Freitag, 12. Juni 2026

4509 Invasion der Riesen

 



10:49 a.m.  Trauer oder Rührung? Was ist das jetzt? Und das mitten in meinem Lieblingscafé. Hier ist voll was los und mir kommen die Tränen in die Augen (aber nicht aus den Augen heraus! Aber könnte tendenziell physisch in Richtung überall ausrinnender Greis gehen, oder psychisch in Richtung sentimentaler alter Depp - der innere Spötter). Riesige Männer gehen durchs Lokal; vermutlich Lieferanten. Mich wundert es, dass sie nicht mit ihren Köpfen an den Türbalken stoßen (Türbalken? In Wahrheit ein Metallquerdings). Die Sonne scheint hinter Wolken verborgen und Wind ist aufgekommen, die Platane in der Laube rüttelt und schüttelt sich. Ich bin im vorderen Raum der einzige männliche Gast. Eigentlich ist es sehr laut. Vielleicht sind die Riesen gar keine Lieferanten, sondern Profis irgendeiner Umbaufirma oder eines technischen Dienstes. Jedenfalls diskutieren sie etwas Räumliches, Praktisches oder Technisches mit dem Chef. Ein kleiner Bub, der auf der Schulter seines Vaters liegend durchs Lokal getragen wird, schaut aus seiner erhöhten Position offensichtlich fasziniert auf den drehenden Ventilator am Plafond, ohne dass es sein Vater merkt. Jetzt geht eine Riesin durch den Raum, sie schaut nur bescheiden auf ihr Smartphone und ihr Dutt streift die Querschiene der Lokaltür oben gerade nicht. Vom gar nicht unsympathischen weiblichen Lärm um mich gerate ich fast in Trance. Noch ein Riese taucht auf. Was ist los? Invasion der Riesen? Von wo kommen sie? Oder war ich – sagen wir – einen Tag lang hundert Jahre bei den saligen Fräulein und jetzt hundert Jahre später hat sich die Durchschnittsgröße der Bevölkerung um einen, einen halben Meter erhöht? Nein, alles ist noch wie vorgestern; Chefin, Chef, Kellner, KöchInnen erkenne ich wieder; das kann keine Trickserei sein! Kurz wird es ganz ruhig im Lokal; eine abgesprochene Generalpause? Wer hat die angeordnet oder wurde sie demokratisch festgelegt? Zu kurz, als dass ich mir darüber Klarheit verschaffen hätte können. Draußen hat sich die Sonne wieder durchgesetzt. Der Lichtengel! Leuchtet heute wieder, asymmetrisch. Beim Pinkeln am Klo – nein, das beschreibe ich nicht genauer – ist mir aufgefallen, dass ich noch kindlich bin (kindlich? Nicht -isch? - der innere Spötter). Noch ein Riese. Und noch eine Riesin. Bin ich letzte Nacht geschrumpft? Wäre eine Möglichkeit. Wenn, dann jedoch nicht allein: Chefin, Chef, Kellner und KöchInnen sind auch kleiner als die Riesen. Ich greife zur REMbox. „Der anale Beichtstuhl der Gier“ – Zitat aus einem REM-Text in der REMbox – löst inneres Gelächter aus. Gottseidank! Oder wem oder was auch immer. 11:55 a.m. Bald ist Mittag (aber nicht der höchste Sonnenstand! - wie ich nicht müde werde zu betonen). Angenehme weibliche Musik. Der Geräuschpegel ist gesunken. Mit Fortdauer wird dieser Song doch weniger angenehm.

Oder findet in Wien ein Kongress großgewachsener Menschen statt? Schon wieder RiesInnen!


13:29.  Schöne afrikanische Musik im Katscheli. Ein wunderschönes Lied. Gefolgt von französischer, „postmoderner“ (will sagen: eklektischer) Schrägheit. Weiter verfolge ich das jetzt nicht. Allmählich wird mir mein Input zu viel. Heimgehen. Jetzt spanisch.



(12.6.2026)



©Peter Alois Rumpf    Juni 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

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