4514 Gedankenlos
17:05. Das Lesezeichenbändchen grau auf braun (Kaffeeamtstisch) kommt auch gut. Ich hatte den Falter aus seinem unhandlichen Gestell genommen, um ihn ganzseitig lesen zu können; das war etwas mühsam; noch mühsamer war es, das Ganze wieder – sozusagen – einzufädeln (obwohl es sich dabei um viel Papier, aber keinen Faden gehandelt hat) und wieder hinein zu klemmen. Ich glaube, ich habe hier auch schon ein Bild hinterlassen – jedenfalls erkennen sie mich wieder und vielleicht lachen sie. Ich verrate, dass ich zur Zeit meine ich-bezogene Schreiberei als äußerst fragwürdig empfinde, sodass ich nur noch mit leicht schlechtem Gewissen schreibe, aber aufhören will oder kann ich nicht. Wie ein abseitiger Narr, der seinen (beruflichen) Platz nie gefunden hat, und jetzt auf seinem Abstellplatz irgendwo in den Sand irgendwelche Linien zeichnet, schreibt, zieht – gedankenlos - wollte ich schon schreiben, aber Gedanken sind viele da, denen es jedoch meist an Denken mangelt. Bald sperren sie hier zu. Ich werde gehen müssen. Wie symbolträchtig!
17:54. Mein Blutdruckmesser – was hat er? Warum fährt er nochmals hoch und erhöht nochmals den Druck; findet er keinen Puls? Ich sitze zu Hause am Schreibtisch und will brav meinen Blutdruck messen, wie es mir die Ärzte aufgetragen haben. 129. Das ist nicht zu hoch – so viel ich weiß. Dabei habe ich vorhin zwei Cappuccini getrunken, bin flippig und zittrig, durchaus konfus. Ich kann mit dieser Blutdruckmesserei nichts anfangen, weil ich die Ergebnisse nicht interpretieren kann und auch keinen Zusammenhang zwischen meinem Verhalten und den Resultaten finden, sodass ich keinerlei Anleitungen zu irgendwelchen Verhaltensänderungen ableiten kann. Und kein Arzt und auch keine Ärztin wird sich meine Sammlung von Listen mit den Messergebnissen je anschauen. Wurscht!
Jetzt hocke ich bequem im Bett und überlege, welches aus den zwei Stapeln ungelesener Bücher neben dem Bett ich nehmen und als nächstes lesen könnte. Oder doch lieber Internet? Ein Krimi? Ich bleibe einmal hier und verschnaufe. Soll ich doch wieder Antidepressiva nehmen? Eine Ader meines linken Unterarms schlägt nervös gegen das Uhrband, in unregelmäßigem Pochen. Eher wie Zucken. Baut in kleinen Zuckungen Druck auf, den sie von Zeit zu Zeit in einer größeren, stärkeren, großflächigeren zuckenden Entladung abbaut. Ein bißchen unheimlich, das zu beobachten. Ach! Egal! Ich leg das Schreibzeug weg.
(18.6.2026)
©Peter Alois Rumpf Juni 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

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