Freitag, 31. Juli 2026

4562 Sekundär

 



10:24 a.m.  Heute sitze ich – sekundär – näher am Fenster [also: sekundär heißt: zuerst saß ich auf meinem Stammplatz, dann habe ich einer Familie, damit sie zwei Tische zusammenschieben kann, Platz gemacht und bin einen Tisch nach rechts gerückt. Das ist eigentlich alles. (Daniil Charms)]. Kein schlechter Platz. Den Lichtengel könnte ich von hier aus nicht sehen, aber der leuchtet sowieso nicht mehr. Ich blicke aus geringerer Distanz zur herrlichen Platane hinaus (draußen wachsen zwei, aber aus meiner Perspektive ist nur eine zu sehen). 33°C wird als offizielle Messung für den Bezirk Neubau angezeigt. Mir fällt auf, dass ich in letzter Zeit die dem Kaffee beigelegten Schnitten esse, die ich früher nur selten verzehrt habe. Übrigens haben sie vorhin aus den Boxen von XTC Nigel gespielt (meine REM-Zeit!). Das jetzige kenne ich auch, aber der Titel fällt mir nicht ein. Ich glaube, auch von XTC; ich bin mir ziemlich sicher (geh bitte! Was druckst du so pseudobescheiden und feig herum?! Lehn’ dich aus dem Fenster! Sage ja, das ist XTC. Eigentlich bist du sicher. Du kennst den Sound – zum Beispiel die typische Gitarre – und die Stimme des Leadsängers – der innere Spötter). Das ist jetzt nicht mehr XTC; ich kenne die nicht, aber sehr schön.

Der Blick von schräg unten in die Krone der Platane hinein ist wirklich tröstlich und ergreifend; obwohl ich ja nicht direkt darunter sitze, fühle ich mich wie unter einem Schirm beschützt. (love will tear us apart again aus den Boxen.) Eine kleine Erinnerung meines richtigen und da bestätigt erfolgreichen Kommentars in einem Gespräch mit einem – damals – jugoslawischen Künstler in Miholašćica auf Cres in so einer Art „Pidgin-English“ aus dem Jahre 1987 fällt mir unvermittelt ein („Die Neuen Wilden malen nicht aus dem Bauch, sondern wie der Kopf denkt, dass der Bauch malt.“). Ja, damals war ich ein bisschen besser im Geschäft – für meine Verhältnisse UND von jetzt aus gesehen. Ich klage nicht. Ich habe mich auf meinem Abstellgeleise gemütlich eingerichtet (das ist KEINE Komfortzone, sondern ein Asyl, mit allem, was dazu gehört!). Jetzt The Smiths! Ach Gott! Meine Blue-Box-Zeit!

Jetzt Roxy Music (11:21 a.m.) Love Is the Drug, aus meiner Grazer Zeit (die LP habe ich nach dem Döbereinercrash aus Angst und Schuldgefühl weggeworfen).

Ist das jetzt Souxsie? Wird schon stimmen (verdammt! Sag: es stimmt! - der innere Spötter). Und wieder The Smiths. Langsam stellt sich das Empfinden ein, dass meine Episode hier für heute zu Ende geht, dass der Bogen sich wieder nach unten neigt; der Gedanke an den Aufbruch wird stärker. Ein wenig zögere ich noch, in die Hitze (36°C offiziell) hinauszugehen.
Beim Zahlen merke ich: es hilft nichts; mein Eifer verrät mich.


(31.7.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juli 2026     peteraloisrumpf@gmail.com

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