4462 Gutt!
10:11 a.m. Oh! Ist das sauguat! Im Lieblingscafé, ein üppiges, köstliches Schinkenbrot mit aufgeschlagener Butter mit Kren, der erste Cappuccino schon ausgetrunken, mit REMboxverteilungsSMS beschäftigt – also voll im Geschäft – boah! Ist das vui gutt (oder gout)! Ist das urgeil! Ich fühle mich großartig! CCR und die Box Tops (The Letter) aus den Boxen (das sind schöne Lieder! Es geht mir nicht um Nostalgie; die RHCP zum Beispiel, oder Aldous Harding oder Agnes Obel et cetera würden mir auch gefallen). Jetzt geht die Musik schon mehr in die amerikanischen Fünfzigerjahre – der Johnny Cash ist noch gegangen – aber bei dem da steige ich aus.
Und warum der Rückfall ins rustikale Sprachgut als Ausdruck deiner Euphorie? – fragt der innere Wächter. Ja, das ist eine interessante Frage. Ich stöbere schon in meinen Kindheitserinnerungen, so richtig fündig werde ich nicht (abgesehen davon, dass auch in meiner Kindheit rustikales Sprachgut nicht meines war). (Jetzt kommt eine neuerer Johnny Cash aus den Boxen, den ich mag). Egal. Lesen wir wieder Zeitung.
11:06 a.m. Die E-Gitarre klimpert so schön in ihrem Understatement (bitte! Schreib jetzt nicht aus den Boxen! - der innere Spötter). Ja, ich sitze wirklich mitten im Weltgeschehen! Rundherum spielt sich das Leben ab und draußen bläst der Wind durch die Platanen (ich mußte vier oder 5 Sekunden nachdenken, bis mir der Name der mir so vertrauen Bäume eingefallen ist. Arbeitet mein Gehirn schon an seiner Auflösung?) und den Weingewächsen am Gestänge der Laube (und was es sonst noch an Pflanzen in der kleinen Oase gibt). Eine schwermütige Mundharmonika zieht ihre monotone, sehnsüchtige Linie durch den Song; keine Ahnung wer; ich bin und bleibe ein Amateur, ich hoffe, dass das wirklich von der Liebe kommt (keine Hobbies! Darauf bestehe ich, weder das Schreiben, noch das Zeichnen, noch das Musikhören, noch sonst irgendwas ist bei mir ein Hobby!). Ich schlage die REMbox auf und gerate an die Hinterköpfe von Manfredu Schu, Hannes Priesch und Peter Battisti (Seite 111; mehrfacher Uranus, glaube ich). Was sagt uns das? Keine Ahnung.
Langsam werde ich es gewohnt, die REMbox am Tisch liegen zu haben: es kommt mir fast gar nicht mehr komisch, aufdringlich oder angeberisch vor.
Heute hat zum ersten Male jemand gefragt, was das für ein Buch am Tisch sei, wenngleich die Dame selbst auch ein – wenn ich spöttisch wäre, würde ich sagen: „missionarisches“ Anliegen hatte, wie auch ich auf meine passiv-autoritäre Art (die REMbox als verführerisch gewünschte Aufmerksamkeitsfalle am Tisch liegen haben). Vielleicht werde ich auf einen Vortrag eingeladen.
Ich selber, ich rede zu viel. Eindeutig rede ich zu viel. Kaffeerausch und aufgekratzte Euphorie – aber ich beklage mich nicht, ich kann das schon genießen und darüber lachen. So! Bevor ich hier überständig bin, werde ich jedoch aufbrechen.
(12.5.2026)
©Peter Alois Rumpf Mai 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

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