Freitag, 30. Januar 2026

4346 Eigentlich auch nicht

 



0:06 a.m.  Ich kann mich nicht mehr beruhigen. Der Termin beim Psychiater regt mich so auf. Ich hocke im Bett, mein Herz klopft stark und ich zucke fast aus. An lesen ist nicht zu denken, an schlafen schon gar nicht. An schreiben eigentlich auch nicht.


(30.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

Donnerstag, 29. Januar 2026

4345 Du lass dich nicht ...

 



12:40.  Heute bin ich in ein traditionelles Wiener Kaffeehaus – weil es auf meinem Weg lag und aus Neugierde – eingekehrt, das ich vor über 40 Jahren öfters frequentiert hatte (meine Besuche in traditionellen Cafés sind fast immer enttäuschend; abgesehen von der oft schlechten Kaffeequalität ist die Stimmung entweder so kellnergrantig oder (selten) zu bedüdelnd. Jedenfalls fast immer ein falscher Tonfall), aber jetzt sitze ich im Espresso Burggasse, um endlich einen guten Kaffee zu bekommen. Und wie gut und zuvorkommend ich hier behandelt werde! Und das ohne alle falsche Freundlichkeit und ohne aufgetragenes Theater. Ganz einfach freundlich, professionell und glaubwürdig. Ein richtiges Asyl für mich und meine gequälte Seele! Was für eine Erholung!

Ich bin seelisch erschöpft von meiner Angst und meinem Zorn über diesen Psychiatertermin und von meinem anstrengenden, aber sicherlich vergeblichen Versuch, im Text Nummer 4344 dem ganzen Dilemma (soll ich hingehen oder nicht) wenigstens gedanklich Herr zu werden.

Ein trauriger, hoffnungserheischenden Blick auf meinen „Lichtengel“ soll mir vielleicht etwas Linderung verschaffen, und tatsächlich beruhigt sich meine Seele ein wenig (gleichzeitig meldet sich der innere Zyniker und spottet über meine verzweifelte Zuflucht in etwas, das ich normalerweise als fragwürdige Esoterik abtue, aber Not lehrt beten heißt es).

Echtes Kerzenlicht ist auch nicht schlecht. Ich starre ein bißchen in die Flamme und mir ist zum Heulen (der innere Zyniker verurteilt mich für mein „Selbstmitleid“). Die stille, ruhige Kerzenflamme, die sanft und schön das ihr Verbrennen bremsende Kerzenwachs verbraucht und so das unvermeidliche Ende legal und regulär hinausschiebt und dabei wenigstens ein bißchen die Welt erleuchtet.

Die Musik aus den Boxen ist melancholisch schön, aber dennoch werde ich bald mein Asyl verlassen und nach Hause wandern, um zuerst das Geschirr abzuwaschen und dann die Texte auf die Schublade stellen. Bevor ich aufgebe will ich das noch dokumentiert haben, als letzten Versuch, in der Welt Resonanz und vielleicht Ermutigung zu finden. (Ach! Das Biermann-Lied! Ich werde es mir heute wieder einmal anhören!)


(29.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

4344 Angst und Zorn

 



6:26 a.m.  Um knapp vor 5 Uhr bin ich aufgewacht und kann nicht mehr einschlafen. Der Grund: ich grüble, wie ich den Termin mit dem Psychiater XY überstehen soll. Um die Kosten für meine Psychotherapie wenigstens zum Teil von der kranken Gesundheitskasse refundiert zu bekommen (ich weiß von Leuten mit gutem vierstelligem Einkommen, die ihre Psychotherapie zur Gänze und anstandslos von der ÖGK bezahlt bekommen), muß ich mich von diesem fragwürdigen Psychiater begutachten lassen. Beim letzten Mal bin ich mit dem Gefühl hinausgegangen, arschgefickt worden zu sein (Ficken verwende ich nur für gewaltsamen Geschlechtsverkehr, weil nach dem Anlauf nehmendem f das i im ck auf Widerstand stößt und gewaltsam penetrieren will. Für einvernehmlichen Geschlechtsverkehr verwende ich meistens das schöne Wort vögeln. Warum ficken – das Wort stößt mich immer ab – in Deutschland die gebräuchliche Bezeichnung für Geschlechtsverkehr zu sein scheint, weiß ich nicht. Ich vermute aber, dass sich das sexuelle Bedürfnis erst gegen den jeweils inneren protestantisch geprägten Puritanismus mit seinem Sündenvorwurf durchsetzen muß, was aggressiv macht). Offensichtlich hat der ungute Mann - der selber gar keine Kassenpatienten annimmt -  von der kranken Gesundheitskasse den Auftrag, möglichst viele abzuweisen, um die Kosten zu senken (hier! Nicht in den oberen Etagen). Und dann sitzt du da und sollst dem Schnösel deine Depression erklären, wobei der dir unterstellt, dass du die nur vorgibst. Glaubt irgendjemand im Ernst, einer fängt eine Psychotherapie an – noch weit verbreitet mit Unterstellungen von Verrücktsein belastet – mit dem Zweck, den Staat zu betrügen? So à la: super! Ich zahle so und so viel für eine dann unnötige Therapiestunde und reibe mir die Hände, weil ich einen Teil der unnötigen Kosten zurückbekomme? Whow! Das habe ich aber geschickt eingefädelt!? Dass ich mir die Kosten für eine Therapie kaum leisten kann, kann man einfach an der Höhe meiner Pension ablesen (dafür braucht es keinen sicherlich gut bezahlten Psychiater, da genügt einer, der lesen und schreiben kann und ein wenig rechnen). Und was die Überprüfung meines psychischen Zustandes betrifft (um zu verhindern, dass ich eine psychische Krankheit vortäusche, um den Staat respektive die kranke ÖGK dazu zu bringen, eine Teil meiner Kosten für die ungerechtfertigte Therapie zurück zu bekommen?), was also die Überprüfung meines psychischen Zustandes betrifft, warum informiert er sich nicht bei meiner Therapeutin? Die könnte das besser und fachlich präziser erklären. Nein, das Ganze ist ein reines Unterwerfungsritual und ich kotze mich fast an davor, dort hinzugehen. Es geht dabei doch nur darum, dass ich meinen Arsch hinhalten muß und der arrogante Schnösel dann mit mir machen kann, was er will. Ich grüble, ob ich mir das antun soll (der „Gewinn“ aus meiner Prostitution wäre wirklich nicht sehr hoch und erbärmlich! Das rechnet sich nicht!), oder ob ich auf die Teilrückvergütung verzichten soll. Eigentlich habe ich mir geschworen, aus Selbstschutz dort niemals mehr hinzugehen, diese ordinäre Ordination niemals mehr zu betreten. Aber das hieße wohl, auf die Therapie zu verzichten, die ich so dringend brauche, um endlich aus meiner lebenslangen inneren Gefangenschaft rauszukommen oder wenigstens ihren Mechanismus zu verstehen. Ich bin ein Mensch in Not.

Und noch etwas: wenn der irgendwas von „die Komfortzone verlassen“ faselt, gehe ich ihm an die Gurgel!

Wenn ich hingehe, wird es natürlich ganz anders ablaufen. Meine ganzen inneren Vorbereitungen, alles was ich mir an Verteidigung ausgedacht habe, all die Vorsätze, mich nicht unterkriegen zu lassen, werden – von den tausend durchdachten Varianten und vorgestellten Gesprächssituationen abgegriffen und schal geworden – gleich nach dem Eintritt in die Ordination in sich zusammenbrechen. Schon allein deshalb, weil ich mich im realen Leben nie wehren und (m)einen Platz behaupten konnte und weil ich mich immer einschüchtern lasse. Aber auch, weil der feine Herr Doktor seinen Angriff (Niederschlagung von Anträgen) von einer ganz anderen, unerwarteten Seite starten wird und ich völlig überrumpelt sein werde. Ich werde keine Strategie mehr haben und verwirrt sein, unter seiner neoliberalen Selbstverständlichkeit (letztens: „die Gesundheitskasse will nur in die Wiederherstellung der Arbeitskraft investieren, wofür soll sie Sie noch unterstützen?“ Also übersetzt: „du bist es nicht wert, dass dir geholfen wird!“) (man kann schon einen solchen Standpunkt vertreten, aber dann konsequent und überall: keine medizinische Versorgung im Alter, am besten Euthanasie für unproduktive und lebensunwerte Menschen, und das sollen die Vertreter solcher Ideen dann auch offen aussprechen) (wobei das „unproduktiv“ bei mir gar nicht stimmen würde, weil ich immerhin bei Text Nummer 4344 bin und darinnen der eine oder andere Gedanke, die eine oder andere Erkenntnis steht, die geeignet ist, die Welt ein kleines Stück weiterzubringen), ich werde also unter all dem zusammenbrechen und hinausgehen und das letzte Lackerl an Selbstachtung und persönlicher Würde verloren haben. Amen. Nein, verdammt!


(29.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

4343 Auch hinführen

 



22:58.  Wieder so früh zu Bett. Ich war so müde. Jetzt allerdings fühle ich mich wiederum frisch und munter. Lesen.

23:10.  Das Buch ist aus(gelesen). Ein neues fange ich heute nicht mehr an. Ich hocke im Bett und höre damit nicht auf. Irgendwo muß das auch hinführen.


(29.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

4342 Ganz einfach

 



1:02 a.m.  Das ist ganz einfach: nach 27 kommt 28 (weil ich das Datum gesucht habe). Dann schaue ich auf das gelbe Fenster (gelb wegen des Rollos). Der schwarze Holzrabe dafür: schwingt er ganz leicht oder ist dies eine optische Täuschung? Um den schwarzen Holzraben bildet sich eine hellgelbe Aura, heller als das Rollo (mir passt das gar nicht, dass ich wegen der Korrektheit das Rollo schreibe, obwohl ich bei meinem Reden innen und außen – so wie es bei uns das Herkommen war – nur die Rollo verwende). Ich muß das nochmals im Österreichischen Wörterbuch nachschlagen (leider nein; auch das; ich wette, niemand in Österreich verwendet in seiner Umgangssprache dieses das). Aber gut, so fremd sind mir in der lauten Stillen Nacht die Regeln von Rechtschreibung und Grammatik.

Jetzt jedoch kommt die Müdigkeit noch deutlicher, aber ich will mich noch nicht zum Schlafen hinstrecken und hocke im Bett und weiß nicht warum. Warum hocke ich im Bett und blicke unaufmerksam in meinem kleinen Zimmer umher? Was suche ich? Suche ich etwas? Was soll mir noch einfallen? Was will ich noch erleben? Noch mehr vom Surren in den Ohren? Wollen meine Augen noch länger und mehr mein Zimmer mit all dem verstaubten Zeugs aufnehmen und irgendwo abspeichern? Um es im Jenseits nachzubauen? Dafür blicke ich viel zu schlampig, viel zu beliebig, viel zu unkonzentriert und viel zu ungenau. Mein Gähnen reißt mir mein Maul auf und meine Hände kratzen die Haut am Kopf und raufen nur so, ohne Groll, Zorn oder Trauer meine Haare, insoferne sie noch da sind.


(28.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

Dienstag, 27. Januar 2026

4341 Der Radfahrer

 



9:30 a.m.  Ein Radfahrer ist hereingekommen, dessen Gesicht mich frappant an einen berühmten österreichischen Schauspieler (umstritten? Ich kann mich nicht genau erinnern. Ich glaub: ja. Jedenfalls schon tot) erinnert, besonders seine Augenpartie, aber der Name des als möglichen Vorfahr des Radfahrers unterstellten Schauspielers will und will mir nicht einfallen.

