4311 Nicht wichtig
0:47 a.m. Heiß liegt der Thermophor auf meiner Brust und soll die hustenlindernde Salbe dabei unterstützen, einzuziehen. Ich wundere mich ein wenig, wie hart und schwer diese kleine Wärmeflasche aus Gummi (? oder? - wer kennt sich heute mit den Materialien noch aus?) ist. Aber das ist nicht wichtig. Mein Husten ist auch nicht wichtig, noch dazu, wo davon auszugehen ist, dass er irgendwann vergehen wird. Dass mir beinah die Tränen kommen, und ich nicht weiß, warum, ist auch nicht wichtig. Ist es wichtig, dass eine der Zedees im Zedeeturm schief in ihrem Fach – oder wie ich den Raum zwischen den zwei Drahtbögen, die die einzelnen CDs (so heißen die korrekt) halten, nennen soll – steckt, weil diese CD-Hülle etwas größer als die Norm ist? Nein, ist es nicht wichtig. Dass Wassertropfen auf das Blech des äußeren Fensterbretts fallen, vereinzelt nur, ist vielleicht für den Wasserhaushalt der Erde, dem Klima und dem Grundwasser wichtig; vielleicht!, aber in diesem Text hier wohl nicht. Weil auch der nicht wichtig ist. Meine Nacht hier ist nicht wichtig, und unwichtig ist auch mein Zimmer und wie ich es gestaltet habe. Gestaltet ist ein wenig übertrieben: wie ich es zuwachsen lassen habe, trifft es eher. Aber auch das ist nicht wichtig. Zumindest nicht so wichtig, dass es erzählt werden muß. Und das Surren in meinen Ohren, das immer die Tendenz zum Abgleiten – ich weiß nicht in was – in Trance? Tagträume? Erinnerungen? Träume? etcetera begleitet? Unwichtig! Dass mein Bettzeug schon recht zerschlissen ist? Unwichtig! Dass ich nur zu faul und zu weltfremd bin, mir neues zu besorgen? Wen soll das interessieren? Bringt das die Welt weiter? Nein! Also unwichtig! Ich sehe, dass dieses Notizbuch nur mehr wenige unbeschriebene Seiten hat. Unwichtig! (dabei fällt ihm Homer Simpson ein – der innere Spötter.) Amüsiert betrachte ich die Flasche mit dem Weihwasser aus einem Kloster, auf die mein Blick zufällig gefallen ist, und die schon jahrelang dort herumsteht, ohne sie je geöffnet zu haben. Amüsiert über alle die Spielchen, die ich (mit mir?) spiele, um zu versuchen, einen Sinn in meinem Leben zu erfinden, oder eine annehmbare Erzählung, eine herzeigbare Lebensstory, ein ansprechendes Lebenskabarett zu kreieren (vorzutäuschen wäre korrekter – der innere Spötter). Ja gut, mit diesem amüsiert kann man das meinetwegen stehen lassen. Es ist ja unwichtig!
(Nachtrag: er liebt mehr die Wörter als die Abkürzungen. Darum schreibt er Zedee und nicht so gern CD. Die zwei ee sollen anzeigen, dass das Wort auf der zweiten Silbe betont wird – der Tipper.)
(19.12.2025)
©Peter Alois Rumpf Dezember 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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