Donnerstag, 9. April 2026

4418 Gegenlicht

 



10:40 a.m.  Wegen der Helligkeit draußen haben wir hier herinnen Gegenlicht (sein geliebtes fast vor Gegenlicht hat er gestrichen – der innere Spötter). Amerikanische Popmusik [er ist zu faul – (und eigentlich auch zu inkompetent – der ganz innere Spötter), dies ordentlich auszuführen – der innere Spötter] aus den Boxen. Ich sitze am Eckplatz, wo ich fast (!) nie sitze; wegen der zwei Meter ist das trotzdem eine ganz andere Perspektive. Der Blick auf den Lichtengel ist weiterhin gegeben. Es gibt Menschen, die sitzen so aufrecht da, dass man ihnen ihre Existenz in dieser Welt sofort abnimmt. Die Gläser des verspiegelten Gläserregales hinter der Bar sind deutlich ins Zentrum meines Gesichtsfeldes gerückt und glitzern freudig und Erwartung erweckend drauflos. Ich drehe mich ein wenig nach rechts, Richtung Glasfensterfront. Zwei Anrufe irritieren mich, aber die Wellen verebben wieder (als hätte die Ebbe keine Wellen! - der innere Spötter).

Jetzt bin ich sitzend überhaupt gleich ums Eck gerückt und blicke ins Gegenlicht auf die Burggasse 351° N. Die seitlich beleuchteten Gesichter der in entsprechender Position sitzenden Gäste sind sehr interessant: ich sehe sie nämlich im Profil, das Licht von draußen kommt aus der mir gegenüber liegenden Richtung, und somit sind es nur wenige Lichtflecken, die ich aus meiner Perspektive auf den Gesichtern – sozusagen an ihren „Kanten“ – sehen kann und das gibt diesen Gesichtern so ein interessantes, fast artifizielles, überirdisches Aussehen (Puh! Jetzt hat er sich angestrengt! - der innere Spötter). Oh! Bin ich happy! Ich vertiefe mich in diese Gesichtsbetrachtungen, so als wären sie lebende Gemälde, die sich bewegen. Zum Beispiel streut das Licht so schön bei den Stirnen herein und erzeugt tolle Licht-Schatten-Effekte. (Das Gefühl, dass er damit übergriffig in Leben und Integrität anderer gafft und für sein ästhetisches Vergnügen missbraucht, hat er nicht. Es sind ja bloß „Kunstwerke“ – der innere Spötter.) Kaffeerauschmäßig steuere ich nun auf einen Höhepunkt zu. Der Wind schaukelt die noch ganz schwach belaubten Zweige der Platanen draußen vor der Tür. In meiner direkten Blicklinie zum Fenster hinaus befinden sich sieben seitlich beleuchtete Gesichter, alle weiblich (was seine „Betrachtungen“ vermutlich auch leichter macht! - der innere Spötter) (Nein! Da verwahre ich mich dagegen! Auch du, Spötter, hast nicht das Recht, bloß mit Unterstellungen zu arbeiten; das Ganze hat nichts damit zu tun! Ich betrachte diese Gesichter in Ehrfurcht vor Leben, Universum und Schöpfung! - der Schreiber.) (Meinetwegen tendenziell – der innere Spötter.) Apropos Schreiber(ling): Für Schriftsteller gibt es den PEN, für Autoren die Grazer AutorinnenAutorenVersammlung (die mich nicht aufgenommen hat), für unsereinen gründe ich den Verband für (verletzte) Schreiberlinge.

Ah! Jetzt sitzt auch ein Mann in meiner Blicklinie, und wie es der Teufel oder wer-oder-was-auch-immer will, gibt sein Gesicht – ich weiß nicht, ob wegen der Physiognomie oder der zufälligen Kopfhaltung – lichttechnisch nicht viel her. Nur die Unterlippe glitzert ein wenig beim Reden. Vielleicht ist auch das Sonnenlicht draußen etwas schwächer geworden.

Ich atme durch und bereite mich innerlich auf meine Wanderung in die Innenstadt vor, um wie geplant Kräutertees zu kaufen. Deshalb kippe ich den letzten Schluck Kaffee hinunter und habe mich dabei jedoch verkutzt und einen Husten mit substantiell nicht nur luftigen Auswurf, der sich am ganzen Tischchen ausgebreitet hat, nicht verhindern können. Oh wie peinlich! Meine ganze seriöse (mehr oder weniger – der innere Spötter) Schriftstellerei ist desavouiert! Autoren und Schriftsteller verschlucken sich nicht in aller Öffentlichkeit! Brav und demütig habe ich die Tröpfchen und die Krenstücklein aufgewischt.


(9.4.2026)


©Peter Alois Rumpf   April 2026   peteraloisrumpf@gmail.com

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