10:37 a.m. Nach Frühstück und entspannter Zeitungslektüre ist mir der Name endlich eingefallen: Maximilian Schell. Und was machen wir damit? Nichts gescheites (ich gebe zunehmend meinen Widerstand gegen so manche, meist neue Grammatik- und Rechtschreibregel auf – die ständigen Autokorrekturen beim Eintippen zermürben auch mich – aber diesmal versuche ich es wieder: für mein Sprachempfinden ist Nichts das Objekt des Satzes und gescheites das Adjektiv. Ich gebe zu, dass ich in irgendeiner Nacht, als ich in meinen Halbschlafgedanken dieses Thema gewälzt hatte, es für ein paar wackelige Sekunden anders sehen konnte).

Soweit so gut. Der Radfahrer ist wieder gegangen. Der dritte Cappuccino ist nun da, jetzt wende ich mich dem Lichtengel zu. Beim „Schell’schen Radfahrer“ habe ich mich eh nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt; wir werden es nie wissen und das – hypothetisch! - Wissen, ob meine Unterstellung richtig oder reiner Unsinn ist, würde an der politischen Entwicklung in den USA, Europa und Asien (und in Afrika und Australien und Ozeanien, selbst in der Antarktis) nichts ändern. Würden wir das wissen, änderte dies auch nichts am traurigen Faktum, dass die blaune laut Umfragen die stimmenstärkste Partei in Österreich ist. Leider. Oder würde sich doch etwas ändern? Wer weiß, wie in diesem komplexen, multifunktionalen, vieldimensionalen kräfteparallelogrammatischen, widersprüchlichen und vielschichtigen Universum die Dinge zusammenhängen! Jetzt belästigt mich eine gemeine Stubenfliege. Ist die vielleicht eine von der Freiheitlichen gesteuerte Minidrohne? Tatsächlich lasse ich das Thema fallen und wende meinen Blick auf den Lichtengel in der Fensternische. Weil es heute recht sonnig ist und vor draußen helles Licht hereinstrahlt, verblaßt sein von mir aus gesehen rechter Lichtflügel ein wenig. Zack! Ab in eine Gewaltphantasie! Mein Geist zuckt unabsichtlich weg in eine phantasierte Szene, wo ich einem mich „provozierenden“ Gewöhnlichkeitsnazi niederschlage, um ihm zu beweisen, was das Gerede von „der hat mich provoziert!“ für eine Verlogenheit ist. Das Ganze hat – sagen wir - drei Sekunden gedauert, in denen ich komplett weg war und meine aktuelle Umgebung nicht wahrnehmen konnte. Im Nachhinein habe ich die Sorge, dass jemand meine Gesichtszuckungen dabei bemerkt hat. Es schaut so aus, dass alle Gäste in ihre eigenen Geschichten und Gespräche vertieft waren; jedenfalls schaut mich – soweit ich das mitbekommen habe – niemand komisch an. Aber auch ich würde, wenn ich eine Szene einer solchen unguten Entrückung gesehen hätte, versuchen, mir nichts anmerken zu lassen. Ein Bettler mit wirklich markantem männlichen Gesicht kommt herein, edel irgendwie in seiner großen, hageren, aufrechten Gestalt (er wird nicht hinausgeworfen und es ist ihm erlaubt, die Gäste um ein Almosen zu bitten. Das spricht sehr für das Café!). Mein Geist ist schon wieder woanders und treibt Wortspiele mit dem Namen des neuen Erzbischofs von Wien, den ein telephonierender Gast zwei Tische weiter erwähnt hat. Seit Wochen keine Kleine Zeitung/Graz mehr im Zeitungsständer (eigentlich Zeitungshänger, denn das Gestell ist an der Wand montiert). Ich könnte eine andere als zweite Zeitung nach dem Standard lesen (es werden die Salzburger Nachrichten). Mein letztens als rote Holzkatze beschriebenes neues Objekt an der Wand stellt sich bei näherer Betrachtung als Keramikobjekt als Teil einer Keramikausstellung heraus.

11:50 a.m. Wenn ich noch eine Uhrzeit mit ante meridiem anbringen will, ist es jetzt höchste Zeit. Jedoch fällt mir nichts ein und somit ist es Zeit für den Aufbruch zur Stadtwanderung.

Auf der Mariahilfer Straße fallen mir die vielen, inzwischen hochgewachsenen Bäume auf, die jetzt so schön ihre nackten, dunklen Äste gegen den herrlichen blaßblauen Himmel strecken und so ein tolles graphisches Gewirr erzeugen, über dem noch der zunehmende Halbmond sichtbar geblieben ist.


(27.1.2026)
 

©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

4340 Meine Versuche

 



0:35 a.m.  Meine Versuche, vor Mitternacht schlafen zu gehen, gelingen nicht. Ich will es anscheinend nicht, obwohl ich es mir so toll und gesund vorstelle, den Tag über tätig zu sein und in der Nacht rechtschaffen zu schlafen. Aber jetzt bin ich im Bett und dabei, den Namen des Gitarristen von Led Zeppelin zu suchen, aber der will und will mir nicht einfallen. Dabei weiß ich genau, wen ich meine, und kann sein Gesicht und seine hagere Gestalt abrufen, und außerdem habe ich heute schon einmal nachgeschaut, weil er mir auch da nicht und nicht einfallen wollte. Und jetzt wieder. Das ist doch nicht normal, oder? Es hat Zeiten gegeben, da ist mir sein Name leichter eingefallen als der des Sängers. Vorsichtig frage ich. Ist das schon Demenz? (wen fragst du? Dich? Den Laptop? Deine LeserInnen? Das Papier? Das Universum? - bitte präziser formulieren! - der innere Spötter). Oh! Die Regalbretter hinter dem Lichtkegel der Leselampe beim Bett fahren heute nach oben, hinauf! Bleiben natürlich auch auf ihrem Platz. Augenmuskelermüdungserscheinungen – nehme ich als Ursache an – sind keine Wunder. Jetzt versuche ich zu vermeiden, dass die Augen scharf stellen und erzeuge so eine diffuse, undeutliche Welt. Dann lasse ich das und hocke nur so da. Liebe ich dieses In-die-Luft-Schauen wirklich so, oder vermeide ich es, mich flach zu legen? (Auch mir ist jetzt der Name nicht auf Anhieb eingefallen. Erst nach einigen Minuten – der Tipper.)


(26.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

Donnerstag, 22. Januar 2026

4339 Seitwärtsdrehung

 



0:23 a.m.  Mir sprudelt der Kopf vom Lesen (und hatte deswegen statt ante meridiem (a.m.) unabsichtlich tatsächlich a.t. geschrieben. Ich weiß nicht, was das heißt). Jedenfalls geht es auf Mittag zu, den Höhepunkt des Tages.


12:27.  Im Katscheli nach einer ausführlichen Falterlektüre. Nur männliche Gäste? Nein. Peinliche Fehleinschätzung vorher. Wurscht! Zu uninteressant, um es genauer auszuführen (ha, ha, als hätte dich das jemals abgehalten, es zu beschreiben! - der innere Spötter). Am Rückweg Geschirrtücher kaufen nicht vergessen! Nicht vergessen! (Ich vergesse schon so viel, muß es mir oft vorsagen.) Jetzt kommt langsam der wunderbare Kaffeerausch! Ich möchte mitplaudern … zu lange gezögert. Loslassen! Keinen verspäteten Einstieg in die Gespräche suchen! (Sagt mir mein innerer Kontrollor.) (Da steckt Troll drin! - der innere Spötter.) Ich bin ein arroganter Schnösel! (sagt wer?) Ich schaue mich durch eine Seitwärtsdrehung des Kopfes im großen Spiegel an: Ja, geht! Ein interessanter alter Mann! (Naja, viel macht die Lesebrille aus! - der innere Spötter.) Einstieg geschafft! Zu einem anderen Thema als vorhin. Juhuu! Ich bin jetzt auch ein Café-Bar-Plauderer!

Ich drehe jetzt wieder meinen Kopf nach links zum Spiegel, diesmal ohne Brille, schaut viel uninteressanter aus. Ich versuche mich daran zu gewöhnen. Vielleicht kann ich doch noch etwas rausholen.

Ich stelle mir nun vor, wie der Kauf der Geschirrtücher ablaufen könnte und denke mir irgendwelche Scherze aus (Kaffeerausch! Aber die Scherze sind öde – der innere Spötter). Am Heimweg nicht vergessen, die Geschirrtücher einzukaufen!


(Es ist ganz anders gekommen. Das Haushaltswarengeschäft ist wegen Schließung im Abverkauf! Kein Anlass für Scherze. Schade! Wieder gibt ein Nahversorger auf! Scheiß „Amazon(as)“! - der Tipper) (Das (as) sollte eine Vorsichtsmaßnahme gegen Klagen sein. Ach! Was!)


(22.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026  peteraloisrumpf@gmail.com

4338 Die schönste Zeit ist im Bett

 



10:30 a. m.  Die schönste Zeit ist im Bett in meinem Zimmer (er hat doch wirklich, wie ich jetzt beim Abtippen des handgeschriebenen Textes sehe, statt Die am Satzanfang Ich geschrieben! Sein Eigendünkel wird immer absurder und ärger – der Tipper). Die schönste Zeit ist im Bett in meinem Zimmer. Ich mag gar nicht aufstehen, so schön ist das. Ich bin wach, döse höchstens ein wenig, Frühstück und Blutdruckmessen habe ich schon hinter mir. Ich mag aber nicht raus in die Welt, nichteinmal aus meinem Zimmer. Von draußen fallen mir nur Niederlagen, Peinlichkeiten und Fehlhandlungen ein. Wozu also raus? Irgendwas wummert so schön aus der Ferne (oder doch näher und von den Mauern gedämpft) … ich weiß nicht … ich bin mit dem Erholen noch nicht fertig. Ich muß mich so viel erholen und die Ansprüche der Welt stören mich immer wieder dabei (zum Beispiel ist seit gestern das depperte Blutdruckmessen dazugekommen). Es geht ja auch darum, dass sich Seele und Geist erholen können (wie heißt der Song von Morrissey vom Tag im Bett verbringen? (spent the day in bed – der Tipper)).

Mein Bett befindet sich zwar nicht hinter dem Ofen und in meinem Zimmer kann es – gefühlt! - kalt sein, aber dennoch lockt mich die Welt nicht hinter dem Ofen hervor (Jemelja müßte man sein, der mit dem Ofen samt Bett herumfahren kann! Auf des Hechtes Geheiß, russisch). Es ist so schön, jetzt, wie es ist, unter der warmen Decke. Ich höre schon die Idioten schreien: „Auf! Raus aus der Komfortzone!“ Aber diese Trotteln haben keine Ahnung! Ich habe das ganze Leben gekämpft, immer im Überlebensmodus, immer im Alarm, jeder Schritt ein Kampf gegen die Angst, immer die Niederlagen, immer die Demütigungen und Beschämungen! Es geht nicht um Komfort, es geht um Erholung, Ausheilen und Durchatmen. Ihr mit eurer dummen, verlogenen Selbstverständlichkeit, haltet endlich eure Goschen! Ich wünsche, dass euch eure Dummheit beim Sterben so richtig niederdrischt! (Es wird nicht die Dummheit sein, sondern das, was dahinter versteckt wurde – der innere Korrektor). (Langsam kommt er in Fahrt! Vielleicht steht er doch bald auf! - der innere Spötter.) „Raus aus der Komfortzone!“ - Wenn ich das schon höre, könnte ich Amok laufen. Seid froh, ihr minderbemittelten Affen, dass ich in der „Komfortzone“ bleibe! Diese „Komfortzone“ ist doch nur ein unsicheres Asyl für mich vor eurem Hass, eurer Dummheit und Grausamkeit! (Und für euch vor seinem Amoklauf – der innere Korrektor).

[Der … (Zensur! Ich lasse jetzt keine Selbstbeschimpfung zu – der innere Korrektor) ist dann sogar noch ins Fitnessstudio gegangen! - der innere Spötter.]


