Montag, 15. Juni 2026

4512 Ende der Durchsage

 



12:35.  Ich bin so müde. Aber ich habe es ins Weltcafé geschafft; zu Fuß. Ich habe mich ins Innere geschlichen, ohne dass es jemand bemerkt hat. Nun sitze ich da und warte, bis ich wahrgenommen werde und bestellen kann. Schon passiert (von sich aus meldet er sich nicht – der innere Spötter). Ich bin so müde. Meine Wahrnehmung franst aus. Im Innenhof, auf der Seite, wo ich kaum je durchs Fenster geschaut habe, schaukeln die riesigen Blätter eines mir unbekannten Baumes in einer leichten Brise auf und nieder, ohne ihre fast waagrechte Ausrichtung aufzugeben, als würden sie flach auf mehrstöckigem Wasser schwimmen.

Gestärkt wende ich mich wieder der Umgebung zu. Eigenartige Blickachsen ergeben sich (wem? - der innere Spötter) und Anblicke eigenartig kauender Menschen (selbstvergessen oder über-ichbewußt?). Mein Gedankenfluß stockt und kommt nicht weiter; dreht sich im Kreis, hat sich in Dickicht verfangen (vielleicht staut er sich auf und du kannst darin baden?! - der innere Spötter). Jetzt einmal huste ich bloß. Oder läßt mein Gehirn nach, organisch, denn statt bloß habe ich block hingeschrieben; solches passiert mir in letzter Zeit oft. Mein Gott! Ich habe doch gar nichts zu sagen! Deswegen fällt meine Schreiberei ins Leere. Ach, meine linke Hand halte ich wie fast immer zu einer schwachen Faust geschlossen. Was will ich festhalten? Was will ich nicht, dass es mir aus der Hand fällt? Ich entdecke getrockneten Zahnpastaschleim auf dem rechten Handgelenk und reibe ihn mit der Linken plus Spucke ab. Die Barbara Frischmuth ist so eine tolle Schriftstellerin! Wie sie beschreibt, ihre Geschichten aufbaut, fortführt und beendet! Mich frißt der Neid! Aber ohne es ihr nicht zu vergönnen! (Geht das überhaupt? Beziehungsweise: was ist Neid? - der innere Spötter.) Ich bleibe hocken; habe keine Lust, in die Parks nebenan zu gehen, obwohl die Sonne scheint. Ich sehne mich nach Landschaft, nach richtiger Landschaft mit ins weite Tal hereinziehenden Wolken zum Beispiel. Die können sich natürlich auch auflösen und der Sonne und dem weiten Himmel Platz machen, so weit es der Hügel oder der Berge wegen geht. Es muß eh nicht das steirische Ennstal sein, meinetwegen Ost- oder Südsteiermark, oder Slowenien. Und ich bin sicher, wir würden auch in anderen Bundesländern die richtigen Plätze finden. Ist ja wurscht!

Schmeckt der Kaffee gut! Jetzt hat er die angenehmste Trinktemperatur. Ich habe es – ganz einfach gesagt – zu nichts gebracht. Ich bin mir deswegen nicht böse; es ist nur schad’ um mich. Ich bin der innere Kritiker und schreite jetzt ein: Stopp! Halt! Nicht weiter! Dein Selbstmitleid in Ehren, aber das geht nicht! Nicht in einem Text, den du veröffentlichen wirst! Und – du weißt das genau! - auch nicht vor deiner inneren Wahrheit. So! Ende der Durchsage!


(15.6.2026)


©Peter Alois Rumpf    Juni 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

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