Donnerstag, 30. April 2026

4442 Also nein

 



0:33 a.m.  Der gelesene Roman ist zu schnell zu Ende gegangen und war alt (1927) und absurd, eigenartig und doch faszinierend (Jurij Olescha, Neid), jetzt hocke ich da und will noch nicht schlafen und muß den Tag irgendwie ausklingen lassen. Weil ich die Lesebrille aufhabe, bleiben die Gegenstände im Zimmer verschwommen und erzeugen optische Täuschungen - sozusagen – die drei übereinander gelegten Steine schauen wirklich wie eine kleine Büste eines Meditierenden aus; verschiedene kleine Bilder gruppieren sich zu einem größeren Gegenstand, wenn nicht Kunstwerk; die Teelichter beziehungsweise ihre Aluminiumhüllen treten mit der ungenutzten Weihwasserflasche als glänzende Delegation auf; auch am Bücherregal gibt es je einen rot und einen silbrig glitzernden Flecken; fremdartige, aber deutliche Köpfe; das Hochzeitsphoto zeigt ein mühsam gesichtsloses Paar. Die Schreibtischlampe drüben scheint von einer dunklen, plastischen Substanz angefressen zu sein; der auferstandene Christus erscheint als Vogel. Ein kaum sichtbarer, feiner Goldregen geht auf das Zimmer nieder, eigentlich mehr wie ein Schneefall aus leicht schwebendem Goldstaub. Muß ich noch etwas schreiben? Der Satz, der die Welt erlöst, fällt mir nicht ein. Auch nicht der, dem das bloß bei mir gelingt. Also: nein.


(29.4.2026)


©Peter Alois Rumpf April   2026   peteraloisrumpf@gmail.com

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