Dienstag, 5. Mai 2026

4448 Ein gutes Zeichen

 



11:56.  Ich sitze in Hof 5 unter den einander überlappenden Kronen einer Rosskastanie und einer Linde (ziemlich genau in der Mitte). Natürlich (und das heißt freilich unnatürlich) muß irgendwo in einem anderen Hof eine Baustellenmaschine röhren. Der Lindenbaum hat schon geblüht, die Kastanie blüht jetzt und wird von Biene & Co besucht. Ein angenehmes Lüftchen weht; ich spüre es auch als leichten Druck im Ohr. Die Kirchenglocken rundherum läuten den Mittag ein; wie ich dieses Geläute liebe! Das praktische und verwertende Gesurre eines Baustellenkrans vielleicht stört die Schönheit und den Klang der durch das Geläute irdisch hörbar gemachten Sehnsucht nach Transzendenz (Transzendenz – auch so ein blödes Wort, aber mir fällt auf die Schnelle kein besseres ein). Der Kragen meines Sakkos drückt auf meinen Nacken; ich zupfe es zurecht. So ist es besser. Und nun das unvermeidliche Flugzeug: nieder, laut, aufdringlich, beängstigend und viel zu billig. Ich muß aufpassen, dass ich in meiner Not nicht zu arrogant werde: die Passanten kommen mir so unzulänglich vor, aber besser für den Überlebenskampf ausgestattet (klar, das ist so eine unlautere Projektion, und das weiß er auch – der innere Spötter). Es ist ein schöner Platz hier an diesem sommerlichen Tag. Ein Folgetonhorn, dann eine Taube, dann ist es ziemlich ruhig, das Gezwitscher in den Bäumen stört die Ruhe nicht (ist aber auch dem Überlebenskampf geschuldet – der innere Spötter). Ein seufzender Atemzug, ein gutes Zeichen!


(4.5.2026)


©Peter Alois Rumpf    Mai 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

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