(21.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

4337 Die Doppelpunkte müssen sein

 



1:24 a.m.  Morgen will ich ins Fitnessstudio (mein Gott! Schreiben wir hald (sic!) drei s!) gehen, darum sollte ich schon schlafen. Tue ich aber nicht. Ich liebe die Stille Nacht mit dem Dröhnen in den Ohren und dem unidentifizierten Hintergrundrauschen. Ich hocke jetzt nur so da. Gelesen habe ich eh schon. Natürlich im Bett. Genaugenommen liebe ich die Stille Nacht nur im Bett hockend; am Schreibtisch vorm Laptop merke ich sie nur wenig (sozusagen nur passiv als Ermöglichung von Unbedrängtheit). Unter der Decke fühle ich mich getröstet und unsinnigerweise sicher. Gut, ganz so unsinnig ist das auch wieder nicht, aber schon, weil zerbrechlich (imitiere ich gerade meine soeben absolvierte Lektüre?). In der Stillen Nacht höre ich immer auch und zeitweise recht deutlich etwas, das wie ein Motor klingt. Ich habe das immer unter der Rubrik „Baustellenlärm in der Ferne“ eingeordnet, glaub das aber nicht mehr, weil es seit Jahren jede Nacht da ist und sich nicht ändert. Ferner Verkehrslärm glaube ich auch: nicht (die Doppelpunkte müssen sein). Ich betrachte die neu erworbene Kunstkarte „Heiliges Herz“ mit Öffnung durch die Lanze (Anonym; vor 1470). Sie gefällt mir sehr. Das durchbohrte Herz (offensichtlich wurde das Papier tatsächlich aufgeschlitzt; ein sehr moderner Zugang für damals). Seht wie die Wunden prangen. Ja, das gefällt mir an diesem Bild und an diesem Lied: dass die Wunde prangt. Ich möchte, dass meine Wunden auch prangen. Aber dazu fehlt mir wohl das Format (wie beim Hinschreiben dem mir der i-Punkt gefehlt hat – der innere Spötter). (Wenn es nur ein i-Punkt wäre! - der Autor.)


(21.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

Dienstag, 20. Januar 2026

4336 Supertiming

 



11:16 a.m. Ein Einhorn auf der Kreidetafel schickt Bussis (eigentlich nur eines – der innere Korrektor), daneben neu eine riesen rote Katze aus Holz. Der Lichtengel wird von einer Pflanze – der Name fällt mir nicht ein, obwohl ich mehrere davon zu Hause betreue – am Rande schon anüberwuchert. Liebe LeserInnen, ist euch das schon zu fad? Mir nicht, ich erlebe es ja richtig und jedesmal von Neuem mit kleinen Veränderungen. Tja, die schöne Lokalmusik aus den Boxen (mein Gott! Wo wird sie denn sonst herkommen! - der innere Spötter). Die rote Katze mit dem Blumenbauch (wenn ihr das überprüfen und kapieren wollt, müßt ihr herkommen!) verschreckt beinahe die Fünfzigerjahrephotos daneben. Vielleicht irritiert mich nur, dass die Katze so katzenstur zurückgafft. Ein schönes neues Objekt neben der Lampe auf dem Wandbord, das ich noch nicht einordnen kann. Ein Gefäß? (Nachtrag: eine Vase.) Der Mann mit der tiefen (versoffenen?) Stimme (versündige dich mit deinen Vorurteilen nicht an der Unschuldsvermutung! - der innere Korrektor) ist ein Auskenner, der sich sicherlich (Obacht! Siehe oben! - der innere Korrektor) überall auskennt. Trotzdem fühle ich mich hier nicht bedroht. Das schöne, neue Objekt könnte ein Behältnis sein (eine Vase, das hast du schon gesagt! - der innere Spötter). Mir fällt ein, dass meine „Toleranz“ nichts als Schwäche ist (das muß nicht so sein! Echte Toleranz kommt aus innerer Stärke – der innere Wichtigtuer). Aber jetzt gehe ich dem nicht nach; ich will mir den schönen Tag nicht verderben. Es ist, wie es ist! (Jetzt will er wieder auf abgeklärt machen - zu spät oder zu früh – der innere Spötter.) Nun, in dieser meiner unterstellten Sicherheit hier denke ich an den Tod. Was wäre, wenn ich heute sterben würde? Sagen wir: am Abend (er will seine noch nicht eingetippten Texte der Welt nicht vorenthalten und sie noch rechtzeitig auf die Schublade stellen. Außerdem wäre es ein Supertiming, um 11:40 a.m. den eigenen Tod zu „meditieren“ und am Abend zu sterben und diese Koinzidenz wäre hieb- und stichfest dokumentiert! Fast schon wie ein echter Seher! - der innere Spötter). (Er kommt mit seiner „Meditation“ eh nicht weiter; sie stockt - der innere Spötter.) Zur Ablenkung zurück zur nun dominanten roten Katze. Ich muß mich erst an ihren Anblick gewöhnen. Die Musik aus den Boxen wird gerade besonders schön. So ein schönes einfaches Lied (vielleicht irisch?) mit sanfter Instrumentalbegleitung. Sonntagsanzug steht auf einer Tafel ganz oben auf dem obersten Bord an der von mir aus linken Wand der Bar, das gleichzeitig die Blende der Beleuchtungsleiste ist. Durch eine aus emotionaler Erregung bei der Korrektur des soeben Geschriebenen plötzlich unwillkürlich auszuckende Handbewegung meiner - damals erzwungenen – rechten Schreibhand rutscht mir der Pilotstift aus den Fingern und fliegt dem am Nebentisch sitzenden Mann an den Hintern und bleibt fast ganz darunter liegen. Er erschrickt und ich entschuldige mich (sich entschuldigen wäre auch eine Abhandlung wert! Aber hier passt’s schon!). Die zwei am Nebentisch schreiben auch, aber in ihre Laptops (fühlt er sich wegen seiner handschreibenden Zurückgebliebenheit clamheimlich überlegen? - der innere Spötter). Ich habe soeben die Tagtraum-Phantasie, dass „das Rehlein“ aus der BlueBox von vor 40 Jahren hereinkommt (da war nichts! Und den Tod hat er jetzt schon vergessen – der innere Spötter). Pustekuchen mit der tiefen, philosophischen Ernsthaftigkeit (danke, Tschudo-Judo!). Das Leben ist schön. Der eine Barhocker an der Katzenwand gegenüber hat eine Spiraleinfassung für die interessant positionierten drei Metallbeine, der andere einfach einen einfassenden Ring über die vier klassisch angeordneten. Ist mir zum ersten mal aufgefallen. Wäre es nicht langsam Zeit, diesen Text absterben zu lassen? Ich betrachte noch das riesige Bild an der (Katzen)Wand. Eine klassisch italienische Hafengroßszene mit vielen historisch (Barock?) gekleideten Menschen und Zirkuselementen, aber unitalienisch sehr dezent, sparsam, zurückhaltend, farbenarm und vieles auslassend - im Gegensatz zu den mediterranen Erwartungen - gemalt. Ein klassisch frühmodernes Kunstthema, untypisch ausgeführt. Sicher 20. Jahrhundert; schätzungsweise Fünfzigerjahre (die hier optisch, aber nicht atmosphärisch sehr präsent sind). Der Kellner stolpert beinah über eine schräg gestellten Sessel am Nebentisch. Somit Zeit zum Aufbruch.


(20.1.2026)

©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

4335 Gutes Timing

 



23:00 exakt.  Gutes Timing! (was das Abrufen der Uhrzeit betrifft! Man erlebt ja sonst nicht viel – der innere Spötter). (Die linke große Zehe ist so berührungsempfindlich, selbst wenn bloß die weiche Bettdecke nur leicht aufliegt, tut sie weh.) So früh habe ich mich schon seit Jahrhunderten nicht mehr ins Bett gelegt (dabei habe ich schon einige Zeit im Bett gelesen). Überraschend früher Rückzug (übrigens: der Geschirrspüler ist noch nicht repariert). Ich freue mich auf morgen (beeinflußt die gerade absolvierte Lektüre meine Schreiberei?) (Das weiß ich erst, wenn der innere Spötter auftritt.) und auf das geplante Frühstücken im Lieblingscafé. Die Schatten im Zimmer wechseln für kurze Zeit in einen wunderschönen Blaustich. Ich habe fast den Eindruck, ich könne das mit den Augen herbeiwinken, aber immer funktioniert es doch nicht. Vielleicht kann lediglich ich nicht gut mit dieser Technik umgehen. Jetzt geht gar nichts mehr; die Schatten bleiben schwarz-grau. Dafür sinken – jetzt soeben – die Regale an der Wand gegenüber zu Boden, ohne zu verschwinden oder auch nur ihre Position zu verändern; als wäre es eine durchsichtige Folie oder Schicht davor, die in den Boden fließt. Jetzt scheinen sich die beiden Phänomene vermischt zu haben, aber bleiben ganz schwach, sodass ich mir nicht sicher bin. Ich schaue auf die Uhr, die auch meinen Herzschlag misst und anzeigt und empfinde ein bißchen Ehrfurcht (Wortbildungsstörung: ich habe Erfurt hingeschrieben) vor all den chemisch-physikalischen Abläufen, die unseren Körper ausmachen. (Ich hoffe, diese Abläufe machen ihn noch nicht so schnell aus! - der innere Spötter.) (Wenn man aus Ehrfurcht das Erfurt herausnimmt, bleibt nur hch über – klingt wie Todesröcheln – der innere Spötter.)


(19.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

4334 Probereitschaft in unserem Sinne

 



9:31 a.m.  Mit Pro-Bereitschaft in unserem Sinne wache ich auf. Verschlafen esse ich die gereichten Snacks (Chicoréeblätter und Orangenstücke) und trinke den Orangensaft. Den Wohnzimmerbaum nicht zu vergessen zu gießen! Und oben die Pflanzen auch! Nicht vergessen! Präg dir das ein! - befiehlt mir mein langsam erwachendes Alltagsbewußtsein. Zu recht, denn ich vergesse in letzter Zeit so viel. Jetzt kommt das Frühstück ans Bett.


13:22.  Dafür jetzt in der Albertina vor den Klos und vor dem zukünftigen Honoré Daumier (ab 6. Februar geöffnet). Ich warte auf meine liebe Frau.


14:20. Und am Heimweg dann durch den Burggarten an der depressiven Kaiser-Franz-Joseph-Statue vorbei. Ja was! Wie der dasteht, den Blick gesenkt! (In der Psychoaufstellungsszene heißt der ständige Blick zu Boden, dass einer auf die Toten schaut.) Wenn der so auf einer Brücke am Brückengeländer steht, überlegt man sich, ob der gleich springen wird. Wie immer er sich entscheidet, ob er springt oder nicht – von mir aus – Gott mit ihm!

Ich bin so verdammt unterzuckert und will mich aufregen, weil beim viel frequentierten U-Bahn-Ausgang Herminengasse mindestens alle zwei Wochen einer der zwei Lifte ausfällt. Aber ich bin zu erschöpft dazu. (Jetzt kann ich das ja vervollständigen: Diese Lift-Reparaturfirma ist entweder unfähig oder sie wollen absichtlich viele Reparaturen herausschinden, denkt er sich, aber kann es vor Ort (!) nicht hinschreiben – der Tipper.)


20:46. Und jetzt? Jetzt hocke ich auf dem Bett und überlege, ob ich mir ein Kabarett (Alex Kristan) oder einen Krimi anschauen soll (will wäre besser – der innere Spötter).


(18.1.2026)


1:25 a.m. Und jetzt? Jetzt hocke ich im Bett und stelle den Wecker, weil morgen ab 10h der Geschirrspüler repariert werden soll. Solche Termine machen mich immer nervös und unruhig.


