4317 An die Wand gelehnt
12:33. Also: vorm Weggehen habe ich mir das Stuhlprobenbrieflein (Hemdetect) (also: so genau werden das deine Leserinnen gar nicht wissen wollen! - der innere Zensor) (Just erst recht! Just erst recht! - der Autor) eingesteckt und versucht, mir den Medikamentennamen Atorvastatin einzuprägen, indem ich ihn mir minutenlang vorgesagt habe, um in der Ordination dann ersteres abzugeben und letzteres zu ordern. Das war schnell und schmerzlos erledigt und so bin ich weiter über den Donaukanal (Rossauerbrücke) und die Freud’sche Berggasse hinauf gewandert, ins Weltcafe, wo ich einen Cappuccino trinke und die Zeit bis zum Beginn meiner Psychotherapie verbringe. In meinem Notizbuch schreibe ich schon auf dem letzten Blatt und draußen hat es -4° Celsius. Soll ich eine Kleinigkeit essen? Toast oder so? Den Luxus kann ich mir im Moment locker leisten. Ich werde die Karte durch schauen. Ja, mache ich: Schinken-Käse-Toast (A, N, G) (Was immer das heißt; ich bin zu faul (?) um nachzuschauen.) (Er hat nämlich ein schlechtes Gewissen, weil er von der Speisekarte abschreibt. Was werden die Leute denken, wenn sie das sehen? Also hat er es aus Skrupel nicht mehr geschafft, „A, N, G“ auszulesen – der innere Spötter.) Ja, das Ganze ist ein labiles Gleichgewicht, wenn es überhaupt ein Gleichgewicht ist. Ich zögere doch, ob ich mir wirklich einen Toast bestellen soll (soll ist die falsche Frage; will wäre richtiger – der innere Spötter). Notwendig wäre es nicht, ich hungere nicht, ich hätte nur Appetit. Eine große, schlanke Frau stakst mit hohen Stiefeln laut auftretend herein, dass es nur so klackst. Sogleich komme ich mir als fetter, schmieriger Wicht vor. Als alt sowieso. Ich sollte hier nichts essen, sondern brav zu Hause. (Er schwindelt schon wieder: das alt ist ihm erst fünf Minuten später eingefallen. Erst nach als Wicht vor - der innere Spötter.)
Schinken-Käse-Toast bestellt! Whow! Ich trau mich was! Bei der Bestellung klinge ich – soweit ich das selbst wahrnehmen kann – durchaus souverän mit leichtem Anklang ins Arrogante. (Die Stiefeldame hat Kamillentee bestellt.) Es ist voller geworden im Lokal. (Der innere Zensor meldet sich und tut so herum, weil mit solchen mißverständlichen Beobachtungen und der Beschreibung der Stiefeldame kann er, der Schreiberling, sich unbeliebt machen; vor allem, wenn es seine Frau liest. Aber letztlich streicht er nichts, entweder weil er es für übertrieben fände, oder weil er zu faul und zu lasch ist.)
Jetzt warte ich auf den Toast, der nicht daherkommt (es ist inzwischen viel los hier). Übrigens schreibe ich schon auf dem hinteren Deckblatt meines Notizbuches. Ich photographiere alle drei Seiten der Frühstückskarte. Für meine Frau. Wegen morgen (eventuell). Was wird heute in der Psychotherpie das Thema sein? Vermutlich meine inneren und außen höchstens verbalen Wutanfälle gegen meine Lebensgeschichte, mein Leben, meine gesellschaftliche Platzzuweisung, meine Sozialisation, meine inneren Filme (immer das gleiche Gejammer), meine soziale Lage und gegen meine Frau, die wirklich nichts dafür kann (Zensor! Darf ich das herschreiben? - Er reagiert nicht, der Luschi! Mir wäre es lieber, du würdest das unterbinden! So viel privat gehört sich nicht und ist nicht erlaubt!)
Okay. Gesättigt und zurückgelehnt, nicht unwohl, lehne ich gegen die Wand gelehnt und schlürfe langsam den zweiten Cappuccino (Er liebt patscherte Formulierungen und endlose Anmerkungen und Anmerkungen zu Anmerkungen – der innere Spötter).
(5.1.2026)
©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Abonnieren Kommentare zum Post [Atom]
<< Startseite