4519 Der Hubschrauber
11:38 a.m. Ich weiß nicht, was das bedeutet – ein Hubschrauber kommt übers Gänsehäufel geflogen, recht nieder, kreist umher, dann erst sehe ich am anderen Ufer viele Rettungsautos, ich glaube, auch Polizei und jemand von den Gaffern (ich bin auch einer) meint, auch Feuerwehr erkannt zu haben. Ich weiß nicht, was passiert ist, ob jemand ertrunken ist, ich kann aus der Entfernung nichts feststellen. Der Hubschrauber landet am anderen Ufer, fährt seine Rotation herunter, ohne sie gänzlich abzustellen und nach einigen Minuten hebt er wieder ab, dreht sich – Entschuldigung, dass ich das in diesem Zusammenhang, wo es womöglich um Leben und Tod geht, so beschreibe – majestätisch, elegant und elegisch in eine bestimmte Richtung (Osten? Süden? Ich weiß es nicht) und fliegt davon. Und das ist der Moment, wo mir die Tränen in die Augen schießen; für meine Verhältnisse sogar eher heftig – ich habe zu tun, das unter den vielen Menschen abzuwürgen und zu verbergen. (Entschuldigung, dass ich da wieder nur über mich und meine Gefühle schreibe, aber was sich da am anderen Ufer ereignet hat, weiß ich nicht und kann es nicht erzählen.) Ich habe den Verdacht, dass es nicht das möglicherweise sehr dramatische Geschehen ist, dass meine Tränen ausgelöst hat, sondern das elegante, langsame, sanfte Abheben des Hubschraubers, seine elegante Drehung um die eigene Achse, wie um sich zu verabschieden, und dann sein zielgerichtetes, schnelles Verschwinden auf Nimmerwiedersehen. (Oder haben darin der Tod und der Weggang einer Seele doch ihr Gleichnis gefunden?)
(21.6.2026)
©Peter Alois Rumpf Juni 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

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