(19.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

Donnerstag, 15. Januar 2026

4333 Calidum aerem

 



14:00 (exakt).  In einem typischen Wiener Kaffeehaus. Einen sehr speziellen Sitzplatz habe ich mir ausgesucht. Der Kaffee passt. Was den Sitzplatz betrifft: auf der linken Seite des Einpersonentisches ist die gepolsterte Holzwand der Eingangsschleuse, rechts ein gepolsteter Wulst, der meinen Platz vom nächsten gleich um die runde Ecke ein wenig distanziert und räumlich abhebt. Somit ein wenig ein Polstersesselfeeling. Die vielen alten Herren hier – ich meine die Gäste – sind sehr freundlich, schauen einen beim Hereinkommen mit freundlicher Neugier an – einige dürfte verabredet sein – und sprechen einen gleich supportend an (suchen Sie einen Platz? Der wird gleich frei! Suchen Sie jemanden?). Ich vermute schon viel pensioniertes Mittel- bis Großbürgertum (groß für meine Verhältnisse) und anscheinend nehmen sie mich Eintretenden als Ihresgleichen wahr. Wenn die wüßten! Meine Maske wirkt! - zumindest für die ersten Sekunden.

Über die Kellner - gegenüber Kellnern und Obern in traditionellen Wiener Kaffeehäusern bin ich von vornherein so mißtrauisch und abwehrend vorsichtig eingestellt – will ich nichts sagen. Wegen meines notorischen schlechten Gewissens, wenn ich nur Kaffee trinke – diesmal und hier um der Tradition meine Referenz zu erweisen: Mélange – und obwohl es sich um ein richtiges Kaffeehaus handelt - aber mit einem Mittagsmenueangebot – habe ich – als typisch österreichischer fauler Kompromiss – auch Frankfurter Würsteln bestellt und schon gierig verschlungen. Jetzt werde ich mich den Zeitungen widmen; von denen gibt es hier eine ganze Menge und die ganze Palette.

15:00 (exakt). Lektüre inklusive Kleine Zeitung/Graz. Anscheinend keine Toten im Bezirk Liezen (also keine, deren Familien in der Kl.Z. patentieren), aber mein Familienname in einem anderen Bezirk (da tut er jetzt so umständlich herum; offensichtlich hat er schon ein abergläubisches Verhältnis zum Tod – der innere Spötter).

Es ist schon lustig hier (ich bin ja erst mit ausgeglichener Psyche losgegangen) und ich gehe hier auch nicht unter. Aber jetzt reicht es langsam; ich werde meine dritte Mélange noch gemütlich austrinken und dann schrittzählend nach Hause wandern. Es ist schon gut, dass ich heute hier eingekehrt bin. Letzte Beobachtung: es ist wirklich der Eifer, der die Menschen verrät. Und weil ich vorm Verlassen des Lokals noch aufs Klo gehen mußte, schreibe ich das noch her, damit es ein für alle Mal dokumentiert ist:
Wenn ich mich morgens ankleide - und dabei kann es schon auf Mittag zugehen – kommt zuerst eine kurze Unterhose. Dann ein T-Shirt – in letzter Zeit sogar aus meiner geliebten Sammlung derer mit den schönen Sprüchen aus Eigenbau – darüber jetzt im Winter eine lange Unterhose – die aktuelle ist teilweise zerrissen – dann Socken und Stutzen – beziehungsweise etwas ähnliches (also gut: die „Stutzen“ sind in Wahrheit viel zu große Socken, die mir fast bis ans Knie reichen und deren Fersen irgendwo in einer Gegend am Unterschenkel ankommen), dann ein Hemd, dann die Jeans, dann mein Bauchtascherl mit Handy (seit ich die Schritte zählen lasse), darüber ein Pullover und so weiter. Wenn ich jedoch wie soeben in einem Lokal pinkeln muß, und dabei das Pissoir benutze (interessant, dass die französische Endung ein ansonsten als vulgär empfundenes Wort bis zur Unproblematikkeit veredeln kann) (Wenn schon, denn schon! – wenn man mit der neuen Rechtschreibung keine Konsonanten weglassen darf, dann auch hier nicht), also das Pissoir benutze – Sitzbrunzer bin ich eh zu Hause und im Lokal will ich die einzige Scheißkabine nicht für mein kleines Geschäft blockieren – ist es gar nicht so leicht, durch alle diese Schichten bis zum Pimperl vorzudringen: Bauchtascherl wegschieben oder ablegen (wo?), Hosenschlitz Jeans auf, erstes Hemd hochschieben, lange Unterhose: Schlitz oder runterziehen? T-Shirt hochziehen, kurze Unterhose (die aktuelle ohne Schlitz) runterziehen. Eine echte Herausforderung wenn es dringend ist und man sich dauernd vernestelt, weil die Finger ja nicht wissen, ob sie den Stoff des T-Shirts (hochziehen!) oder den Stoff der Unterhose zum Beispiel (runterziehen!) erwischt haben. Nur, damit das auch einmal dokumentiert ist.

Die von der Albertina mitgebrachte Kunstkarte (Anonym, Das heilige Herz, vor 1470) habe ich über The Sun von Matthew Wong, 2016, an die Wand getackert, wobei ich mich beim Heruntersteigen vom Bett, das ich besteigen mußte, um die angepeilte Stelle für das neue Bildchen zu erreichen, verstolpert und einen meiner abgelegten Schlapfen am verrutschten Teppich unabsichtlich regelrecht umgeschleudert habe, sodass er mit der Sohle nach oben zu liegen gekommen ist. (Laut Internet-Übersetzer soll Dampfplauderer auf Latein calidum aerem heißen. Ich glaub's nicht so recht.)


(15.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

4332 Papier und Ko

 



13:18.  In der Albertina nach dem sehenswertem Papier jetzt vor den Kokoschkas sitzend fällt mir zum ersten Mal ein: das Londonbild hat uns unser Zeichenprofessor am Gymnasium gezeigt. Nun erinnere ich mich ganz genau: er hat auf den Realismus hingewiesen, der sich darin zeigt, dass sich der Brückenpfeiler mit irgendeinem Ding (Stange?) im Vordergrund fast überdeckt, was in der damals traditionellen Ästhetik vermieden worden wäre, aber Kokoschka es so belassen und gemalt hat, weil es von seinem Standort aus (Hotel Savoyen) einfach so war. Ich kann mich aber nicht erinnern, was ich damals beim Anblick des Bildes (Dia) empfunden habe (empfinden im Kontext der Schule war nicht leicht!). Das alles tut heute nicht viel zur Sache – dieses Bild fasziniert mich ungeheuerlich und berührt mich gar sehr. Und ich versuche jetzt nicht, dies zum hundertsten Male zu beschreiben.


(15.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

4331 Gefaßtes Gemüt

 



10:35 a.m.  Die Angst am Morgen muß etwas mit dem zu tun haben, was auf mich zukommt. Ich habe es heute genau beobachtet: ich wache unbefangen und angstfrei auf, weiß noch nichts, denke noch nichts, für ein paar Sekunden bleibt es so, aber dann setzt mein Denken ein – ich denke an den kommenden Tag zum Beispiel – und die Angst sucht mich wie ein Flächenbrand heim mit seinem Ausgangspunkt und Zentrum in der Leibesmitte (dabei weiß ich heute, was ich vorhabe). Obwohl es die Angst vor dem ist, was mich erwartet, muß sie aus der Vergangenheit stammen, denn sie setzt erst ein, wenn Alltagsbewußtsein und Denkapparat hochgefahren sind. Aus den Träumen und dem dort Erlebten scheint sie nicht zu kommen (was ich auch als Möglichkeit erwogen habe; aber heute scheint das eben nicht der Fall zu sein). Es ist nackte Lebensangst. Vermutlich sowohl die Angst vor als auch um das Leben (erstere scheint in dieser Phase stärker zu sein). Näher komme ich nicht heran. Die Angst überfällt mich schlagartig in dem Moment, an dem ich mich erinnere, wer oder was ich bin. Wichtig ist, dass es aber im Aufwachen eine kurze, nur ein paar Sekunden lange Phase gibt, wo ich einfach nur existiere, ohne die ganze Last der verfestigten Vergangenheit, er unerträglichen Erinnerungen und der daraus gefilterten panischen Befürchtungen. Aus irgendeinem Warnsignal wegen irgendeiner rein körperlichen Fehlfunktion scheint sie nicht zu kommen, denn dann müßte sie gleich beim Aufwachen da sein, oder?

Ich hatte heute vor, gleich nach dem Aufwachen aufzustehen, zu frühstücken und in die Albertina zu wandern, aber diese Attacke und die damit einhergehende leichtere Übelkeit haben mich dazu gebracht, mich wieder ins Bett zu hocken, gut zuzudecken und abzuwarten, bis meine Seele ins Gleichgewicht gekommen ist, sich mein Geist beruhigt und mein Körper entspannt hat. Und obwohl mir mein innerer Ankläger – der ist eben auch schon in Betrieb – vorwerfen will, dass ich faul bin, weiß ich, dass es besser ist, erst mit gefaßtem (steht so in meinem alten Österreichischen Wörterbuch) Gemüt in die Welt hinaus zu gehen.


(15.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

Mittwoch, 14. Januar 2026

4330 Vermutungen

 



9:29 a.m.  Ich hab’ solche Angst! Keine Sorge, ich komme damit zurecht. Ich schreibe das her, weil ich sie begreifen will. Was ist das für eine Angst? Was will sie mir sagen? Wo kommt sie her? Auf den ersten Blick scheint sie mir aus dem Nichts zu kommen, was doch nicht sein kann. Ich wache auf, der neue Tag liegt unschuldig, frisch und unbeschrieben vor mir ausgebreitet und ich springe nicht fröhlich, neugierig auf die neuen Erfahrungen, die da warten, auf, sondern bekomme richtig Angst. Vor dem, was da auf mich zu kommt? Vor der Leere, weil ich noch keine Pläne und Vorgaben habe? Mir ist fast schlecht vor Angst. Sie sitzt anscheinend sehr tief. Es wird wohl etwas sehr altes sein, das sie aktiviert. Aber was löst die Angst hier und jetzt aus? Ich komme nicht näher heran. Der Eindruck, als säße sie im Gedärm. Ich will dahinterkommen, deshalb verharre ich ruhig, um sie nicht durch Aktivitäten zu verscheuchen. Ich will sie begreifen. "Konzentriere dich mehr auf die Angst als auf das Schreiben", sage ich mir. Kommt sie aus meiner Säuglingszeit, als ich unter einem Magenpförtnerkrampf litt und die Nahrung schwallartig rauskotzte? Sozusagen eine uralte Angst vorm Verhungern? (Medizinischer Name: Pylorospasmus. Tritt fast nur bei West- und Nordeuropäern auf (1:300), kaum in Asien, nicht in Afrika. Fünfmal so oft bei Buben als bei Mädchen, bevorzugt bei den erstgeborenen Söhnen; der Säugling ist unterernährt – Wikipedia) Klingt plausibel, aber ich spüre es nicht eindeutig. Und wenn ja, was triggert sie jetzt? (Ich muß mich ja auch fragen, ob meine Einfälle und Assoziationen dazu die Angst wirklich beschreiben und so näher bringen, oder ob sie sie eher verschleiern und verdecken.) Und wenn diese Pylorospasmus-Vermutung stimmt, was hat damals als Säugling diese Panik ausgelöst, dass mein Körperchen so reagiert hat und nicht entspannt Nahrung aufnehmen konnte? Nochmals: was löst heute diese morgendliche Panik aus? (Mit der ich schon zu Rande komme, keine Sorge!) Es muß ja auch heute einen Auslöser geben. Ich lege das Schreibzeug weg, schließe die Augen und versuche, nach innen zu spüren. Ich bekomme die Angst kaum noch zu fassen, aber ihr Zentrum scheint wirklich im Gedärm zu sitzen, etwas links von der Leibesmitte. Oder vermische ich dabei zwei völlig verschiedene Abläufe? Es bleibt so unklar. Ich komme auf keine stimmigen Einsichten und auf keine einleuchtenden Erkenntnisse. Ich habe die Angst mit meiner Schreiberei schon fast zur Gänze vertrieben. Schade eigentlich; ich hätte ihre Geschichte gerne kennengelernt.

