4483 Hu hu, hu hu
10:11 a.m. Tolles E-Gitarrengejaule aus den Boxen. Meine Nerven sind angespannt, völlig angespannt. Heute ist die REMbox-Präsentation in der Secession. Ich überlege, mich als Starter anzubieten (weniger geschraubt: als erster auf die Bühne zu gehen – der innere Spötter). Leicht inszeniert, aber ohne zu verblödeln. Mit „heilendem“ Blick ins Publikum? Diese Phantasie läuft auf Hochtouren und ist somit in Gefahr, zu überkandideln. Ich kenne das, dann kommt es ganz anders als geplant und das Geplante ist nicht mehr durchführbar. Enttäuschung ist vorprogrammiert. Hätte ich als Vorbereitung für den heutigen Abend ins Fitnessstudio gehen sollen (drei s sind überkandidelt! - der innere Spötter)? Aber nachher bin ich immer so fertig und erschöpft und alles tut mir weh. Nein, passt schon, ich verwöhne mich hier im Espresso Burggasse. Ein alter Hit aus den Boxen; wie heißt der noch? On my knees kommt vor. Ah! Layla! Funzt schon irgendwie, oder sind das meine Nerven? Ich betrachte die drei Spiegel im Hinterzimmer, besonders den runden hoch oben mit den goldenen Sonnenstrahlen, spiegeln darin tun sich die weißen Bretter des Holzplafonds. Im Hinterzimmer (vorne ist es zu voll gewesen und in die Laube draußen setze ich mich auch nicht) bin ich momentan der einzige Gast. Die Geräusche und der Sound vom Hauptraum (Gimme Shelter) und das Gerede diffundieren als Klanginstallation nach hinten und nur Personen, die auf die Klos gehen, kommen vorbei. Oder die vom Lokal, die etwas aus dem Lager holen oder etwas hineintragen. Verdammt! Gimme Shelter! Werde ich auf meine alten Tage noch so richtig nostalgisch? Aber passend, denn das Lokal hier ist mein Asyl. Und nun ein sehr, sehr schöner Song, den ich nicht kenne, aber der mir trotzdem bekannt vorkommt, amerikanisch. Mir ist es inzwischen schon peinlich, vor dem Damen- – oh! David Bowie, Starman! - -klo zu sitzen und den davor wartenden Damen beim Warten zuzuschauen. Verlegen beuge ich mein Haupt über das Notizbuch und schreibe mit einer gewissen situationsbedingten unfreiwilligen Fanatik.
Und jetzt Sympathie For The Devil. Vorher war die Musik (aus den Boxen – der innere Spötter) schon zu den Discohits der Achtziger hinauf, besser: hinuntergerutscht. Sympathie for the devil hatte mich damals schon sehr begeistert und emotional mitgenommen (hu hu, hu hu! - der innere Spötter). Texte habe ich sowieso nie verstanden (und versteht sie bis heute nicht – der innere Spötter) und so weiß ich nicht, ob das Ironie ist oder nicht. Jetzt fällt mir wieder die heutige Präsentation ein und ich werde furchtbar nervös. Ich lasse die Welle über mich kommen (Black Magic Woman; Santana) und warte nur auf ihr Verebben. Vielleicht sollte ich nach Haus, um die letzten Dinge vorzubereiten: Anzug, Dekoration, Schmuck … Bhh! Ich muß schnell aufs Klo! Na gut! (Satisfaction; damals habe ich Hitparaden anzuhören begonnen). Heute sind hier Rolling-Stones-Festspiele, scheint’s. Aber ich bin nicht nostalgisch.
(27.5.2026)
©Peter Alois Rumpf Mai 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

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