiese umher; und nochmals dahinter wird der bereits verschwundene Rasen gesprengt (mit Wasser natürlich, mit Wasser). In 20 Minuten von jetzt an sollte die Lucy-Bar aufsperren. Eine der Damen nebenan spricht Vorarlbergerisch und erwähnt die Schesaplana, deren Name in Verbindung mit Vorarlberg mich als Kind irritiert und jedoch schon sofort fasziniert hat (damals wußte ich noch nichts von unserem romanischen Erbe). Zwanzig Minuten, das ist noch lang. Ein Hund mit um-, aber ausgehängtem Beißkorb läuft allein und sichtlich entspannt vorbei; kein menschlicher Begleiter weit und breit. Hinter der Wegwarte – die gehören zu meinen Lieblingsblumen; ich wünschte mir nur einen schöneren Namen; -warte, das klingt für mich nach Deutschtümelei und Nazizeit, wegen Blockwart – hinter der Wegwarte also wächst eine Melde (Familie der Fuchsschwanzgewächse; keine Sorge, ich mußte das auch erst googeln (und? Was meldet dir die Melde? Von wegen kosmischer Versuchsanordnung - der innere Spötter.). Außerdem: das Deutschtümelnde im Namen der Wegwarte mag ja falsch sein, aber ich assoziiere das sofort und immer). Die Kinder der Feriengruppe müssen Sackhüpfen spielen, während die Kommandantin sie filmt. Ich muß einen Trinkbrunnen suchen (und er hat keinen gefunden – der Tipper).
[Andere Namen für die Wegwarte laut KI (pfui! - der innere Kritiker): Zichorie, Wegleuchte, Blaue Distel, Sonnendraht, Sonnenwirbel, Sonnengold, Arme-Sünder-Blume (siehste! Passt wie oben! - der innere Spötter), Faule Gretel – der Tipper, der immer recherchieren muß.]
(4.8.2026)
©Peter Alois Rumpf August 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

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