Donnerstag, 23. April 2026

4435 Voll da

 



7:51 a.m.  Die Angst ist wieder voll da. Ich wache auf und schon hat sich mich gepackt. Ich bemühe mich ja höflich zu sein, begrüße sie, frage sie, was sie will oder welche Botschaft sie mir überbringen soll, aber jetzt reicht es mir! Ich will ihr auch nicht mehr auf den Grund gehen und mir ist es wurscht, ob sie eine Existenzangst ist oder die Lebensangst oder beides und ob ihr Verhältnis 80:20, 45:55 oder 10:90 ist. Ich will in der Früh aufwachen und ganz normal auf den Tag und somit auf mein Restleben blicken und mich nicht starr vor Angst und wie mit eingeschnürter Kehle im Bett krümmen. Ohne inneres Zittern und nicht wie ein schwer verwundetes Tier im Versteck hocken. Ich will normal, ruhig, durchaus ohne Euphorie, aber mit positiver Grundstimmung angemessen den Tag beginnen. Ist das zu viel verlangt? Irgendsoeiner beschissenen inneren Stimme fällt das Leben ist kein Ponyhof ein. Das ist einer der blödesten Sprüche, die ich kenne! Wo ist da der Ponyhof? Und wer weiß denn, wie es den Ponys am Ponyhof geht? Und auch unter den Menschen dort werden sich die ganzen griechischen Dramen und grausamen Märchen in zivilisatorischer Verkleidung abspielen.

So, jetzt habe ich mich ein wenig von der Angst weggeschrieben und kann einmal tief atmen. Nur einmal, aber immerhin. Zweimal. Es wird schon.

Ordentlich Kohle würde mir schon auch helfen; dann würde ich in ein angenehmes Café frühstücken gehen. Oder eine kleine Reise, sagen wir durch Österreich und Slowenien machen. Mich mit hoffentlich gutem Gewissen ablenken. Oder Konzerte, Theater, Kabarett, was es so an Anregungen gibt. Versuchen, die Lähmung loszuwerden. Oder wenigstens eine kleine Wanderung mit Mittagessen in einem annehmbaren Gasthaus (meine Ansprüche sind nicht so hoch). Oder eben Kaffeehausfrühstück mit Zeitung lesen, schreiben, so dass man das Gefühl haben kann, mit der Welt in einem normalen Austausch zu sein – ich konsumiere und zahle – ich zahle und konsumiere – ein Austausch, der nicht von übertriebenen Einschränkungen belastet ist. Und nicht von Schuldgefühlen, weil ich jemandem auf der Tasche liege. Ganz normal hald (sic!). Ja, das wäre schön! (Wirklich? - der innere Spötter.) Ja, wirklich. Ich rede ja nicht davon, dass dann meine Depression weg wäre, sondern davon, dass sie leichter zu händeln wäre, leichter mit ihr zu spielen.

So sehr mir das Schreiben hilft, die Texte werden dem Untergang geweiht sein.


(23.4.2026)


©Peter Alois Rumpf   April 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

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