4310 Im Sinne meines Lebens
15:56. Es ist eigenartig, aber auch interessant: ich denke ja immer wieder daran, es doch noch einmal mit dem Zeichnen zu probieren. Was mir da so vage vorschwebt, sind die Zeichnungen von Medardo Rosso (danke an das museum der modernen kunst/Wien für die Ausstellung in der vergangenen Saison), nicht um nachzuäffen (da fehlt ihm sowieso das Handwerk – der innere Spötter), sondern als Anregung, als Leuchtfeuer. Und ich will mich auch gar nicht messen, sondern als freies Spiel ohne Zielvorgaben. Aber es gibt große mentale Hürden. Ich schaffe es nicht, unbefangen und ergebnisoffen an die Sache heranzugehen.
Heute sitze ich am Laptop und gehe so die Postings durch, da taucht plötzlich und wie aus dem Nichts die Idee auf, im Musikzimmer mich an den Schreibtisch zu setzen und aus dem Fenster zu zeichnen (gut, er liebt solche verdrehten Aussagen und Wortspiele; was er meint: das zu zeichnen, was er draußen vor dem Fenster sieht – der innere Spötter). Ich war schon dabei, einfach weiter zu scrollen und die Eingebung zu verwerfen, aber im letzten Moment kann ich mich abstoppen, aufstehen, den Rucksack mit den Zeichensachen schnappen, dazu die Brille und das Heferl mit dem English-Breakfast-Tea mit Milch, ins Musikzimmer gehen, alles herrichten, mich an den Schreibtisch setzen und unter gutem Zureden – in etwa so: es ist völlig egal, was dabei rauskommt! Beruhige dich! Scheiß auf Realismus! Nur die Striche auf dem Papier zählen! etcetera – beginne ich zu zeichnen. Da, diese Dachlinie als ersten Strich … irgendwie weiter … die Fläche dort … schon längst vom Realismus her alles falsch, aber egal! - sage ich mir wieder vor – ich strichle, schmiere, schraffiere so herum, kritzle – ganz kleines Format – wie es momentan zu mir passt – und ja, das Ergebnis geht. Ich rede nicht von großer Kunst; nur so … es geht, man kann die Striche am Papier anschauen, ohne dass einem gleich schlecht wird. Aber dann befällt mich Panik, ich wage es nicht mehr, eine zweite Zeichnung zu versuchen, schnell packe ich alles ein und verlasse fluchtartig den Raum. Und das ist interessant: an welchem Tabu rüttle ich da? Wer verbietet es mir, zu zeichnen? Und warum? Welchen Hass fürchte ich auf mich zu ziehen? Das war ja nicht immer so. Verdammte Scheiße! Aber gut, es war ein kleiner Schritt, ich hoffe, in die richtige Richtung. Richtig im Sinne meines Lebens!
(18.12.2025)
©Peter Alois Rumpf Dezember 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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