4433 Im Leo
Ich blättere im Café Leo (die Uhrzeit zu notieren hat er vergessen – der Tipper) in der REMbox, aber um gründlich zu lesen, bin ich zu müde (2 Stunden Fitness!) und zu nervös (Einkäufe! Wäsche! Geschirr! sind noch zu erledigen). Beim neuen Falter hat jemand von den letzten zwei Blättern Stücke weggerissen. Ich hasse das bei Texten, die ich lesen will. Na gut, die Frau Dusl kann man noch lesen. Ich liebe ihre etymologischen Ableitungen (auch wie sie formuliert sind)!
Die Flaschen der stärkeren Getränke ganz oben im hochgehängten Regalkastl (hoch gehängt ist nicht das selbe wie hochgehängt! - der Autor) beeindrucken mich in ihrer fröhlichen Ansammlung und verdichteten Gemeinschaft; fast schon poetisch. Die Musik aus den Boxen ist wunderschön! Keine Ahnung, wer das ist. Irgendetwas Irisches in zeitgemäßer Interpretation, vielleicht? Soll ich zu saufen beginnen? So richtig wegkippen und sich selbst vergessen? Seit über zwanzig Jahren hat das überhaupt keinen Reiz mehr auf mich ausgeübt.
Jetzt – plötzlich wird es mir klar – weiß ich, warum ich die REMbox umherschleppe: sie soll meine Anwesenheit stärken und rechtfertigen, mir genug Daseinsberechtigung verschaffen und mich vor Angriffen, Verleumdungen und Beschimpfungen schützen. Damit mich nicht jeder Anhauch von Infragestellung verwehen kann (beachte: ver-weh-en; vergleiche: letz, ein altes Wort für schwach und verletzen – der Autor). Ein existenziales Schutzschild und schlagkräftiges Argument. So ungefähr.
Nach dieser Erkenntnis ist es aber höchste Zeit, aufzubrechen und mit der Erledigung der Einkäufe zu starten. Obwohl: die Spielraumkinder kommen so nach 16 Uhr; wenn ich jetzt einkaufen gehe, komme ich vermutlich zur Rushhour zurück und das ist nicht gut: die Kleinen kennen mich noch nicht so und fürchten sich noch manchmal vor mir. Dabei habe ich den Einkauf schon verschoben, damit ich nicht um 3 Uhr p.m. mit dem vollen Trolley in die Abholphase der aktuellen Tageskinder und damit in den Stau im Vorzimmer komme (diese Kinder fürchten mich nicht mehr, sondern begrüßen mich manchmal mit „Kaka Peter!“, was mir sehr gefällt. In echt!). (Normalerweise erledige ich zuerst die Arbeit, bevor ich es mir gemütlich mache – ich will sie hinter mir haben und nicht mehr daran denken müssen.) Ich geh jetzt einfach nach Hause, lege den schweren Rucksack mit der REMbox ab und schnappe mir den Trolley; notfalls kann ich ja auf einer der Bänke unter den drei Säulengleditschien vorm Haus warten, wenn ich zu ungünstiger Zeit mit dem Einkaufen fertig sein sollte. Würde es nicht aufs Monatsende zu gehen und meine Finanzen nicht schon etwas angespannt sein, würde ich einen zweiten Cappuccino trinken und alles abwarten. Aber egal!
(22.4.2026)
©Peter Alois Rumpf April 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

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