4472 Freihängend
0:35 a.m. Die kleine Holzkugel am Ende der Schnur, mit der man mein Holzmövenmobile ins Flügelschlagen versetzen kann, stößt direkt neben meinem linken Ohr laut gegen das Holz der Rückwand des Bettgestells. Auf dem Kastl am Fußende des Bettes spielen sich interessante Szenen ab, weil die kleinen, gemalten und dann fotografierten weiblichen Gestalten aus den zweidimensionalen Kunstkarten herausgestiegen sind und wie auf einer Bühne posieren. Ich sehe sie tatsächlich als kleine, freistehende Figuren, als hätte ich eine 3-D-Brille auf. Die anderen Kunstkarten verändern sich im Halbdunkel ebenfalls, der nachgemalte und dann fotokopierte auferstandene Christus zum Beispiel abstrahiert sich radikal zu einem uninterpretierbaren Farbflecken. Und im Dunkel hinter der freihängenden Karte mit dem Abbild eines durchstochenen Jesusherzens erscheint zögerlich ein verschämt oder misstrauisch sich tarnend nach unten blickender freistehender Kopf; schwer zu erkennen, aber dreidimensional und ohne seinen übrigen Körper. Wie solche optischen Verschiebungen im vertrauten Zimmer stattfinden können, ist mir schon ein kleines Rätsel; mit dem, was sich dort real befindet, hat dieser lose Kopf gar nichts zu tun. Die Müdigkeit reißt mir jetzt schon ständig gähnend das Maul auf und ich werde bald nachgeben.
(21.5.2026)
©Peter Alois Rumpf Mai 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

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