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13:29. Es gibt keine Tageszeit, an der mich die Schwermut nicht anfahren kann. Ich beschwere mich nicht, ich stelle nur fest. Draußen auf der Schwarzspanierstraße scheint die Sonne, und manchmal macht es mir die Schwermut leicht, mich schwebend zu fühlen, weil der Körper sich nicht rühren mag (Natürlich rührt er sich! Er übertreibt wieder! Außerdem hat er verschwiegen, dass er sich gerade erst mit dem 9.90-€-Menü – Bärlauchsuppe und Röstkartoffeln mit Zwiebeln an Cremespinat – vollgefressen hat – der innere Spötter). Langsam gewöhne ich mich an die kunstvoll-unleserlichen Ziffern meiner Armbanduhr und nach Wochen kann ich sie immer sicherer ablesen, zeitweise auch ohne Brillen. Das habe ich vergessen: die Musik aus den Boxen ist auch melancholisch und ich reagiere stark auf Musik. Soll ich schon zu Therapie aufbrechen? Etwas zu früh, aber warum nicht.
Als ich vorm Weggehen im Klo in den Spiegel schaue und ein alter Mann herausschaut, erschrecke ich im ersten Moment ein wenig, aber dann freue ich mich und denke: der hat das meiste schon hinter sich. Also war das doch Lebensangst. Vielleicht jedoch verdränge ich nur den Tod aus meinem Bewußtsein? Ich nehme es mir nicht ab, dass ich mich vor dem Tod nicht fürchte. Wenn der richtig näher kommt, wird es mich schon ordentlich herbeuteln; ich muß jetzt schon lachen!
(18.5.2026)
©Peter Alois Rumpf Mai 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

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