4432 Ich liebe das Weite
10:51 a.m. Das Lokal ist ziemlich voll und ich finde einen Platz im hinteren Raum. Die hoch gehängten Spiegel an der mittelgrauen Klinkerwand gegenüber und gleichzeitig el condor pasa aus den Boxen. Einer der Spiegel ist mit einem ungewöhnlichem englischsprachigen Werbeplakat für ungarische Weine beklebt, wenn es denn ich Wahrheit nicht die Ankündigung eines Club-Events hier im Lokal ist (aus dieser Distanz kann ich nur Teile der Überschrift lesen, das Kleingedruckte gar nicht). Das einzige Fenster hier geht auf den Hinterhof; obwohl das kein so toller Anblick ist und in der Fensternische ein turtelndes Paar sitzt, schaue ich von hier aus quer durch den Raum durch das kleine Fenster hinaus, denn ich suche das Weite. Selbst wenn der Blick nur durch den Hof kommt und dann dort an der Hauswand stehen bleiben muß, eignet ihm ein leichter Anhauch von Weite und Unendlichkeit. So ist das. Die Sehnsucht nach dem Unendlichen gibt nicht auf. Ich aber werde jetzt wieder in der REMbox blättern und den Beitrag von Hans Pfefferle lesen (REM – ein romantischer Igel).
Jetzt habe ich ein Schnittlauchbrot gegessen und dabei ist es mir gelungen, alle, wirklich alle Schnittlauchstücklein, auch die, die vom Brot auf Serviette, Tablett und Tisch gefallen sind, zu finden, aufzusammeln und zu verzehren. Denn wenn Pflanzen schon verletzt oder gar getötet werden, um uns zu ernähren, will ich sie und ihr Bewußtsein würdigen und ehren, indem ich alles aufesse (es gibt hier im Lokal und im Urbanen keine beziehungsweise zu wenige naturbelassene Flächen, die nicht von irgendwelchen Kontroll-, Beschneidungs- und Säuberungsbrigaden heimgesucht werden, sodass man keine paar Brösel und Tropfen der Erde, um sie zu würdigen und zu bedanken, überlassen und zurückschenken kann (bedanken hier grundsätzlich transitiv, aber nicht reflexiv! - der Autor). (Als Dank für diesen Satz solltest du, um die Erde des Weiteren und auch von deinen Gedankengängen zu verschonen, wirklich nur mehr bio essen! - der innere Spötter.)
Das ist wirklich ein grandioser Text vom Hans Pfefferle! So eine gute Analyse und Einordnung! (Ich hab eh angerufen und ihm das gesagt.) Ein Schauder läuft mir über den Rücken. (Den Goethe mag ich allerdings nicht!) Jetzt füllt sich das Lokal wieder mit den Mittagessern (exakt 12 Uhr). Boxenstopp (ich; nicht die Musik).
Von Magnesium ist die Rede. Ich überlege das Heimgehen; schließlich habe ich viel zu tippen (sehr viel! - der Tipper) und eine „romantische“ Unruhe ficht mich an (Pfefferletext!).
Auf dem Weg zum Klo schaut mich ein am Boden liegender Hund, dessen Vorderpfoten unter dem Sessel hervorschauen, traurig an und ich steige vorsichtig über seine Vorderbeine, und ich weiß nicht, ist diese Traurigkeit im Blick von mir oder von dem Tier? Als meine Projektion muß ich es nicht erklären, aber trauert die Art der Hunde über den Verlust der ursprünglichen Wolfheit? Der Preis war wohl sehr hoch, oder? (Und wie ist das mit der Menschheit? - der innere Spötter).
(21.4.2026)
©Peter Alois Rumpf April 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

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