4321 Kabaretteinlage
13:48. Wenn ich – so wie jetzt – zwei Cappuccini intus habe und bei der Wanderung von meinem Lieblingslokal durch die Stadt heimwärts zum Beispiel in eine Drogerie gehe und einigermaßen gut aufgelegt bin, sollte ich aufpassen, dass mein Einkauf (Gesichtscreme gegen trockene Haut, Pflaster) nicht – so wie jetzt - zur Kabaretteinlage wird. Ich finde dort nichts, weil mir 99,99% aller Drogerie- und Parfumeriewaren völlig fremd sind und nichts, absolut nichts sagen; mein Verstand ist von den Namen und Bezeichnungen völlig überfordert und geschockt und kann in diesem Zustand nichts einzelnes wahrnehmen oder sehen. Ich renne dreimal an den Pflastern vorbei – das ist eine ganze Regalreihe voll - und sehe keine einzige Schachtel – und sieben Mal schleiche am Regal mit den Gesichtspflegeprodukten, das ich sogar als solches erkenne, entlang, aber finde keine schlichte Gesichtscreme, die ich suche. Letztlich muß ich fragen und da muß ich natürlich (letzteres unter Anführungszeichen; natürlich ist das freilich nicht) auf mich bezogen eines meiner Wienerischen Lieblingswörter, das ich gleich nach meiner Migration nach Wien vor fast 50 Jahren kennengelernt habe, nämlich schaasaugert, anbringen und komme mir dabei recht witzig vor. Ich merke schon, dass das nicht gut ankommt und die Verkäuferin – dem Akzent nach tirolerischem Migrationshintergrunds – irritiert (solche Schmähs kennt man in Tirol nicht und will sie auch nicht kennen. Dort leben sicherlich lauter ernsthafte Leute und vor allem sind sie stolze Gebirgler!). Schon beim Eintreten ins Geschäft mit der von mir laut kommentierten Ablage meiner Walkingstecken (eigentlich hat er die Verkäuferin in verschämt-scherzhaftem Ton gefragt, ob er die Stöcke im Schirmständer abstellen kann – der innere Korrektor) hat die Szenerie eine starke Neigung ins Kabaretthafte bekommen, und erst recht bei meinen laut gemurmelten Selbstgesprächen bei der Produktsuche. Und wenn ich genau auf meine Seele hinschaue und gründlich darüber nachdenke, so habe ich schon beim Eintreten ins Geschäftslokal als Paria (dass ich das bin, redet mir schon mein Leben lang mein sozialisationsverseuchtes Gehirn ein. Andererseits: es gibt solche Kasten, auch in zivilisatorischer Verkleidung, und solche sozialen Platzzuweisungen), habe ich also als Paria beim Eintreten ordentlichen Stress und Unsicherheit - eigentlich gehöre ich nicht hierher, eigentlich ist das alles hier zu fein für mich vulgärem Loser, eigentlich darf ich als Paria keine souveränen Geschäfte abwickeln, etcetera, etcetera, etcetera – was zu Überschlagshandlungen geneigt und disponiert macht. Gut, vielleicht war’s eh ein bisschen lustig, nur werde ich wohl als alter Schrulli abgespeichert werden - denke ich. Auch schon egal.
(8.1.2026)
©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

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