4493 Mit Leitungswasser
14:10. Die Wanderung hierher ins Katscheli hat mich über mit Fronleichnamsblumen bestreute Wege geführt und ich bin von der Hitze erschöpft gerne auf einen Apfel-Karotten-Saft mit Leitungswasser und Eiswürfel eingekehrt. Wenn ich den Himmel und sein Wolkenspiel richtig lese, dann kündigt sich ein Wetterumschwung an (ja, für morgen ist Regen angesagt; ich habe nachgeschaut). Ich betrachte mein altes Spiegelbild gegenüber in einigen Metern Entfernung. Das ist eigentlich neu. Vor kurzem noch habe ich mich in den Spiegeln jünger gesehen. Oder ist das ein magischer Spiegel, der mich narrt? Und ich bin noch jung und zukunftsreich? Dieser große Wandspiegel nämlich da hinten, in dem mein Köpfchen so besonders klein erscheint, vergrößert den Raum sehr wirksam. Die Lampenschirme hier sind sehr schön (und das Getränk sehr gut). Zuerst glaubte ich, durchs Fenster einen Mann mit Steirerhut zu sehen, dann war es jedoch eine Frau mit Frisur. Also können einen auch Fensterscheiben narren.
Als ich noch getrunken habe, war ich sozial geschmeidiger (und unendlich blöder! Vergiß deine Belästigungen einiger Frauen nicht! - der innere Spötter). Nur eine leichte Brise schaukelt den rosa Stoff des langen Sonnensegels, und das nicht einmal an allen Stellen, sondern nur an seiner Ostseite (uff! Jetzt habe ich mir mit dem Blick auf den Handykompass das von mir aus gesehen links, aber von … aus gesehen … erspart!). Die Musik – mir unbekannt – fährt ein. Ich habe meine Ellenbögen auf den Tisch gestützt und meinen Kopf in die „aufgeklappten“ Hände gelegt. Der Song wird mir in seinem Verlauf doch zu fad. Der nächste fängt auch wieder vielversprechend an. Ich glaube nicht mehr so recht an seine Entfaltung, obwohl jetzt eine schöne Passage gekommen ist. Und noch eine schöne. (Wie bei deinen Texten? - der innere Spötter.) (Gegen die Wahrheit bin ich ziemlich machtlos – der Schreiber.) Jetzt geht der Wind durch alle acht Abteilungen des Sonnensegels, alle Stoffpartien wölben sich. Ich bin bei den letzten Schlucken des Apfel-Karotten-Saftes mit Leitungswasser und Eiswürfel angelangt (merkst du eigentlich, wie lächerlich und überständig dieser uninspirierte Vollständigkeits- und Aufzählwahn ist? - der innere Spötter). Die Musik ist gerade wieder sehr schön, sanftes, gekonntes Gitarrengeklimper mit sanfter weiblicher Stimme (die Kellnerin steuert via Fernbedienung unauffällig und wie nebenbei die Musikauswahl, wenn ich das richtig gesehen habe).
(4.6.2026)
©Peter Alois Rumpf Juni 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

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