Montag, 22. Juni 2026

4518 Wolkentürme

 



14:49.  Wolkentürme formieren sich und soeben habe ich den ersten Donner gehört. Die Grillen zirpen noch wie verrückt und ein Marienkäfer hat mich gebissen. Ich sitze auf der Hollywoodschaukel im Garten; die schwüle, heiße Luft steht, die Ruhe vor dem Sturm, nur der Autoverkehr läßt sich nicht beeindrucken und spult seinen geistlosen, konventionellen, einfallslosen, berechenbaren, blöden und lästigen Sound ab. Das Gewitter scheint näher zu kommen, aber Wien ist groß. Ein Schmetterling sucht seinen Weg knapp über dem grünen Gras; vielleicht sucht er gar nicht, sondern weiß genau, warum er so fliegt und nicht anders. Welcher Vogel ist das, der da so hingebungsvoll zwitschert? Ich weiß es nicht. War das ein Regentropfen auf meinem Knie? Ein einsamer Vorläufer? Jetzt kommt eine Brise auf, ein Schatten huscht über die Wiese, aber als ich hinschaue, ist dort nichts. Nun eine ausdauernd rufende Krähe. Große Abschiedsszene (menschlich). Irgendwo wird auf Holz geklopft – würde ich sagen. Die Thuje ist an der vorderen Seite offen. Ganz viele verschiedene Grüntöne sind in diesem Garten zu sehen (das ist natürlich nichts Neues – der innere Spötter). Der Wind wird stärker. All ihr angewachsenen und frei beweglichen Wesen da im Garten – es ist schön, dass es euch gibt. Mir kommt vor, der stärkere Wind vertreibt das drohende Gewitter, aber sicher bin ich mir nicht. Ein Flugzeug quert hoch oben unseren Ruheplatz. Der Wind wird fast stürmisch. Dann legt er sich wieder. Jetzt hört man von der Straße einmal eine quietschende Fahrradbremse. Ein Schmetterling besucht den Hollerbusch. Ich ziehe mein Kappe vor ihm (dem Holunder) und sogleich fängt er zu tanzen an.


(20.6.2026)


©Peter Alois Rumpf   Juni 2026   peteraloisrumpf@gmail.com

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