4456 Rinde vermehren
18:00. Ich trinke verwässerten Apfel-Karottensaft (genau so habe ich das auch bestellt), der köstlich schmeckt. Durch die offene Lokaltür ziehen Rauch und Gestank herein, die in der Karmelitergasse anscheinend nicht genug Platz haben oder auch nicht in den Himmel aufsteigen können. Heute hätte ich mich sogar auf einen der Gehsteigplätze gesetzt, aber in der warmen Sonne war keiner frei. Darum sitze ich jetzt unter der Wandschaukel und schau mir im Spiegel beim Schreiben zu. Italienische Musik aus den Boxen. Die Kellnerin zündet die Tischkerzchen in den Gläsern an und ich höre das Klicken des Feuerzeuges, bis ein Folgetonhorn irgendwo in der Nähe das Geräusch übertönt. Die REMbox liegt neben mir auf der Bank.
Im REMbox-Artikel über mich steht über meine Schublade: „So gewann Peter Rumpfs [du solltest dir endlich einen anderen Familiennamen zulegen! – der innere Spötter] Introspektion im Lauf der Jahre immer an Substanz, den Jahresringen eines Baumes nicht unähnlich.“ (Katia Huemer)
Zuerst habe ich dieses zunächst überlesene Bild vom Baum kaum wahrgenommen und keine Meinung darüber gehabt, aber je mehr ich darüber nachdenke, desto zutreffender und schöner finde ich es. Meine Texte umwachsen mich im Kreis, die alten verschwinden unter den neuen und Risse in der immer dicker werdenden Rinde wird es auch geben (oder Verrisse, würdest du deine Texte ordentlich an Publikum und Kritik bringen – der innere Spötter). Genau deswegen lasse ich einfach nur die Jahresringe wachsen und vermehre die Rinde.
(8.5.2026)
©Peter Alois Rumpf Mai 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

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