Ich lege das Schreibzeug weg, drehe die Lampe ab und bleibe noch im Bett. Meine Gedanken wandern umher und bleiben bei der alten Unterernährung (der Arzt hatte meiner von ihm als hysterisch eingeschätzten Mutter die Schilderungen meiner Zustände nicht geglaubt, bis ich ihn ordentlich angekotzt habe. Wie lange das so unbehandelt geblieben ist, weiß ich nicht) hängen. Da wird mir bewußt, dass ich jetzt keinen Hunger habe, sondern beim Gedanken ans Frühstücksbreichen eher so etwas wie Ekel. Als ich jedoch später aufgestanden bin, als die Angst völlig abgeklungen war, habe ich den Brei mit Appetit gegessen. Ich habe immer noch nicht richtig verstanden. (Oder will es nicht zugeben - der innere Spötter.)


(14.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

4329 Verdammt kalt

 



2:11 a.m.  Es ist verdammt kalt im Zimmer (die Heizung ist – wie programmiert – seit 15 Uhr aus). Ich reagiere durchaus mit Unbehagen und Angst auf die Kälte. Die acht Jahre meines Lebens, wo ich mir im Winter nur ein Mal oder zwei Mal die Woche das Einheizen leisten konnte, stecken mir offensichtlich noch in den Knochen, obwohl das schon gut drei Jahrzehnte her ist. Meistens hatte es damals im Winter 12 Grad Celsius in meiner kaum isolierten Erdgeschosswohnung, an Eistagen ging es runter auf 8°C. Ich muß mir jetzt im Kopf regelrecht klarmachen und vorsagen, dass diese Zeiten vorbei und 18°C in der Nacht völlig normal sind. Warum lege ich mich nicht einfach ganz flach hin, ziehe die Decke bis zum Hals und versuche zu schlafen? So hocke ich da, fast reglos und warte auf … auf was? Auf bessere Zeiten? Die kommen nicht. Was ist los, Freundchen? Willst du irgendjemandem etwas beweisen? Das ist doch absurd! Komm, schlüpf’ unter die Deck’. Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder … wach! [Ja, das ist hald (sic!) so: ich werde nicht geweckt, sondern wache auf (wenn ich denn aufwachen werde!), auch wenn ich dabei den Text des Liedes abändern muß. Von Rhythmus und Sprachmelodie gefällt mir die Originalversion auch besser als meine miserable Variante, aber es entspricht der Wahrheit. Der Wahrheit!] (Es stimmt nicht. Glaubt nicht ungeprüft seinen Inszenierungen! Manchmal wecken ihn die meist lauten und fröhlichen, manchmal schreienden oder weinenden Stimmen der Tageskinder, wenn sie das Stiegenhaus heraufstapfen und in die untere Wohnung einkehren – der innere Spötter.)


(14.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

Dienstag, 13. Januar 2026

4328 Urschöne Melancholie

 



10:25 a.m.  Der sanfte Jazz schmilzt langsam und bedächtig aus den Boxen … das Frühstück ist da! Boah, ist das schnell gegangen! Bon appétit!

11:36 a.m.  Es ist ruhig im Lokal. Die jazzige Boxensängerin – keine Ahnung wer – singt so schön klagend. Zum Lichtengel sehe ich von meinem heutigen Platz aus nicht. Im vorderen Raum bin ich im Moment der einzige Gast. Die Lektüre ist beendet. Diese wunderbare, herrliche, urschöne Melancholie legt sich über die ganze Welt. Über meine ganze Welt. Ich will mit niemandem tauschen. Ich scheiß auf Erfolg und Reichtum! (Naja, genug Geld, um sich eine ÖBB-Jahreskarte zu kaufen und genug, um sich Ausflüge in diverse Orte leisten zu können und für drei, vier Tage in Hotels abzusteigen, das könnte er sich schon vorstellen, um an verschiedenen Orten und in unterschiedlichen Cafés die jeweilige Melancholie auszuprobieren. Wäre ja interessant, wissenschaftlich zu erforschen, wie sich die Schwermut in Sinabelkirchen, in Stinatz, St.Pölten - immerhin nach einem Ägypter benannt – in Schruns-Tschagguns (danke H. C. Artmann), Kennelbach, in Zirl, Kufstein/Rettenschoess, St. Gallen und Weißenbach an der Enns, in Feistritz/Bistrica an der Gail, in St.Peter – da gabat’s mehrere – anfühlt – der innere Spötter.) Jetzt sind wir zu dritt im vorderen Raum und ich habe den Zuwachs – vertieft auf mein Handy konzentriert – zunächst nicht bemerkt. Fever aus den Boxen. Fieber am Saum des Wahnsinns – nur so ein Satz, der mir gerade eingefallen ist; schaumamal, ob wir damit etwas anfangen können (zuerst hat er statt Saum: Horizont geschrieben – der innere Korrektor). (Er kommt sich so ernsthaft, integer und wahrhaftig vor, wenn er seine LeserInnen mit seinen Anmerkungen, Korrekturen, Kleinlichkeiten, und der Dekonstruktion seiner Texte sekkiert. Ständige Sabotage ist auch nicht witzig! Laßt ihm das nicht durchgehen! Protestiert! - der innere Spötter.)

11:58 a.m.  (Am Zenit seines Erfolges, seines Kaffeerausches und an dem des Tages – der innere Spötter) [Das mit dem ständigen Notieren der Uhrzeit ist auch so ein pseudowissenschaftlicher Fimmel und Unfug! Als wäre er sein eigener Feldforscher und Stimmungmeteorologe (gibt’s da auch eine menschengemachte Klimakatastrophe?) - der innere Spötter.]

Fever kommt nochmals aus den Boxen und elegant schnipsen sie sich durch die Welt des Funktionalen, der Leidenschaftslosigkeit und der Langeweile. (Mir ist nicht langweilig, aber nur weil ich diesen Pattzustand liebe.) Ich schaue ins Narrenkastl, bis mich irgendwelche Bewegungen in Raum und Zeit herauslocken. Ha, ha, ha! Die rote Kerze auf den drei Schemeln hat Arme bekommen. Zwar ist sie ohne Kopf, aber es hat sich der Wachsrand im warmen, weichen Zustand links und rechts so herabgebogen, dass es ausschaut, als hätte die kopflose Kerze zwei Arme, die sie ein wenig empört in die Hüften stemmt.

Finita la commedia.


(13.1.2026)


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Montag, 12. Januar 2026

4327 Sinnfinden

 



Auf Facebook wurde mir heute ein Posting von Arne Tempel über Depression vorgeschlagen, das mich wirklich interessiert hat. Es wird dabei unter der Überschrift „Echt leben mit Depression“ für ein Hörbuch geworben, das ich nicht kenne, aber das tut hier nichts zur Sache. In diesem Text wird zuerst einer der typischen Sprüche zitiert, wie sie ein Depressiver, eine Depressive oft zu hören bekommt, um zu zeigen, wie wenig hilfreich die sind: „Du musst nur einen Sinn im Leben finden!“ wird zitiert und dann kommt der Text, der die Sinnlosigkeit dieses Spruches aufdeckt. Ich zitiere Arne Tempel: „Sinn bei Depressionen finden ist wie Schätze zu suchen in einem brennenden Haus. Theoretisch sind sie da, praktisch bin ich zu sehr mit Überleben beschäftigt.“ (Betonung durch Fettdruck von Arne Tempel)


Das hat mich sofort angesprochen, denn genau das wurde mir zum Beispiel von meiner Schwester mit einem Franklzitat gewürzt gesagt. Und mit dem Verweis, wenn sogar Menschen im KZ einen Sinn finden können, so habe ich kein Recht, verzweifelt zu sein. Erstens: vom Sinnfinden im KZ können nur die Überlebenden berichten, die Toten können ihre Geschichte nicht erzählen; die Toten haben keine Stimme. Zweitens: warum soll nur ich mich mit den Menschen im KZ vergleichen, aber die mir meine Depression vorwerfen, vergleichen sich selbst nicht mit ihnen. Und - das ist jetzt geradezu gefährlich, das zu sagen und steht mir nicht zu: zum Überleben im KZ (oder Gulag etc) gehörte nicht nur Glück, sondern oft auch die Bereitschaft, zum Beispiel sich selbst von der Todesliste nehmen zu lassen und einen anderen draufzuschreiben, der anstatt meiner in den Tod geht (die Überlebensstrategien von diversen Gruppen der KZ-Häftlingsverwaltung, besonders die der Kommunisten). Alles verständlich! Aber Vorsicht damit, dies zu einem allgemeinen Prinzip zu machen!

Ich versuche es nochmals anders zu sagen: wenn jemand mit Depression oder ohne Selbstwertgefühl ins KZ (oder Gulag etc.) gekommen ist, hatte er/sie vermutlich wenig bis keine Überlebenschance. Mag schon sein, dass bei dem einen/der anderen der Schock eine seelische Verschiebung, die eine Umorientierung bewirken konnte, ausgelöst hat, aber der Normalfall – wenn man in diesem Zusammenhang überhaupt von „normal“ reden kann - wird das - so vermute ich - nicht gewesen sein. Bei den Überlebenden vermute ich eher, dass sie keine depressive Anlagen hatten und so auch keine von Depression verformte Abläufe im Gehirn, die ihnen ihre Wertlosigkeit täglich vorsagen, was natürlich nicht heißt, dass sie dort nicht völlig verzweifelt waren und dann lebenslang mit ihren Erfahrungen schwer zu kämpfen hatten. Wenn meine Vermutung jedoch stimmt, dann geben die Botschaften der nicht-depressiven Überlebenden für uns Depressive nicht allzuviel her, denn wir glauben ja tendenziell, was uns unserer fremdgesteuerter innerer Monolog vorspricht, nämlich dass uns Überleben nicht zusteht.


(12.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

4326 Quasselkasper

 



16:21.  Also, ich darf nicht mehr mit zwei Cappuccini intus in die Psychotherapie gehen! Schließlich habe ich einen Ruf als ernsthafter Mensch zu verlieren! Leute, ich habe da auf Coffein losgequasselt, wie der Quasselkasper aus Wasserburg. Mein Gott! Ob das die Frau Therapeutin aushält? (Ich schreib jetzt gar nicht her, was diese Aussage für hintergründige Implikationen hat! - der innere Spötter.) Jedenfalls würde ich das als schon manisch diagnostizieren; bloß euphorisch wäre mir zu schwach. Aber lustig war’s schon, so überdreht dahinzufahren. Ein kleiner Rest an Beherrschung war noch da, somit war ich nicht gänzlich tatü-tata. Früher, als ich Kaffee ganz selten konsumiert habe - ich war damals eine richtige Teetante – konnte ich bei der Einnahme nur einer Tasse Kaffee meine Umgebung vier Stunden lang (mindestens!) niederreden, ohne dass die richtig zu Wort gekommen sind oder gar mich einbremsen konnten. Ein Assoziationsrausch, wo meine Einfälle und „Erleuchtungen“ nur so aufgepoppt sind, eins nach dem andern, eine Lichterkette großartiger Ideen, Erkenntnisse und Witze. Heute war es gottseidank etwas bescheidener, aber ein wenig unheimlich ist es mir doch geworden. Noch dazu, wo sich bei Euphorie schon während derselben im Hintergrund ein schlechtes Gewissen aufbaut – das nur noch nicht gleich durchkommt – weil mir Fröhlichsein gar nicht zusteht, und schon gar nicht, so schamlos zu brillieren (wollen – der innere Spötter). „Ist ja gut“ sage ich zu mir, der ich jetzt zu Hause auf dem Bett hocke und schreibe und damit sichtlich herunterkomme (und dann wirst du wieder heruntergekommen sein? - der innere Spötter). „Ist ja gut, bring diesen Text zum Abschluß und dann tippselst du deine letzten fünf handgeschriebenen Texte ins Laptop, stellst sie auf die Schublade und fertig! Tagessoll erreicht!“

Übrigens: Ist hohe Coffeinempfänglichkeit nicht eines der Anzeichen für Hochsensibilität? Ich frage für einen Freund!


