Dienstag, 11. November 2025

4283 Leergeschrieben

 



8:48 a.m.  Die Angst kommt in pulsierenden Wellen und hüllt mich dann ein. Ich liege im Bett und rühre mich in dieser Götterdämmerung nicht. Nicht einmal das Rollo habe ich hochziehen können. Ich halte meine Augen geschlossen, wenn es geht. Von irgendwoher wird eine Zeitung gebracht, aber bevor ich sie nehmen kann, ist sie wieder verschwunden. Alles scheint sich aufzulösen, aber nichts vergeht. Zum Schreiben habe ich mich aufgesetzt. Die Angstwellen schlagen nicht mehr so leicht über mir zusammen. Ein erster tiefer Atemzug. Ich will mir die Fotos dieser Wellen am Handy anschauen, aber auch das bleibt un-an-greif-bar und verschwindet. Ich sehe meine Frau im Café Mima frühstücken, aber das ist eine falsche Vision. Das kann nicht sein. Das weiß ich, dass sie arbeitet. Ich lasse meine Augen jetzt länger offen.

Ich prüfe nun taktilisch die Länge meiner Fingernägel, die Augen öffne ich dafür nicht. Mein wirkliches Handy am Nachtkasten schreit mich mit seinem Gedüdel an. Ich schaue nicht nach. In meinem drüberen Notizbuch kann ich nichts lesen. Ein Knacken im Vorzimmer schreckt mich auf. Was !?! Die sollen ein Paar gewesen sein?!? Auch das muß eine falsche Vision sein. Der plötzliche Druck auf der Handkante meiner Schreibhand schreckt mich auf. Es war aber nur der Gegendruck meines Notizbuches, weil meine Hand verrutscht zu sein scheint. Bald habe ich diese Phase leergeschrieben. Ich kann Stimmen hören – ich tippe auf Nebenhaus. Aber jetzt höre ich die Tageskinder im Stiegenaufgang; die Realität wird fester und stabiler. Ich lege Schreibzeug, Notizbuch und Brille weg und lösche das Leselicht. Ich decke mich wieder bis zum Hals zu und lasse so meine Seele ausheilen. Ich döse dabei ein, aber wie ich aufwache, ist in meinem Geist alles geordnet und ich weiß meine nächsten Schritte und Handlungen.


(10.11.2025)


Peter Alois Rumpf November 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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