Donnerstag, 20. November 2025

4289 Ein Blatt im Wind

 



11:17 a.m.  Die Uhr in der kalten Halle stimmt so einigermaßen, nicht ganz, um zirka fünf Minuten geht sie nach. Das kann man aushalten. Viel Weiß und viel Silber. Das Holz edles Dunkelbraun. Eigentlich wollte ich mir eine Schreibpause verordnen. Aber ich habe ja sonst nichts zu tun, sozusagen. Eine Blasmusikversion eines Hits meiner Jugend aus den Boxen; Titel und Originalinterpreten wollen mir nicht einfallen. Motownsound, glaube ich. Ich kann einen Ausschnitt aus diesem Hit in meinem Inneren abspielen und regelrecht hören, und die männliche, schwarze Gesangsstimme (selbst jetzt am 20.11. beim Abtippen spielt dieses Musikfetzerl unaufgefordert in meinem Inneren wieder ab – der Tipper), aber mehr fällt mir nicht und nicht ein. Wahrscheinlich könnte ich diese Passage sogar halbwegs richtig nachsingen, aber ich will es hier in dieser heiligen Jugendstilhalle nicht probieren. Das trau ich mich nicht, einerseits, andrerseits hielte ich es auch für rücksichtslos. Die kleine Schreibpause kommt ganz von allein, aber so war es nicht vorgesehen (ich weiß auch nicht, was er damit gemeint hat – der Tipper). Mysteriöse Anrufe vom Orthopädiezentrum, die ich nicht läuten gehört habe. Beim Rückruf wird nicht abgehoben.

Mir fällt auf, dass mir bestimmte Wörter und Redewendungen, die ich besonders von meiner Mutter geerbt habe, gefallen: halbwegs; aufpassen wie ein Haftelmacher, …

Ortswechsel. Die Anrufe haben sich geklärt: ich habe meine MRT-Überweisung am Schalter liegen gelassen. Wen’s interessiert: seitdem sitze ich wie auf Nadeln (auch so eine Redewendung) und will sofort hin, obwohl die bis 18 Uhr offen haben. Ich muß mich zwingen, im Katscheli sitzen zu bleiben und den Kräutertee nicht gleich hinunterzustürzen. Der Zwang, den Fehler sofort auszubügeln und nicht – sagen wir – eine Stunde stehen lassen können. Ich muß mir echt gut zureden: „Trink in Ruhe den Tee aus; es ist genug Zeit; niemand bestraft dich; es ist völlig egal, ob du den Fehler sofort oder in fünf Stunden, oder gar erst am nächsten Tag korrigierst!“ – nein, in meinem Inneren finde ich keine Ruhe, solange das nicht erledigt ist.

Ein Blatt im Wind. Möglicherweise wegen Bodenfeuchtigkeit vorübergehend festgeklebt.

(Ich habe den gesuchten Hit jetzt am 20.11. beim Abtippen laut gesungen in der Hoffnung, dass mir dann Titel und Interpret doch einfallen - aber nein! - der Tipper.)  


(14.11.2025)


©Peter Alois Rumpf November 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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