Donnerstag, 7. Mai 2026

4454 Tapferer Rotz

 



7:12 a.m.  Ich bin gerade dabei, die morgendliche Angst abzufangen und wie es scheint, gelingt es einigermaßen. Damit es kein Mißverständnis gibt: abzufangen, bevor sie voll auf mich losgehen kann; obwohl sie schon dabei ist, irgend so eine absurde Drohkulisse vor meinem inneren Auge aufzubauen (und der heulende Wind hilft ihr dabei).

Ja, der Himmel ist bewölkt – das merkt man auch in meinem kleinen Lichtschachtzimmer – und die Windböen heulen und scheppern immer wieder beim gekippten und beim flügelverklemmten Fenster vor der Zimmertür herein. So hocke ich an die Rückwand gelehnt im Bett und versuche, ruhig zu bleiben und meine Balance zu halten. Irgendwas wäre noch zu den Lichtverhältnissen an diesem bewölkten Tag im Zimmer und zu der daraus entstehenden Stimmung, die da beim Fenster hereinfließt, zu sagen, aber ich finde weder Inhalt, Begriff noch Worte dafür. Ich merke nur, dass Erfahrungen und Bilder meiner Kindheit mitschwingen, ohne sie richtig identifizieren und verstehen zu können. Sie haben jedenfalls etwas mit Vormittagen zu tun. Tapfer ziehe ich den Rotz in der Nase hoch, bevor ich zerfließe, und hole mich so ins Hier und Jetzt zurück. Ich werde in die Küche hinunter frühstücken gehen.


(7.5.2026)


©Peter Alois Rumpf    Mai 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

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