(12.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

4325 Eine optische Bestellung

 



13:00.  Die junge Frau steckt ihre Haare sehr gekonnt auf. Am Plafond im anderen Gastraum befindet sich die Weltkarte. Ein rhythmisches Geräusch, das ich nicht zuordnen kann – wie eines von einem der subtileren Perkussionsinstrumente. Der erste Schluck Kaffee, heiß, bitter, wie ich es beim zweiten Schluck dann richtig mag (bei der Kälte wäre auch Tee eine Option gewesen). Ein bißchen habe ich gewartet und den Pilotstift gewechselt, weil der rosane immer schwächer geschrieben hat, aber jetzt der herrliche zweite Schluck. Ich merke richtig, wie sich meine Seele entspannt und sich im Raum ausdehnen traut. Das Geräusch vermutlich von einem Handy. Wie konnte mir das nicht sofort klar sein! Laptop wäre auch eine Option; ein paar Leute arbeiten hier und scrollen und tippseln. Der hängende Garten innen an der Straßenfensterfront; wem er gehört, ist mir unbekannt. Semiramis wird es nicht sein (höchstens eine ganz kleine … - der innere Spötter). Ich mache mir Gedanken, wie die Pflanzen gegossen werden, denn vom Boden aus sind sie nicht erreichbar; nicht einmal, wenn jemand auf einem Tisch steht. Wieder eines der Welträtsel, das ich nicht entschlüsseln kann (immerhin keines der Weltwunder – der innere Spötter). Interessant auch: dort, wo ich in der Erinnerung eine Garderobe abgespeichert habe – und ich sehe es vor mir, wie ich dort die Walkingstecken und den Mantel aufgehängt habe – ist ein großer Spiegel und weit und breit kein Garderobenhaken. (Er wollte schon sein Wiener Lieblingswort schaasaugert anbringen, aber dann ist ihm aufgegangen, dass dieser Fehler mehr mit der Erinnerung als mit Wahrnehmung zu tun haben könnte. Oder ist jede Wahrnehmung schon Erinnerung? - der innere Spötter.) Uhrzeit? 13:21 (wegen dem Psychotherapietermin). Ein zweiter Cappuccino geht sich noch aus (dann werde ich in der Therapie wieder quasseln!). Der Quasselkasper aus Wasserburg fällt mir ein und ich muß innerlich kichern. Ich schaue mich wieder im Lokal um. Ach! Musikberieselung gibt es auch. Das könnte auch das rhythmische Geräusch gewesen sein (aber glaube ich nicht). Eine Person mit Kapuze am Kopf kommt herein. Dann eine alte Frau mit weinroter Mütze, deren lange, graue Haare, die vom Kragen ihrer Winterjacke nach vorne gedrückt werden, ich im ersten Moment für einen Vollbart gehalten habe. Außerdem zahlt sie und geht hinaus. Ihren Gang zur Kassa an der Bar habe ich falsch interpretiert. Wenn ich einen zweiten Cappuccino will, muß ich anzahn und den ersten jetzt austrinken. Done. Jetzt muß ich die angestrebte Bestellung anbringen, sonst geht sich’s nicht aus. Ich probiere eine optische Bestellung: hochheben der Tasse mit Blick auf einen Kellner; wenn nur einer in mein Blickfeld käme! Wurscht! Das kann meine LeserInnen nicht wirklich interessieren. Die optische Bestellung hat mit akustischer Unterstützung funktioniert. Ich will das eigentlich nicht preisgeben, aber ich betrachte die Rückseite der jungen Frau zwei Tische weiter. Der zweite Cappuccino ist da. Der erste heiße Schluck ein Genuss! Jetzt, wo ich das vorhin hergeschrieben habe, kann nicht mehr hinüber schauen. Bin ich froh! Ich nehme gleich hintereinander drei Schluck vom heißen Kaffee. Ich lege das Schreibzeug weg, nehme die Brille ab und lehne mich zurück an die Wand (um das aufzuschreiben, mußte der Arme diesen Vorgang wieder rückabwickeln – der innere Spötter). Dann nochmals die beschriebene procedure und ich blicke aus Verlegenheit auf den Plafond hier herinnen und stelle drei verschiedene Lampen mit drei unterschiedlichen Leuchtbirnen mit drei unterschiedlichen Lichtern fest. Sehr, sehr schön eigentlich (der Weigel Hans wird sich im Grab umdrehen – der innere Spötter). (Der Hans Weigel da oben wird das da gar nicht registrieren – der noch innenere Spötter.) Männele! Langsam isch zeit zum Aufbruch (isch mach disch kickbox!) (Du Assoziationsangeber! - der innere Spötter.) Muß ich vor der Therapie noch aufs Klo? Aber dann dalli! dalli!. Zuspätkommen ist nur Königen erlaubt. Weggedrückt! (Oida! Denk an deine LeserInnen – der innere Spötter.)


(12.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

4324 Obdachlosigkeit

 



8:03 a.m.  Ich bin früh aufgewacht und … ich finde das richtige Wort nicht. Der Zustand ist ja auch unklar. Das Licht, das sich beim Fenster an der (sic!) heruntergelassenen Rollo vorbei hereinschummelt und das dort eine schlanke Lichtsäule auf die Fensternische bildet, ist von unglaublicher Schönheit und hat einen ganz leicht türkisen Touch. Bin ich froh, dass ich hier wohnen darf und nicht in der in dieser Nacht wieder geträumten Kellerwohnung, die mehr wie eine Höhle ausschaut, ohne Fenster, eine Ratte ist auch durchspaziert, das ungute Gefühl und die unterdrückte Panik haben sich nach dem Aufwachen gehalten. Die Erleichterung, hier zu sein, und die noch vorhandene Panik aus dem Traum machen wohl diesen unklaren Zustand. Dabei erlebe ich im Traum diese Wohnung als Rettung vor der Obdachlosigkeit. Außerdem bin ich nun von verschlafener Munterkeit und kann mich nicht mehr flach hinlegen. Ich werde wohl im Hocken dösen.


(12.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

4323 Zeichnen und Kritzeln

 



1:56 a.m.  Das Zeichnen und Kritzeln hat meine Seele beruhigt. Ich atme durch und halte ein wenig an mich. Ein breites, dunkles Nebelband zieht sich von links unten nach rechts oben durch mein Gesichtsfeld. Als ich den Blick wieder aus dem Notizbuch hebe, kann ich es nicht mehr sehen. Wieder atme ich tief ein und erleichtert aus. Ich beginne, die Stille richtig zu genießen. Plötzlich reißt mich ein innerer aggressiver Anfall heraus und entführt meinen Geist in eine wütende Phantasie (wieder einmal muß er kämpfen und einen Angreifer niederschlagen, mit großer Wut – der innere Spötter). Dann ist das Ganze verpufft und ich komme langsam zur Ruhe. Ja, jetzt bin ich rechtschaffen müde, obwohl ich in der Außenwelt den ganzen Tag nichts Nennenswertes gemacht habe.


(12.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

4322 Irgendwie schlampig

 



9:37 a.m.  Es schneit, und gleich ist es in der Wohnung wärmer (der Schnee deckt die Dächer ab und ist noch flockig und wärmedämmend). Ein deplatzierter Hustenanfall (die Erkältung muß – auch nach neuer Rechtschreibung – vorbei sein!). Aber eine wunderbare Stille (der Schnee dämpft die Geräusche draußen. Die Schneeräumung ist noch nicht da) und ein anderes Licht. Nur ein Flugzeug (dessen Rauschen auch wie wattegedämmt wirken will und bald vorbei ist). Mein nächster Hustenanfall zerreißt die Stille. Mein Handy gibt ein dong! ab. Ich hocke voll kindlicher Erwartung im Bett und will nicht aufstehen. Das Licht am Fenster ist viel weißer als sonst und strahlt optimistischer. Ich erlaube meinen Augen, zuzufallen. Auch das Dröhnen in den Ohren ist heute gedämpfter und wirkt irgendwie schlampig.


(9.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

Donnerstag, 8. Januar 2026

4321 Kabaretteinlage

 



13:48.  Wenn ich – so wie jetzt – zwei Cappuccini intus habe und bei der Wanderung von meinem Lieblingslokal durch die Stadt heimwärts zum Beispiel in eine Drogerie gehe und einigermaßen gut aufgelegt bin, sollte ich aufpassen, dass mein Einkauf (Gesichtscreme gegen trockene Haut, Pflaster) nicht – so wie jetzt - zur Kabaretteinlage wird. Ich finde dort nichts, weil mir 99,99% aller Drogerie- und Parfumeriewaren völlig fremd sind und nichts, absolut nichts sagen; mein Verstand ist von den Namen und Bezeichnungen völlig überfordert und geschockt und kann in diesem Zustand nichts einzelnes wahrnehmen oder sehen. Ich renne dreimal an den Pflastern vorbei – das ist eine ganze Regalreihe voll - und sehe keine einzige Schachtel – und sieben Mal schleiche am Regal mit den Gesichtspflegeprodukten, das ich sogar als solches erkenne, entlang, aber finde keine schlichte Gesichtscreme, die ich suche. Letztlich muß ich fragen und da muß ich natürlich (letzteres unter Anführungszeichen; natürlich ist das freilich nicht) auf mich bezogen eines meiner Wienerischen Lieblingswörter, das ich gleich nach meiner Migration nach Wien vor fast 50 Jahren kennengelernt habe, nämlich schaasaugert, anbringen und komme mir dabei recht witzig vor. Ich merke schon, dass das nicht gut ankommt und die Verkäuferin – dem Akzent nach tirolerischem Migrationshintergrunds – irritiert (solche Schmähs kennt man in Tirol nicht und will sie auch nicht kennen. Dort leben sicherlich lauter ernsthafte Leute und vor allem sind sie stolze Gebirgler!). Schon beim Eintreten ins Geschäft mit der von mir laut kommentierten Ablage meiner Walkingstecken (eigentlich hat er die Verkäuferin in verschämt-scherzhaftem Ton gefragt, ob er die Stöcke im Schirmständer abstellen kann – der innere Korrektor) hat die Szenerie eine starke Neigung ins Kabaretthafte bekommen, und erst recht bei meinen laut gemurmelten Selbstgesprächen bei der Produktsuche. Und wenn ich genau auf meine Seele hinschaue und gründlich darüber nachdenke, so habe ich schon beim Eintreten ins Geschäftslokal als Paria (dass ich das bin, redet mir schon mein Leben lang mein sozialisationsverseuchtes Gehirn ein. Andererseits: es gibt solche Kasten, auch in zivilisatorischer Verkleidung, und solche sozialen Platzzuweisungen), habe ich also als Paria beim Eintreten ordentlichen Stress und Unsicherheit - eigentlich gehöre ich nicht hierher, eigentlich ist das alles hier zu fein für mich vulgärem Loser, eigentlich darf ich als Paria keine souveränen Geschäfte abwickeln, etcetera, etcetera, etcetera – was zu Überschlagshandlungen geneigt und disponiert macht. Gut, vielleicht war’s eh ein bisschen lustig, nur werde ich wohl als alter Schrulli abgespeichert werden - denke ich. Auch schon egal.


(8.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

4320 Naja

 



11:41 a.m.  Ich wollte beim Hergehen etwas schreiben und habe es vergessen. Immerhin bin ich dieser Angst am Morgen ausgekommen und habe es in mein Lieblingscafé geschafft. So, jetzt ist eine Zeitung frei. Pause.

