Mittwoch, 10. Dezember 2025

4302 Klabund

 



12:52.  „Dreck am Stecken“ sagt der am Nebentisch. Weiß er, was die Redewendung eigentlich bedeutet? (Scheiße am Schwanz). Nein, anderes Thema. Schwarztee mit Milch habe ich bestellt. Und eine Zitrone dazu bekommen. Von den Boxen kommt „What a Wonderful World“ von einem mir unbekannten Interpreten gesungen, nur mit Gitarrenbegleitung. Danach haben sie anscheinend Weihnachtsmusikprogramm in Richtung Kitsch, an der Grenze, da bin ich empfindlich. Ich merk schon, ich werde arrogant, wie ich die Leute hier innerlich verspotte und abwerte. Ganz so gemütlich sitze ich hier auch nicht. Ich habe aber genug Zeit für ein Kännchen Tee eingeplant, schon beim Wegehen von zu Hause bedacht. Musik wieder besser (was soll dieser Amtssprachenstil! Militärsprachenstil! Nazisprech!? Keine Zeit für Verben?- der innere Korrektor). Die Musik ist jetzt wirklich gut. Wieder ein Sänger nur mit Gitarre. „ Der Staatsanwalt muß noch unterschreiben“ sagt der am Nebentisch ins Telefon. Die Musik ist jetzt wirklich gut (Sorry, sein Gehirn funktioniert nicht mehr so gut – der innere Spötter). Ich habe an allen Menschen hier etwas herumzumeckern. Jetzt kippt die Musik wieder ins Unangenehme, weil zu geschleckt und mainstromlinienförmig. Das ist ein Gratwanderung. (Die Texte eintippen und schubladisieren sollte ich auch wieder einmal, bevor sich zu viele aufgestaut haben, aber ich habe keine Lust; so toll sind die nicht, und auf Facebook bewerben mag ich sie auch nicht mehr; sie müssen selber ihre LeserInnen finden.)

Jetzt beginnt das Uhrenschauen (weil ich heute den Psychotherapietermin habe, ausnahmsweise an einem Dienstag, weil gestern der Marienfeiertag war. Ich würde ja gerne herschreiben: der Tag, an dem gefeiert wird, dass Joachim und Anna miteinander gevögelt und dabei die Maria gezeugt haben, jedoch ohne die Erbsünde weiterzugeben. Aber ich schreib’s nicht her, weil mir das viel zu pubertär vorkommt, obwohl es dogmenfaktisch korrekt ist. Es fällt mir schwer, diesen aufgelegten Elfer nicht zu schießen; vielleicht würde ich dann mehr Lust haben, den Text einzutippen und in mein Schubladenarchiv aufzunehmen).

Ich geh jetzt los, vielleicht finde ich im Antiquariat Dings – verdammt, mein Namensgedächtnis ist so desolat! - ein Geschenk für meinen Zugelosten in der Funktion als „Weihnachtswichtel“. Klabund! Klabund heißt das Antiquariat! Klabund.


(9.12.2025)


©Peter Alois Rumpf Dezember 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Abonnieren Kommentare zum Post [Atom]

<< Startseite