Mittwoch, 1. April 2026

4403 Die Unterhose

 



0:36 a.m.  Ich lese (also bin ich – der innere Spötter) und bekomme nichts mehr mit. Weil ich schlampig und verschlingend lese, merke ich mir keine Namen und auch sonst nicht viel. Wenn dann noch ein oder zwei Tage Lesepause dazwischen kommen, kenne ich mich in der Handlung gar nicht mehr aus. Wer warum wen attackiert oder verfolgt und um welchen Schmuggel es geht. Trotzdem lese ich weiter. Trotzdem mag ich es, benommen und verwirrt durch für mich unverständliche Welten zu taumeln. So wirklich weiß ich nicht warum und auch nicht, was ich mir dabei heraushole. Gefühle? Fremde Erlebnisse? Stimmungen? Beschreibungen (also Wörter und Sätze, Redewendungen, Metaphern, weiß der Teufel was)? (Er kennt es von seinem echten Leben auch nicht anders, das Taumeln meine ich – der innere Spötter.) Etwas in mir hat sich eingehakt und zieht mich weiter. Jetzt muß ich aber aufs Klo. Vielleicht lese ich nachher weiter. Ich muß morgen nicht früh aufstehen. Der Holzrabe am Fenster hat wieder seine weißlich-gelbe Aura. Ich lache innerlich über meine (inzwischen seit Jahrzehnten untypische) weiße Unterhose, die oben auf dem Gewandsessel ausgebreitet liegt, als würde sie mich noch auf etwas aufmerksam machen wollen und auf der dunkelblauen Fläche meines T-Shirts darunter (das mit dem Aufdruck geeignete Zielperson) forciert herausleuchten wollen. Aber jetzt endlich aufs Klo. Wahrscheinlich ist es eh nur nervöser Harndrang.


(30.3.2026)


©Peter Alois Rumpf    März 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

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