4524 Nicht sicher
14:57. Es ist sehr heiß. Aber ich kann ohne Brille schreiben. Das ist neu! Ist eine Wunderheilung passiert? So eine unauffällige, versteckte? (das wäre bei ihm mit seiner Realitätsunaufmerksamkeit nicht weiter verwunderlich – der innere Spötter). Aber jetzt beginnt schon wieder alles ein wenig zu verschwimmen. Auch interessant! Wie geht das? Was läuft da organisch (oder – huch! - anorganisch) ab? Der Deckenventilator hier im Leo dreht sich nicht. Aber der in der Oberlichte des Fensters arbeitet auf Hochtouren; also ich glaube, dieses Gerät heißt nicht Ventilator, aber wie es heißt, weiß ich nicht (vergessen oder nie gewußt? - der innere Spötter). Zum Lesen der Karte habe ich, ohne zu denken, die Brille aufgesetzt. Jetzt probiere ich, ob ich die Getränkekarte auch ohne Brille derlesen hätte. Ja, habe ich hinbekommen. Aber Ich bin nicht repräsentativ steht auf meinem T-Shirt (warum nicht Leiberl? - der innere Spötter). Heute sitzen alle draußen im „Verschlag“ und ich frage mich auch schon, ob es draußen in der leichten Brise nicht angenehmer ist als hier herinnen (mit Verschlag meint er leicht, aber freundschaftlich spöttelnd den Schani“garten“ auf der Straße, der mit schlichten Holzplatten eh recht schön abgegrenzt ist – der innere Spötter).
Schon wieder habe ich unbemerkt die Brille aufgesetzt. Ich werde heute Abend zum Aldous-Harding-Konzert rausfahren und erwarte, dass es an der Abendkasse noch Karten gibt. Aber jetzt schaue ich mir wieder einmal die ausgestellten Bilder an der Wand gegenüber an, dazu nehme ich jedoch absichtlich die Brille mit. Die Zeichnungen – so fast konventionell sie auch auf den ersten Blick erscheinen – gefallen mir, so klein, so unaufgeregt, bescheiden – wenn man das nur nicht falsch versteht! - also nicht angeberisch, ein wenig wie einfach und nebenbei hingeworfen – aber durchaus gekonnt und nicht nebenbei! Menschenleere Landschaftsminiaturen und kleine Menschenbilder – die separat. Keinesfalls naiv!
Eine eigenartige, betörende, fast in Trance setzende Geräuschkulisse entsteht durch die Mischung der nicht sehr lauten Boxenmusik und dem lauten, rhythmischen Surren der Lüftung in der Oberlichte oben. Schon wieder habe ich die Brille auf und kann mich nicht erinnern, wann und wieso ich sie aufgesetzt habe! (doch! Als du am Etikett der Biorhabarbersaftflasche das Kleingedruckte gelesen hast – der innere Korrektor). Bei der Boxenmusik treten Bass und Schlagzeug stärker hervor als üblich – was mir gefällt und den oben zu beschreiben versuchten Effekt fördert.
Ich kann sagen, dass ich mich inzwischen in vier Cafés – sagen wir: „bekannt gemacht“ habe. Jetzt fehlt nur noch der Wohlstand, dass ich täglich im einen oder anderen frühstücken, jausnen, mittagessen und zum Nachmittagskuchen einkehren kann. Eine kleine Mücke – oder was das ist – krabbelt auf meiner linken Hand herum, kitzelt ein wenig, die Farbe ist grün, Beine und Greifzangen – wenn ich das richtig sehe – gelblich. Aber bezüglich Letzterem bin ich mir trotz Brille nicht sicher.
(23.6.2026)
©Peter Alois Rumpf Juni 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

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