4504 Sitzen bleiben
12:28 a.m. Der Song aus den Boxen hebt mit seinem Gebläse gut an. Der Lichtengel leuchtet heute nicht, sondern zeigt nur sein Skelett als Wandlampe. Ein kühler Regentag, was nicht heißt, dass es permanent schüttet. Der Stamm der Platane draußen in der Laube an der Straße wächst kerzengerade in die Höhe, die ich vom Lokal aus nicht bis an ihr Ende ersehen kann. Der Wind oder die Zugluft oder die Arbeit des Ventilators am Plafond bewegt einen an der dem Gastraum zugewandten Seite der Kaffeemaschine befestigten Zettel so, dass ihn immer wieder so eine Art Zittern erfaßt. Mit meinem Penis ist irgendetwas nicht in Ordnung; nichts Schlimmes – ich rede auch nicht von Erektion – es fühlt sich an, als würde er in der Unterhose davonkriechen wollen. Ach! Wird schon nichts sein! (Hänschen klein, ging allein … fällt mir dazu ein). Lassen wir das! (Ich kringle mich ein vor innerem Lachen! Hoffentlich gefällt das auch meiner LeserInnenschaft!) Ich trinke den letzten, schon etwas überständig und kalt gewordenen Schluck aus der Kaffeetasse und werde mir den Frucht-Gemüse-Saft mit Leitungswasser bestellen. Ich will nicht gehen. Ich will heute nicht in die Fitness; ich will sitzen bleiben, sitzen bleiben, sitzen bleiben. Das Soul-Gebläse ist immer noch am Werk und das hier jetzt gefällt mir gut. Heute sitze ich – auf Empfehlung eines der Kellner – näher am Fenster, was mir schon gefällt. Jetzt wird die Musik “popiger“ (ich verwende den Begriff so, wie ich ihn in den späten Sechzigerjahren verstanden habe), was mir auch gefällt (dir gefällt heute sehr viel, fällt mir auf – der innere Spötter). Ich will nicht, dass meine Zeit hier abläuft, ich will wirklich – hingesunken in meine wundervolle Regenmelancholie – sitzen bleiben, einfach sitzen bleiben. Innen der Ventilator, draußen die Passantinnen und der Autoverkehr sind mir Bewegung genug (Nein! Du zählst jetzt nicht die Moves deiner schreibenden Hand auch noch auf! - der innere Zensor). Ahja! Und der Wind in den Platanen. (Er beschreibt nicht alles, was er sieht! - der innere Spötter.) Ein mächtiger Mann – eine alte, europäische Ausgabe des Mighty Quinn – kommt herein und geht aufs Klo (zuerst habe ich Wiener Ausgabe geschrieben, dann auf europäische Ausgabe korrigiert, jetzt bin ich völlig unsicher. Geht mich auch nichts an). Ich reagiere inzwischen schon auf jedes Gedudel meines Handys; so geht das nicht weiter!
(10.6.2026)
©Peter Alois Rumpf Juni 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

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