6:09 a.m. Die Angst ist heute so heftig eingefahren, dass mir übel ist. Innerlich schreie ich vor Angst und kann mich kaum auf einen klaren Gedanken konzentrieren. Es herrscht absoluter Alarmzustand und mit dem, was da auf mich zu kommt, bin ich vollends überfordert (zum Beispiel kenne ich mich überhaupt nicht damit aus, wie ich nach der Abschaffung des Tan-Codes von meinem Konto Überweisungen tätigen kann. Ich weiß überhaupt nicht, wie ich die notwendigen Voraussetzungen für den neuen Zugang auf meinem Laptop installieren kann. Das nur als ein Beispiel).
9:35 a.m. Die Angst ist noch da, schwächer zwar, aber sie hat mich bis in mein Lieblingslokal begleitet. Der
Lichtengel leuchtet gar nicht mehr und irgendwas passt immer noch nicht. Ich aber halte mich tapfer; ich gebe nicht auf. Immer wieder sage ich mir vor:
es muß nicht elegant sein, ich muß nur irgendwie durch. Bis es vorbei ist. Die REMbox habe ich auf den Tisch gelegt, aber heute wirkt sie sehr fremd. Trotzdem gebe ich sie nicht weg. (
Aindschä aus den Boxen; ja, ich rufe auch nach dem Engel!) Etwas essen, um mich noch besser zu festigen? Mich schaudert’s. Die
Rolling-Stones-Nostalgie hilft mir nicht nur nichts, sie ist mir auch unangenehm. Damals waren doch auch Scheißzeiten. Ich bestelle eine Eierspeis (Monatsbeginn); schlechtes Gewissen habe ich sowieso; das ist auch schon egal.
10:06 a.m. Nur langsam scheint sich die blanke Angst aufzulösen. Das zweite Frühstück scheint mir gut getan zu haben. Eigentlich wäre heute Fitness angesagt gewesen, aber so voller Angst wollte ich nicht ins Fitnessstudio (wie wohl das Training vermutlich gegen die Angst geholfen hätte, aber so paralysiert und ohne innere Schutzschilder habe ich mich der unterschwellig immer mitschwingenden Angst vor den starken Männern dort nicht auch noch zu stellen getraut). Ich könnte in der REMbox blättern.
Jetzt ist wirklich das Ärgste vorbei: heute hat es zirka fünf Stunden gedauert, um aus der Angst herauszukommen. Das ist länger als sonst. Mir fehlt einfach etwas Grundlegendes, um im normalen Leben einigermaßen zurecht zu kommen. Das darf ich mir jedoch nicht vorwerfen (
dürfen schon, aber es bringt dir nichts – der innere Spötter). Danke, innerer Spötter, dass du auch wieder da bist. Das ist ein gutes Zeichen. Glaube ich zumindest. Wie wird das noch weitergehen? Außerdem bin ich zu dick (aha! Jetzt rattert
diese innere Maschine wieder, aber wenn du dafür Energie hast, geht’s dir wirklich besser – der innere Spötter).
10:47 a.m. (Dass ich nicht nur zu Beginn der Schreibsitzung oder nach einer längeren Pause die Uhrzeit notiere, sondern schon alle Pfiff’, ist wohl noch der Angst geschuldet, die noch immer irgendwo in mir lauert und von der ich befürchte, dass sie gleich wieder losschlägt. Die Uhrzeit-Notiererei ist Bannungsversuch.)
Manchmal zeigen sich auch Stücke einer angenehmeren Realität, aber gleichzeitig weisen sie mich ab (mit diesem kryptischen Satz will er etwas sagen, das er nicht verraten will – der innere Spötter).
Gar nichts! steht auf meinem T-Shirt und das stimmt. Jetzt kommt langsam die Trauer näher. Sie ist mir viel lieber als die Angst. Irgendwas geht hier im Lokal vor, ein kompetent auftretender – was mich mißtrauisch macht – Mann erklärt und begutachtet oder so ähnlich. Wird hier umgebaut werden!?! Oh! Oh! Oh! Ich bin skeptisch! Meine Welt droht zusammenzubrechen: zuerst der Kontoscheiß, dann die leichte REM-Überforderung, der Teilzusammenbruch des Bettes, und jetzt wird mein Lieblingslokal umgebaut!?! (gemach! gemach! - vielleicht deutest du das alles falsch! - der innere Spötter).
Gott-oder-wer-oder-was-auch-immer-sei-dank, nein. Laut Auskunft ist es nur eine Kontrolle irgendeiner Behörde oder Ähnliches; kein Umbau! Bin ich erleichtert! Jetzt schaut die Welt gleich wieder freundlicher aus.
(4.5.2026)
©Peter Alois Rumpf Mai 2026
peteraloisrumpf@gmail.com