Freitag, 19. Juni 2026

4516 Keinen Kopf machen

 





8:49 a.m.  Satt, mit vollem Bauch hocke ich im Bett; die Lesebrille verschmiert, so dass sie meine Sicht trübt; ein heißer Morgen, ich versuche, mit meinem Leiberl die Brille zu putzen, was leidlich gelingt; bin voller Erwartung, was der Tag bringen wird (in meiner Planung wird er gemütlich); ich spüre ein wenig in mich hinein und deswegen fällt es mir auf und ich entspanne meine zur Faust verkrampfte linke Hand und strecke die Finger. Genau genommen zweifle ich immer noch an meiner Schreiberei, genauer gesagt: mein Urteil besagt, dass solche Selbstbetrachtungen und Selbstbeschreibungen die Menschheit nicht weiterbringen und deshalb sinnlos sind. Irgendwas in mir wehrt sich gegen dieses Urteil, aber kommt nicht dagegen an und kann nicht einmal für sich selbst seine Einwände artikulieren. Aber ich habe mir das Schreiben angewöhnt und könnte es vermutlich ohne Entzug nicht loswerden. Ich seh schon ein, dass solche Betrachtungen für die Leser und Leserinnen fad sind, weil ich den Punkt, wo das Unendliche auf das Endliche trifft – oder umgekehrt – verpasse. Gottseidank gibt’s die Fußballweltmeisterschaft. Ganz so leicht ist es ja nicht, ein sinnloses Leben zu Ende zu leben (Männer definieren sich vor allem über ihren Beruf, ihre Arbeit, ihren gesellschaftlichen Status), aber die Bühne bietet doch genug Ablenkung und Möglichkeiten zum Selbstbetrug an. Und man kann ja immer ins Gelächter flüchten, zumindest so lange, bis es ernst wird und einem das Lachen vergeht (Halt! Ich möchte darauf hinweisen, das du damals, als du dich schon aufzulösen begonnen hast und dabei warst, deinen Körper zu verlassen, durch zuerst einen Wut-, und deswegen dann einen Lachanfall zurück gekommen bist - der innere Korrektor). Stimmt auch wieder. Vielleicht kann man wirklich lachend sterben. Man wird ja sehen! Da muß ich mir jetzt keinen Kopf machen. Auf ins Espresso Burggasse!


(19.6.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juni 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

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