4412 Guten Morgen Angst
6:56 a.m. Guten Morgen Angst. Schon im Schlaf bist du auf Besuch gekommen, in den Traum, wo ich a) mein Studium überraschenderweise und unverständlich noch nicht fertig hatte und noch eine Vorlesung und eine Prüfung nachträglich absolvieren muß, b) die blauen Nazis in Österreich die Herrschaft bereits übernommen haben und schon mit ihren Schikanen besonders auch gegen die Theologen begonnen hatten, und c) plötzlich alle Teilnehmer der Lehrveranstaltung sich angestellt haben, um etwas ausgehändigt zu bekommen, und ich das nicht mitbekommen habe, worum es geht, was es ist und ob ich das auch brauche. Jetzt, nach dem Aufwachen, bist du mir – wie man das so sagt – voll eingefahren und ich frage dich, was du mir sagen willst; oder was du von mir willst. Willst du mich warnen? Wovor? Auf etwas hinweisen, was ich übersehen habe? Worauf? Bitte, sprich mir mir! Ich will zuhören und es verstehen, aber ich verstehe nichts. Es ist nur die blanke Angst. Bewegungsloses Zittern, das sich dann doch am Kinn sichtbar macht. Worum geht es? Ist es das Entsetzen darüber, dass ich mein Berufsleben vermasselt habe und mir die Erfahrungen des Austausches mit und der Entfaltung meiner Talente in der Welt fehlen? Das könnte sein, oder? Aber was jetzt? Das ist unabänderlich verloren und nicht mehr einholbar. Du wirst mich also bis an mein Lebensende begleiten? (Und nachher erst recht?) Dann bleibt mir nichts anderes über, als still zu halten? Oder wie? Jetzt ist das schon Zähneklappern.
Ist da wer eingemauert? Halbherzig und ratlos klopfe ich ein paarmal an die Wand; dann lasse ich es und denke, das ist doch absurd und ein Hirngespinst.
Meine vorm Bauch gefalteten Hände sind eingeschlafen. Ich löse sie voneinander und lege sie seitlich links und rechts auf das Leintuch.
Als ich eingenickt die Vision habe, dass ich aus meiner Wunde Fleisch herausschneide, lege ich das Schreibzeug weg und will es zunächst gar nicht aufschreiben.
(7.4.2026)
©Peter Alois Rumpf April 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

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