Ende der Pause. Ich grinse bei einer zusammenphantasierten Szene still in mich hinein mit – wie ich glaube – leichten Spuren davon im Gesicht. Eine Fliege belästigt mich schon seit zwanzig Minuten, indem sie meinen Kopf umkreist und sich immer wieder auf Gesicht und Ohren setzt. Auf der Hand stört sie mich nicht. Die große rote Kerze auf den drei Sockeln brennt heute nicht. Mein Lichtengel in der Nische. Schöne Musik. Happy 2026 mit einem Spiralschnörksel steht mit Kreide auf der Wandtafel. Was wollte ich aufschreiben? Es fällt mir immer noch nicht ein. Vielleicht ist diese Idee verloren wie alle die beruflichen Pläne meines Lebens, meine alten Texte, meine frühen Bilder, meine Hoffnungen und viele andere Schreibideen und nicht erhaltenen Resonanzen. Ist diese Drahtfigur dort in der Ecke – ich blicke von hier nicht frontal, sondern bloß extrem von der Seite drauf – ein iberischer Reiter auf einem Esel? Die Fliege kommt wieder, belästigt aber nur mein Notizbuch. Jetzt putzt sie sich sichtlich sorgfältig am Knöchel meines linken Zeigefingers. Der "iberische Reiter" entpuppt sich – ich bin hingegangen – als elegante Fünfzigerjahredame mit Hut an einem Fünfzigerjahre-Kaffeehaustischchen – alles aus Draht - mit – ich bin nochmals hingegangen – geschminkten Lippen – alles aus Draht - einer Flasche Wein am Tisch und ein Glas in der rechten Hand, das sie gerade hochhebt. Und – ich bin ein drittes Mal hingegangen – der Kellnerin ist es schon aufgefallen – sie trägt auch eine Sonnenbrille – aus Draht und Blech (photographisches Gedächtnis hat er nicht; zu viele eigengedünkelte Filter verstellen die Wahrnehmung und behindern die Erinnerung – der innere Spötter). Die junge, reale Dame am Nebentisch schreibt direkt in das Laptop. Ich bastle mir in meinem inneren Dialog (der eigentlich ein vor allem aus dem frühkindlichen Dialog entwickelter Monolog ist) ein Argument, eine Rechtfertigung für meine Handarbeit so etwa mit die Weisheit der Hand zurecht, ohne dass ich sie wirklich überzeugend finde. Ich bewundere und beneide selbstbewußte Menschen, die offensichtlich aufrecht durch die Welt gehen. Mit meinem dreimaligen Besuch der Ecke der Drahtfigur habe ich im Lokal schon ein wenig Aufmerksamkeit requiriert, ein Mann ein paar Tische weiter beobachtet mich. Das darf er. Solange es mich ein wenig geheimnisvoll macht, genieße ich das (hier fürchte ich keine Attacken des Pöbels. Darum bin ich so gerne hier). Ich schaue den Lichtengel an und mir kommen die Tränen. Sofort beuge ich mein Gesicht über das Notizbuch und gewinne schreibend (objektivierend, distanzierend, formulierend) wieder meine verdammte Fassung. Flügeln aus Licht.

Meine Schublade im Internet (www.dieschublade.blogspot.co.at) ist übrigens ein Trick, mit dem ich mich selbst überliste: wegen Schublade kann ich mir einreden, dass ich meine angezweifelten Texte bloß in meine – realiter nicht vorhandenen – Schublade am Schreibtisch – wie es sich für einen Paria gehört – zum Vergessen ablege, aber „unabsichtlich“ – also mit vergessener Absicht – veröffentliche ich sie doch und schicke sie in die Weite des Universums hinaus; auch wenn sie dort verloren gehen sollten, sind sie in der Welt. (Naja! Das gälte auch für das Papier in einer Schublade – der innere Spötter.)


(8.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

4319 Die billige Armbanduhr

 



2:06 a.m.  In den Zehen ist mir noch ein wenig kalt und wahrscheinlich muß ich bald nochmals aufstehen und pinkeln gehen. Die Stille im Zimmer ist perfekt. So perfekt, dass sie in den Ohren dröhnt. Der schwarze Holzrabe mit dem fälschlicherweise gelben Schnabel (für Kinder hald (sic!), von denen man glaubt, dass sie es bunt haben wollen) vor der gelben Jalousie hat eine schwach-gelbe Aura und bewegt sich, ohne sich zu bewegen. Ich hatte vorhin Musik gehört (John Frusciante; Niandra LaDes and Usually Just A T-shirt) und den Schmerz in mir wiedererkannt und gespürt. Jetzt spüre ich noch ein wenig davon, aber vor allem die Müdigkeit. Nicht nur die Müdigkeit dieses Tages. Ich verharre ziemlich regungslos. Meine ziemlich neue, billige Uhr leuchtet kurz auf. Meine Hände schauen wirklich alt aus; meine abgestandenen Gedanken sind es.


(8.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

4318 Die vernebelte Sonne

 



8:32 a.m.   Angst war es, die mein Aufwachen begleitet hat, aber jetzt nach dem Schneuzen fühle ich mich etwas realistischer. Das trockene Grau des kalten Wintermorgens kommt beim Fenster herein, weil ich das Rollo schon hochgezogen habe. An meinen Zähnen kleben noch Reste von Haferflocken. Hafer, der angeblich sticht. Der schwarze Holzrabe am Fenster schaukelt hin und her. Der regelmäßige Hubschrauber dröhnt über dem Lichtschacht vorbei. Die Stille danach: beklommen. Was ist mit meiner Seele los? Nichts Neues unter der vernebelten Sonne.


(7.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

Montag, 5. Januar 2026

4317 An die Wand gelehnt

 



12:33.  Also: vorm Weggehen habe ich mir das Stuhlprobenbrieflein (Hemdetect) (also: so genau werden das deine Leserinnen gar nicht wissen wollen! - der innere Zensor) (Just erst recht! Just erst recht! - der Autor) eingesteckt und versucht, mir den Medikamentennamen Atorvastatin einzuprägen, indem ich ihn mir minutenlang vorgesagt habe, um in der Ordination dann ersteres abzugeben und letzteres zu ordern. Das war schnell und schmerzlos erledigt und so bin ich weiter über den Donaukanal (Rossauerbrücke) und die Freud’sche Berggasse hinauf gewandert, ins Weltcafe, wo ich einen Cappuccino trinke und die Zeit bis zum Beginn meiner Psychotherapie verbringe. In meinem Notizbuch schreibe ich schon auf dem letzten Blatt und draußen hat es -4° Celsius. Soll ich eine Kleinigkeit essen? Toast oder so? Den Luxus kann ich mir im Moment locker leisten. Ich werde die Karte durch schauen. Ja, mache ich: Schinken-Käse-Toast (A, N, G) (Was immer das heißt; ich bin zu faul (?) um nachzuschauen.) (Er hat nämlich ein schlechtes Gewissen, weil er von der Speisekarte abschreibt. Was werden die Leute denken, wenn sie das sehen? Also hat er es aus Skrupel nicht mehr geschafft, „A, N, G“ auszulesen – der innere Spötter.) Ja, das Ganze ist ein labiles Gleichgewicht, wenn es überhaupt ein Gleichgewicht ist. Ich zögere doch, ob ich mir wirklich einen Toast bestellen soll (soll ist die falsche Frage; will wäre richtiger – der innere Spötter). Notwendig wäre es nicht, ich hungere nicht, ich hätte nur Appetit. Eine große, schlanke Frau stakst mit hohen Stiefeln laut auftretend herein, dass es nur so klackst. Sogleich komme ich mir als fetter, schmieriger Wicht vor. Als alt sowieso. Ich sollte hier nichts essen, sondern brav zu Hause. (Er schwindelt schon wieder: das alt ist ihm erst fünf Minuten später eingefallen. Erst nach als Wicht vor - der innere Spötter.)

Schinken-Käse-Toast bestellt! Whow! Ich trau mich was! Bei der Bestellung klinge ich – soweit ich das selbst wahrnehmen kann – durchaus souverän mit leichtem Anklang ins Arrogante. (Die Stiefeldame hat Kamillentee bestellt.) Es ist voller geworden im Lokal. (Der innere Zensor meldet sich und tut so herum, weil mit solchen mißverständlichen Beobachtungen und der Beschreibung der Stiefeldame kann er, der Schreiberling, sich unbeliebt machen; vor allem, wenn es seine Frau liest. Aber letztlich streicht er nichts, entweder weil er es für übertrieben fände, oder weil er zu faul und zu lasch ist.)

Jetzt warte ich auf den Toast, der nicht daherkommt (es ist inzwischen viel los hier). Übrigens schreibe ich schon auf dem hinteren Deckblatt meines Notizbuches. Ich photographiere alle drei Seiten der Frühstückskarte. Für meine Frau. Wegen morgen (eventuell). Was wird heute in der Psychotherpie das Thema sein? Vermutlich meine inneren und außen höchstens verbalen Wutanfälle gegen meine Lebensgeschichte, mein Leben, meine gesellschaftliche Platzzuweisung, meine Sozialisation, meine inneren Filme (immer das gleiche Gejammer), meine soziale Lage und gegen meine Frau, die wirklich nichts dafür kann (Zensor! Darf ich das herschreiben? - Er reagiert nicht, der Luschi! Mir wäre es lieber, du würdest das unterbinden! So viel privat gehört sich nicht und ist nicht erlaubt!)

Okay. Gesättigt und zurückgelehnt, nicht unwohl, lehne ich gegen die Wand gelehnt und schlürfe langsam den zweiten Cappuccino (Er liebt patscherte Formulierungen und endlose Anmerkungen und Anmerkungen zu Anmerkungen – der innere Spötter).


(5.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

4316 Lange und viel

 



0:53 a.m.  Ich bin lange und viel am Laptop gesessen, habe herumgesurft, einiges zu den politischen Entwicklungen gelesen (und geteilt), Krimis geschaut, ein paar Kabarettsketches, Majong-Festung und Solitaire gespielt – und dabei Musik gehört (Aldous-Harding-CD Party über Kopfhörer; dieses Album ist so wunderbare Musik!), dann das Ganze heruntergefahren und zugeklappt, bin ins Bad, nachdem ich zum Lüften mein Zimmerfenster geöffnet, und beim Zurückkommen das Fenster wieder geschlossen habe, hocke ich nun im Bett, warm unter der Decke, und fahre meinen inneren Denk- und Schreibapparat hoch. Da kann es immer vorkommen, dass – nachdem ich mich den ganzen Tag über famos abgelenkt hatte – mein depressives Grundwasser mit hochsteigt, vor allem, wenn ich ins Grübeln gerate und das passiert mir sehr leicht. Über mein Leben nachzudenken wird für mich gefährlich. Allerdings will ich mein Leben, und wie es so gekommen ist, verstehen. Deshalb werde ich immer wieder darüber nachdenken und meistens werfen mich meine täglichen Lebenserfahrungen soundso darauf zurück. Heute jedoch scheine ich über den Berg gekommen zu sein, indem ich so lange am Laptop wach geblieben und mich abgelenkt habe, bis ich zum Grübeln zu müde geworden bin. Und wenn es sich dann beim Einschlafen bereits mit Traumsequenzen vermischt, ist es wieder etwas Anderes.


