Mittwoch, 3. Dezember 2025

4296 Zeichnen

 



12:51.  Ich sitze im Katscheli und es reizt mich sehr, hier zu zeichnen. Nur so kleine Skizzen von dem, was mich da umgibt - sie müssen gar nicht „realistisch“ sein. Aber ich traue mich einfach nicht. Vielleicht kommt es noch. Heute habe ich auch kein entsprechendes Zeug mit. Auch mir solches für den Fall des Falles einzustecken, traue ich mich noch nicht; mit einer wegwerfenden Handbewegung schiebe ich jedesmal den Gedanken weg, wenn ich vorm Aufbrechen in die Außenwelt mein Notizbuch, aber kein Zeichenheftchen in das Albertinatäschchen (er nennt es auch mein Kindergartentäschchen – der innere Spötter), stecke. Aber warum kann ich das nicht? Vermutlich geht es um die Frage: Wieviel Innenwelt verträgt die Außenwelt? Wieviel Innenwelt ist in der Außenwelt möglich? Ab wieviel Innenwelt im Außen kommen die Attacken, provoziere ich die Aggressionen derer mit dem (un)gesunden Menschenverstand? Schreiben geht inzwischen; das könnte theoretisch auch etwas Vernünftiges, Erwerbsberufliches, Wissenschaftliches, Journalistisches sein (naja, wenn du in ein Notizbuch schreibst? Heutzutage ohne Laptop? Ich weiß nicht … – der innere Spötter), aber zeichnen, noch dazu ungeschickt, autodidaktisch, ohne Diplom, ohne Selbstsicherheit und ohne Selbstverständlichkeit! Das war vor der döbranitischen Katastrophe anders, da konnte ich trotz Unsicherheit in der Öffentlichkeit (neue Motive!) zeichnen. Ich überlege – weil ich noch einen Papiersack vom Transport des kaputten Wasserkochers zur Problemstoffsammelstelle im Albertinatascherl habe – auf dem herumzukritzeln und zu Hause das Papier in handliche Stücke zu zerschneiden. Irgendeinen Bleistift werde ich schon dabei haben, zur Not könnte ich auch einen Pilotstift nehmen – aber ich schaffe es nicht! Ich schaffe es nicht! Ich schaffe es nicht! Ich muß mir irgendwo etwas Größenwahn hernehmen, sonst wird das nichts.

Mir ist zum Heulen (aber ich heule nicht). Noch dazu, wo ich auf der Bar auf einer Schachtel eine Zeichnung geklebt sehe, möglicherweise eine Kinderzeichnung, so genau kann ich das nicht sehen. Was das Schreiben betrifft: Vielleicht ist es kein Beruf, weil ich daran nichts verdiene; keinesfalls ist es ein Hobby, sondern, wenn kein Beruf, dann eine Berufung.

Mein Gott, ich bin so etwas von abgeräumt und übriggeblieben! Und in einer Lebenssackgasse. Interessant, dass die Leute, die draußen rauchen, trotzdem so viel Gestank hereinbringen.


(3.12.2025)


©Peter Alois Rumpf Dezember 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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