4424 Der REM-Ziegel
12:20. Mit dem REM-Ziegel (eigentlich: REMbox) im Espresso Burggasse. Ich will das Buch allen zeigen und will damit angeben, traue mich aber nicht. Gott-oder-wem-oder-was-auch-immer-sei-Dank. Aber wenn mich wer fragt, warum ich das Buch ständig herumschleppe, kann ich ja antworten, dass ich dabei bin, Belegexemplare zu verteilen, was gar nicht gelogen ist, aber das hier am Tisch ist mein Exemplar, das ich nur aus angeberischen Gründen (vergeblich) umhertrage (weil niemand darauf anspringt). Mein Gott! Mein Bedürfnis nach Anerkennung muß riesengroß sein! Die Jahre am Abstellgleis werden erst jetzt so richtig spürbar. Gut, da muß ich irgendwie durch, auch wenn es nicht auf elegante Weise gelingt und peinlich wird. Kleine Komödien sind angesagt (die erste habe ich heute schon beim Hinterlegen des Belegexemplars für die Magistratsabteilung 7 hingelegt; aber die war nicht so lustig, dass man sie erzählen muß. So à la der Ochs findet nicht das richtige Tor).
Es hat schon Sinn, das REM-Buch im Café zu lesen: ich entdecke immer wieder ganz tolle Texte (und Bilder sowieso); zu Hause würde ich mich ans Laptop setzen, vielleicht. Dieses Buch wird voll einschlagen und tut es schon! (Achtung vor aggressiver Rhetorik! Und außerdem hätte er vorhin fast macht Sinn geschrieben – der innere Spötter.)
Ist es eigentlich unhöflich, wenn ich den Kellner nur mit Fingerzeig meine Bestellung übermittle? Mir geht es darum, nicht allzu viele Umstände zu machen (was leicht nach hinten losgehen kann, weil es bei Missverständnissen erst recht kompliziert und umständlich werden kann; aber hier kennen sie mich schon). Aber ist es objektiv unhöflich?
Mein Gott! Es ist schon toll! Ich bin am Bucheinband abgebildet! Zwar verfremdet und natürlich nicht allein und kaum zu erkennen – abgesehen davon, dass das zugrunde gelegte Foto 42 Jahre alt ist – aber trotzdem! (Ich probiere hald (sic!) es mit dem alten Architektengrundsatz: was man nicht verhindern kann, muß man betonen.) (Wenn wir schon bei den Ziegeln sind – der innere Spötter.)
13:59. Wenn ich im REM-Buch die Fotos meiner vernichteten Bilder anschaue, kommt der Schmerz. Das ist mir nach außen unangenehm, darauf herumreiten zu müssen, aber nach innen ist es eine Notwendigkeit: kein Loslassen ohne den Schmerz zugelassen zu haben. Adé.
14:38. Nun sitze ich unter einer der Linden Am Gestade. Das junge Grün der Bäume, aller Bäume am Herweg ist so unglaublich; ich kann es fast nicht glauben, dass das wahr ist. Ich raste hier ein wenig. Aufgewühlt wie ich bin, bin ich nun erschöpft, ein wenig, vielleicht (Frage an die LeserInnen, wegen des ständigen vielleicht: welches Buch liest er gerade? - der innere Spötter). Der Brunnen des betrügerischen Baders plätschert ruhig und leise. In der Ecke links hinter mir hockt einer, raucht, checkt sein Handy (Eine Frage an die Cloud: darf man ein Smartphone Handy nennen?) (Weiß er überhaupt, was eine Cloud ist? Ich fürchte: nein – der innere Spötter.) Es schlägt Dreiviertel drei. Es stinkt schon nach Zigarettenrauch. Und natürlich die obligatorische Baustelle rechts um die Ecke mit ihrem rücksichtslosen Getöse (seht ihr, die unhinterfragte Priorität von Wirtschaft, Arbeit und Lärm will er nicht anerkennen! Geh doch ins Kloster! - der innere Spötter). Wer weiß, wie es dort ist (mein Versuch vor Jahrzehnten, in einem Kloster ein, zwei Semester leben zu dürfen, wurde nicht erlaubt.) (Vielleicht solltest du froh sein! Vielleicht - der innere Spötter.) Die Atemschutzfeuerwehr fährt mit Blaulicht vorbei. Wird es noch regnen? Ich werde weitergehen.
(16.4.2026)
©Peter Alois Rumpf April 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

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