(5.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

Freitag, 2. Januar 2026

4315 Ausflug ins bessere Ich

 



11:59 a.m.  Der Zenit des Tages ist erreicht und ich sitze noch beim Kaffee. In meinem Lieblingslokal. Eine rote Kerze mit gelber Flamme brennt ruhig – und wenn sie sich bewegt, dann nur sachte – vor der hellblauen Wand gegenüber, zwischen dem Spiegel mit dem goldenen Gitter und der Tafel für mit Kreide angeschriebene Angebote – momentan leer – auf einem kleinen hockerartigen Ding, das aus binsenartigem Material zu sein scheint, das auf einem kleinen Holztischchen, schwarz, eher wie ein Schemel, steht, das seinerseits am linken Rand eines Wandbords ruht, das an seinem rechten Rand eine schöne Lampe stehen hat. Rechts davon, in der Fensternische, mein Lichtengel (für die, die davon noch nie gelesen haben – und das sind viele – erkläre ich es nocheinmal: eine schöne – wie übrigens alle Gegenstände hier schön sind, soweit das technisch geht – eine schöne Wandlampe also mit zwei Glühbirnen, die so zirka im 30-Grad-Winkel voneinander in jeweils andere Richtungen leuchten und Metalllampenschirme mit vielen ausgestanzen runden Löchern haben, und somit Lichtstrahlbündel aussenden, die von Schattenstreifen unterbrochen sind, wodurch ein Muster entsteht, das einer Darstellung von Flügeln sehr nahe kommt, noch dazu, wo durch die Stellung der Lampen und der Form der Schirme die „Lichtflügel“ in einem weiten Bogen nach oben drehen wie bei ausgebreiteten Flügeln zum Beispiel eines aufrecht stehenden und nach vorne zu mir her blickenden Engels).

Irgendwie fetzt’s heute noch nicht. Wahrscheinlich brauche ich einen zweiten Cappuccino. Außerdem füllt sich das Lokal. Ich erinnere mich an die Platanen draußen vor der Tür und werfe einen kurzen Blick hinaus auf den Stamm mit den schönen Rinden der einen Platane und auf die vertrockneten, ja, hässlichen Blätter (ich schreibe das ungern her) – vertrocknetes Grün und absterbendes Braun, als könnten sich die Blätter nicht entscheiden, ob sie sterben oder weiterleben wollen (ich versteh schon! Die Platane weiß, was sie tut, und hat ihre Gründe für ihr Vorgehen, für ihr Winterprogramm, von dem ich keine Ahnung habe). Zwei Gäste setzen sich an den Nebentisch, legen ihr Gewand ab, dann packen sie alles zusammen und gehen in den hinteren Raum, der – keine Ahnung, warum – SchaumRaum heißt. Mein Eigendünkel will diesen Platzwechsel unbedingt mit mir in Verbindung bringen und so frag ich mich, ob ich beim Zunicken irgendetwas falsch gemacht habe, oder so grauslich ausschaue, oder ob ich stinke (ja, der Eigendünkel ist ein Hund! Manchmal kommt er so, manchmal so). Ein Mann am „Solipsistentisch“ – das ist der im Schatten der Bar an ihrer Krümmung – liest ein Buch. Vom Layout her tät ich sagen: Verlag DTV. Für Genaueres sitzt er zu weit weg (beim Zahlen dann recherchiert: Das Foucaultsche Pendel).

Meine Schritteapp schreibt mir: „Du erschaffst ein besseres Ich! Hör nicht auf, weiterzugehen!“ Ich hatte zunächst gelesen: „ein besseres Licht“ – was mir eindeutig besser gefiele. Durch Gehen ein besseres Licht erzeugen! Wunderbar! (Das mit den Rufzeichen ist auch so eine Sache! - aber dazu vielleicht ein andermal!) Es wird voll hier. Ich bekomme schon das unvermeidliche Schuldgefühl, weil ich nicht speise, sondern bloß Kaffee konsumiere (wiewohl ich nicht der einzige bin, der nur Kaffee trinkt). Ein Hund bellt. Soll ich ausnahmsweise das zweite Schnittenstück, das zum Kaffee serviert wird, essen? Der überzuckerte scharfe Nachgeschmack ist nicht gut. Ich lasse es. Es kommen noch mehr Leute herein, die vergeblich einen Platz suchen. Ich beginne, fanatischer und schneller zu schreiben. Ich bin nicht er Einzige, der bloß Kaffee trinkt, aber bin ich der Einzige mit Schuldgefühlen? Das würde mich wirklich interessieren. Eine Fliege trinkt von meinem Kaffee respektive schlabbert Kaffeeschaum vom Rand der Tasse; genau dort, wo ich meine Lippen ansetze. Automatisch verjage ich sie ohne nachzudenken. Der innere Stress wird unerträglich. Ich werde schnell austrinken und abhauen. Mein Zeichenzeug habe ich ganz umsonst mitgenommen. Nachdem ich vom Platz aufgestanden bin, mache ich noch das ältere Paar, das da herumsteht, auf den freigewordenen Platz aufmerksam.


13:11.  Ich erhole mich bei Barbara Kapustas Giants und ihrem schönen Video in der Nebenkammer, das mich fast immer zum Heulen bringen will mit seinen metallenen Objekten, die sich berühren, zerstören und … ja, was eigentlich? Diese Leere des Gegenständlichen, das Bewegen und Zittern und Zerfließen und Zerspringen des an sich toten Materials. Dazu diese verhallte, singsangende Stimme (wo ich kein Wort verstehe, weil Englisch) und die elektronische, sphärenanklingende Begleitmusik. Es wirkt fast lebendig, ist es aber nicht. Es wirkt fast, als hätten diese Gegenstände Gefühle, Absichten, Gedanken, haben sie aber nicht. Es ist so traurig! Irgendwie scheint sich da meine Traurigkeit wiederzuerkennen. Das Wort toxic im Sprechgesang verstehe ich. So deep. Pieces. Parts. Effection. My body next to your body. So much sense. Seems so. (Alles ohne Gewähr!) Ich gehe wieder hinaus zu den Giants, die da am Boden herumstehen und liegen, und zur ornamentisierten, unleserlich gewordenen Schrift. Eine Familie mit zwei Kindern kommt herein. Der kleinere Bub im Buggy – wohl noch ein Baby – ruft immer wieder Äh! - scharf und pointiert. Das etwas größere Mädchen krabbelt aus seinem Buggy, geht um die Giants herum und legt sich dann wie der liegende Giant auf den Boden, dreht sich auf den Rücken und versucht anscheinend, dessen Haltung nachzustellen. Mir aber kommen vor Rührung echt die Tränen (haben wir nicht alle versucht, die Haltungen der „Riesen“ nachzuspielen? Diese hier sind aber nicht lebendig, sondern tot und kalt). Bevor ich richtig losheule, fahre ich mit dem Lift in den 4. Stock, steige die Stiegen in den 5. hinauf und gehe aufs Klo. Nachher richte ich mir meinen Gürtel – übrigens mit einer Schnalle, die mit dem österreichischen Bundesadler geschmückt ist – und gehe in den 4. Stock hinunter und setze mich – wie schon oft – vor Giacomettis Femme debout III in gehörigem Abstand. Eigentlich bin ich jetzt fertig und könnte nach Hause. Gehen? Fahren? Ich weiß noch nicht. An und für sich pausiert mein Gehprogramm. Ich nehme noch meine Zeichensachen heraus und kritzle ein wenig herum.


(2.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

4314 Lamentatio interrupta

 



18:08.  Mein Gott! Mein Knie ist endgültig hin – behaupten die Ärzte – und meine Verdauung schwächelt auch. Die Herzklappe soll sich nicht ganz schließen und meine Wollsocken habe ich verwaschen und gehen nun schwer über die Fersen. Beim billigen Kreuzworträtsel ist mir das Wort Marmor nicht eingefallen, obwohl ich genau wußte, was ich meine, und das Bild einer mit Marmor verkleideten Wand vor mir hatte. Europa wird von Putin und Trump bedroht, alles wird teurer und meine drei MP3-Player sind kaputt oder verloren. Mein Plattenspieler spinnt und so tut auch mein CD-Player. Der Kassettenrekorder ist überhaupt kaputt – ich bekomme die Kassette schon seit Jahren nicht heraus und kann deswegen auch nicht auf Radio (Ö1) umschalten. Meine Psychotherapie scheint nicht mehr teilrefundiert zu werden – seit zwei Monaten habe ich kein Geld mehr bekommen – und falls die genehmigte Frist abgelaufen sein sollte und ich das nicht mitbekommen habe: zu diesem arroganten Psychiater, der mich für die Fristverlängerung begutachten soll, gehe ich nicht mehr (man soll keine Häuser betreten, wo man nicht anständig behandelt wird. Ich würde sowieso nicht erlauben, dass bloß medizinisch ausgebildete Psychiater Patienten behandeln oder begutachten, wenn sie nicht selbst eine ordentliche, handfeste, valide Psychotherapie oder Analyse durchlaufen und in ihre Abgründe geschaut haben. Ich meine eine Therapie, wo ihnen die Trümmer ihrer Selbstgewissheiten nur so um die Ohren fliegen. Siehe Typen wie Skrinzi oder Heinrich - mir graut vor dir - Gross). Mein Laptop ist jetzt – wie es scheint – endgültig eingegangen. Der Boiler im Bad ist nicht groß genug, dass ich die alte, tiefe Badewanne bis oben mit heißem Wasser füllen kann; entweder liege ich nur zur Hälfte unter Wasser oder das Wasser ist nicht richtig warm. So! Wer unterbricht, wie ich es im Titel versprochen habe, diese Jammerei? Niemand. Was ist mit dir, innerer Spötter? Wenn man dich braucht, kneifst du! Macht es dir Spaß, mich ins Unrecht schreiben zu lassen? Ahja, der Geschirrspüler hat auch seine Macken (er pfeift gerade aus der Küche herauf, dass er mit dem Geschirr fertig ist, wobei meistens einige Stücke nicht sauber geworden sind).

Ich bin schon der Aufzählerei etwas müde. Ahja, ein Drittel meiner Schuhe ist nicht mehr wasserdicht; bei einem Paar sind überhaupt die Sohlen gebrochen. Gut, das ist jetzt wurscht, weil ich im Winter die Winterstiefel trage und die sind dicht und warm (wie lange noch?). Mein Laptop ist vermutlich eingegangen, weil es die REM-Buch-Datei nicht verkraftet hat, als ich zur Korrektur meines Beitrags das ganze Buch in Druckfassung heruntergeladen hatte. Gut und Gottseidank erst, als ich die Arbeit schon beendet und die E-Mail mit den Korrekturen schon abgeschickt hatte. Auf dieses REM-Buch könnt ihr euch und die ganze Welt sich freuen; es soll im Frühjahr herauskommen. Mein Handy wird auch immer unübersichtlicher und meine Schrittzählapp, mit der ich mich gut ausgekannt hatte, ist spurlos verschwunden. Meine Erkältung, die mich acht Wochen sekkiert hat, scheint jetzt wirklich abzuklingen, aber so hat es in dieser Erkältungslegilaturperiode schon dreimal ausgesehen und der Husten ist doch wieder zurückgekommen. Naja, die Lamentatio ist nicht wirklich unterbrochen, aber mir geht die Luft aus.


(1.1.2026)


1:41 a.m.  So! Wie soll ich das jetzt erzählen? Was das Laptop betrifft hat sich herausgestellt, dass das Kabel – ich erspare mir die Details – unterbrochen war und das Laptop deshalb nicht mehr angesprungen ist. Ich schwöre, dass ich den Titel Lamentatio interrupta – ich kann kein Latein; keine Ahnung, ob das so stimmt; es ist nur ein Angebereiversuch – und den obigen Text vor der Entdeckung dieses Fehlers geschrieben habe. Ich glaubte also, kein Internet mehr zur Verfügung zu haben und habe in meiner Verzweiflung wegen des Social-media-Entzugs schon zu zeichnen begonnen und versucht, Musik, ohne dabei am Laptop Solitaire oder Majongg Festung zu spielen, anzuhören. Ich war unglaublich froh, dass ich die Kabelunterbrechung bemerkt habe, und habe mir sogleich zwei Stunden (zirka; ich habe die Zeit nicht gestoppt) Ingo Appelt reingezogen. So schaut’s aus!


(2.1.2026)
 

©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com