Donnerstag, 30. Juli 2026

4561 Tonspur

 



12:58.  Am Heimweg sitze ich im Mumok in der Tonspurpassage und höre mir die Tonspur an. Das ist jetzt genau das Richtige für mich. Was man spöttisch (und unbedarft) „Instrumentenstimmen“ nennen könnte; aber dieses Suchen, Nicht-Finden, Finden, und die (anscheinend - scheinbar) ratlosen Pausen gefallen mir – wobei der Durchmarsch einer organisierten Ferien-Kinder-Gruppe durch die Passage kurz einen ganz anderen Sound einbringt. Ja, und das exorbitante Ausklingen-Lassen mancher Töne; das suchende Geklopfe auf den Saiten, das alles passt jetzt für mich und meine Seele erholt sich dabei. Dann ein fast gedroschener Klavierakkord, der mich fast erschreckt. Eine Frau von der Reinigung schiebt ihren Putzwagen durch, was auf dem Asphalt wegen der kleinen Räder ordentlich rattert und noch eine Zeit lang im Sich-Entfernen hörbar bleibt. Diese fragmentarische Musik der Passage (von wo nach wo?) passt so gut zu meinem Leben! Immer wieder werden Melodien gesucht und ein paar Takte lang gefunden und dann wieder verloren oder absichtlich zerstört. Oder irgendwer kommt daher und lärmt durch die Musik und übertönt sie. Dann wieder so ein lauter Akkordeinbruch am Klavier, der meist ohne nachhaltige Auswirkungen verklingt (obwohl er natürlich mit seinem Schrecken alles andere verscheucht und den akustischen Nachraum sozusagen freiräumt und somit diesen doch indirekt mitdefiniert). Okay, ich gehe weiter ins Museum moderner Kunst, denn ich muß aufs Klo. Obwohl jetzt gerade eine so schöne, elegische, melancholische Phase gekommen ist. Jetzt ein Akkordeinbruch; ich nutze die Chance und gehe. Die Ausstellungen durchwandere ich bloß; ich hatte vergessen, dass ich sie schon gesehen habe.

13:46.  Ich mache mich wieder auf den Weg nach Hause (37°C im Schatten).


(30.7.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juli 2026     peteraloisrumpf@gmail.com

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