Montag, 8. Juni 2026

4496 Kein Grund

 



10:52 a.m.  Jetzt schon den ersten Cappuccino im Leo. Ich habe ihn noch nicht bestellt. Jetzt aber. Reggae aus den Boxen (verdammt! Wie schreibt man das? Muß nachschauen), irgendwas mit Mama und Papa wird gesungen. Neue Bilder an der Wand gegenüber fallen mir auf und ich erhebe mich von meinem Sitzplatz, gehe hin und betrachte sie (die Frau, die dort sitzt, zieht gleich ihre Taschen näher an sich heran). Schlichte, klassische Zeichnungen; sie gefallen mir. Der erste Schluck und dann der zweite, der ein Doppelschluck geworden ist. Die Musik hat sich verändert, rhythmisch kein Reggae mehr, aber der Gesang wirkt noch so (der Geist will hald (sic!) immer Zusammenhänge sehen, wo vielleicht gar keine sind). Ohne Zeitung und ohne REMbox bleibt mir nichts anderes über, als aufs Handy zu schauen (oh Gott! Wie mir dieses Wort Handy auf die Nerven geht! Smartphone – ich weiß gar nicht, ob mein Handy ein solches ist – klingt mir wiederum viel zu angeberisch (ich bin nun mal nicht smart und bin es nie gewesen). Jetzt wird ausführlich und ausdauernd von Sunshine gesungen und – da! schau! - draußen scheint die Sonne!

Am Handy nichts Neues; es ist nur ein Anruf von Private Telefonnummer abgespeichert (solche Tricks gehören verboten!). Wieder hat sich die Musik verändert: gekonnt humpelnder Rhythmus und der Singsang mit glockenspielähnlichen Tönen geradezu versüßt, aber sparsam und mit raffinierter Zurückhaltung. Mir jucken die Augen. Jetzt wird die Musik souliger. Der Kaffee entfaltet seine Wirkung und das ist gut so, vorher bin ich im Gehen fast eingeschlafen (auch wenn es als gut empfunden wird, kann es fragwürdig sein – der innere Spötter). Das Handy düdelt. Botschaft von meiner lieben Frau. Das ist jetzt aber nicht der Grund, warum ich das Lokal gleich verlassen werde.


(6.6.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juni 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

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