Donnerstag, 21. Mai 2026

4474 Gegessen werden alle

 



10:18 a.m.  Heute wieder das köstliche Schnittlauchbrot; für den Pfingstmontag habe ich nach einem Blick in die Frühstückskarte schon etwas Üppigeres anvisiert, aber bereits wieder vergessen (kein Problem! Steht ja eh in der Karte, gell?! - der innere Spötter). Gerade schlage ich die treu mitgeschleppte REMbox auf, schon ist das Schnittlauchbrot da. Ich werde mich auch heute bemühen, alle Schnittlauchstückchen, auch die beim Abbeißen vom Brot gefallenen, aufzulesen und zu verspeisen. Und richtig! Ein Schnittlauchstückchen ist schon beim Anheben und ersten Biß (Biss schaut mir zu sehr wie Pisse aus) vom Tablett mit dem Brot zum Tablett mit dem Cappuccino rübergesprungen. Ein zweites muß es ihm von mir unbemerkt nachgemacht haben – ich entdecke es unterm Mannerschnittchen beim Kaffee versteckt. Eines ist im weiteren Verfahren der Nahrungsaufnahme auf die rote Resopaltischplatte gehüpft, eine weiteres hat es nur auf die äußerste Kante der Brottabletts geschafft. Gegessen werden alle; sie sollen nicht umsonst gestorben sein (und wenn sie irgendwo verrotten, wäre es umsonst? - der innere Spötter). Sicherheitshalber, wer weiß, wo sie sonst landen. Aber stimmt, die Gesamtmenge der Energie im Universum wird vermutlich gleich bleiben, oder? Kann mich wer physikalisch, kosmologisch und teilchenphänomenologisch aufklären? (Wie weit ist es literaturassoziatorisch von Tablett zu Tablette? - der innere Spötter.)

Der Lichtengel übrigens leuchtet heute nicht (ich glaube nicht, dass die Lampe kaputt ist, ich vermute, dass sie nicht eingeschaltet wurde). Macht nichts! Er ist ja geistig-geistlich da (Ähem!! - der innere Spötter). Die Musik ist angenehm. Eigentlich habe ich auch hier nicht zum Fenster hinausgeschaut, aber jetzt habe ich kurz die im Glas der geöffneten Eingangstüre sich spiegelnden Passanten in ihrem Vorbeigehen betrachtet. Den Wind in den Platanenzweigen zu erwähnen mag schon eine unzulässige Wiederholung sein, aber der Wind in den Zeigen ist einfach Realität. Um die geht es doch auch, oder?


11:52 a.m.  (Damit ich auch wieder einmal eine Uhrzeit aufschreibe.) Ich starre ein wenig ins vollgefüllte, leere Chaos der kaum sortierten optischen Wahrnehmung (zwischen den Dingen, die sich auch spiegelnd überlagern können, ist viel leerer Raum). Darum hole ich mir jetzt wieder eine Zeitung.


12:23.  (Um wieder einmal eine Uhrzeit bekannt zu geben.) Es müssen Wolken die Sonne verdecken und ich lasse das graue Lesezeichenbändchen meines Notizbuches, das auf dem roten Tisch gelegen ist und mir so in dieser ambientalen Konstellation irgendwie uncool vorgekommen ist, mittels Aufheben des an die Tischkante gelehnten Notizbuches in den dadurch entstandenen Spalt zwischen letzterem und dem Tisch fallen, wo es jetzt einfach herunterhängt und auf dem Oberschenkel meines überschlagenen Beines zu liegen kommt. Ein rotes Palästinensertuch im Lokal stört und beunruhigt mich (dabei habe ich selbst vor 48 Jahren ein solches in schwarz getragen; leider, Gott sei’s geklagt!). Eine gewisse Pattsituation ist nun entstanden (du hättest auch eine ungewisse Pattsituation schreiben können – der innere Spötter).

Habe ich schon genug geschrieben? Ich habe genug geschrieben (ich habe ja einen Ruf als Vielschreiber zu verteidigen!). (Einen Ruf?!? - der Scherz war gut! - der innere Spötter.) Ich sitze in einer gespielten Erschockenheitsgeste (beide Hände vorm Mund) da und warte auf innere Klärung. Das Innere sagt jedoch: es ist Zeit zu gehen (fragt sich welches Innere, das eigene oder das fremd installierte? – der innere Spötter).


(21.5.2026)



©Peter Alois Rumpf    Mai 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

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