Donnerstag, 29. Januar 2026

4344 Angst und Zorn

 



6:26 a.m.  Um knapp vor 5 Uhr bin ich aufgewacht und kann nicht mehr einschlafen. Der Grund: ich grüble, wie ich den Termin mit dem Psychiater XY überstehen soll. Um die Kosten für meine Psychotherapie wenigstens zum Teil von der kranken Gesundheitskasse refundiert zu bekommen (ich weiß von Leuten mit gutem vierstelligem Einkommen, die ihre Psychotherapie zur Gänze und anstandslos von der ÖGK bezahlt bekommen), muß ich mich von diesem fragwürdigen Psychiater begutachten lassen. Beim letzten Mal bin ich mit dem Gefühl hinausgegangen, arschgefickt worden zu sein (Ficken verwende ich nur für gewaltsamen Geschlechtsverkehr, weil nach dem Anlauf nehmendem f das i im ck auf Widerstand stößt und gewaltsam penetrieren will. Für einvernehmlichen Geschlechtsverkehr verwende ich meistens das schöne Wort vögeln. Warum ficken – das Wort stößt mich immer ab – in Deutschland die gebräuchliche Bezeichnung für Geschlechtsverkehr zu sein scheint, weiß ich nicht. Ich vermute aber, dass sich das sexuelle Bedürfnis erst gegen den jeweils inneren protestantisch geprägten Puritanismus mit seinem Sündenvorwurf durchsetzen muß, was aggressiv macht). Offensichtlich hat der ungute Mann - der selber gar keine Kassenpatienten annimmt -  von der kranken Gesundheitskasse den Auftrag, möglichst viele abzuweisen, um die Kosten zu senken (hier! Nicht in den oberen Etagen). Und dann sitzt du da und sollst dem Schnösel deine Depression erklären, wobei der dir unterstellt, dass du die nur vorgibst. Glaubt irgendjemand im Ernst, einer fängt eine Psychotherapie an – noch weit verbreitet mit Unterstellungen von Verrücktsein belastet – mit dem Zweck, den Staat zu betrügen? So à la: super! Ich zahle so und so viel für eine dann unnötige Therapiestunde und reibe mir die Hände, weil ich einen Teil der unnötigen Kosten zurückbekomme? Whow! Das habe ich aber geschickt eingefädelt!? Dass ich mir die Kosten für eine Therapie kaum leisten kann, kann man einfach an der Höhe meiner Pension ablesen (dafür braucht es keinen sicherlich gut bezahlten Psychiater, da genügt einer, der lesen und schreiben kann und ein wenig rechnen). Und was die Überprüfung meines psychischen Zustandes betrifft (um zu verhindern, dass ich eine psychische Krankheit vortäusche, um den Staat respektive die kranke ÖGK dazu zu bringen, eine Teil meiner Kosten für die ungerechtfertigte Therapie zurück zu bekommen?), was also die Überprüfung meines psychischen Zustandes betrifft, warum informiert er sich nicht bei meiner Therapeutin? Die könnte das besser und fachlich präziser erklären. Nein, das Ganze ist ein reines Unterwerfungsritual und ich kotze mich fast an davor, dort hinzugehen. Es geht dabei doch nur darum, dass ich meinen Arsch hinhalten muß und der arrogante Schnösel dann mit mir machen kann, was er will. Ich grüble, ob ich mir das antun soll (der „Gewinn“ aus meiner Prostitution wäre wirklich nicht sehr hoch und erbärmlich! Das rechnet sich nicht!), oder ob ich auf die Teilrückvergütung verzichten soll. Eigentlich habe ich mir geschworen, aus Selbstschutz dort niemals mehr hinzugehen, diese ordinäre Ordination niemals mehr zu betreten. Aber das hieße wohl, auf die Therapie zu verzichten, die ich so dringend brauche, um endlich aus meiner lebenslangen inneren Gefangenschaft rauszukommen oder wenigstens ihren Mechanismus zu verstehen. Ich bin ein Mensch in Not.

Und noch etwas: wenn der irgendwas von „die Komfortzone verlassen“ faselt, gehe ich ihm an die Gurgel!

Wenn ich hingehe, wird es natürlich ganz anders ablaufen. Meine ganzen inneren Vorbereitungen, alles was ich mir an Verteidigung ausgedacht habe, all die Vorsätze, mich nicht unterkriegen zu lassen, werden – von den tausend durchdachten Varianten und vorgestellten Gesprächssituationen abgegriffen und schal geworden – gleich nach dem Eintritt in die Ordination in sich zusammenbrechen. Schon allein deshalb, weil ich mich im realen Leben nie wehren und (m)einen Platz behaupten konnte und weil ich mich immer einschüchtern lasse. Aber auch, weil der feine Herr Doktor seinen Angriff (Niederschlagung von Anträgen) von einer ganz anderen, unerwarteten Seite starten wird und ich völlig überrumpelt sein werde. Ich werde keine Strategie mehr haben und verwirrt sein, unter seiner neoliberalen Selbstverständlichkeit (letztens: „die Gesundheitskasse will nur in die Wiederherstellung der Arbeitskraft investieren, wofür soll sie Sie noch unterstützen?“ Also übersetzt: „du bist es nicht wert, dass dir geholfen wird!“) (man kann schon einen solchen Standpunkt vertreten, aber dann konsequent und überall: keine medizinische Versorgung im Alter, am besten Euthanasie für unproduktive und lebensunwerte Menschen, und das sollen die Vertreter solcher Ideen dann auch offen aussprechen) (wobei das „unproduktiv“ bei mir gar nicht stimmen würde, weil ich immerhin bei Text Nummer 4344 bin und darinnen der eine oder andere Gedanke, die eine oder andere Erkenntnis steht, die geeignet ist, die Welt ein kleines Stück weiterzubringen), ich werde also unter all dem zusammenbrechen und hinausgehen und das letzte Lackerl an Selbstachtung und persönlicher Würde verloren haben. Amen. Nein, verdammt!


(29.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

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