4391 Singen
22:23. Trauer und Schmerz sind sehr stark. Das ist mir nur recht, dass ich das spüren kann, auch wenn ich etwas weinerlich unterwegs bin. Aber dafür kann ich so gut Musik hören (schöner, oder richtiger gesagt: besser wäre es, ich würde den Schmerz selber hinaus singen – aber das geht nicht). Ich werde ein wenig lesen. Das hilft auch.
23:23. Jetzt ist es richtig Nacht. Und still. Nur der Wind klappert ein wenig mit dem schlecht schließenden Fensterflügel. Ich bin in ratloser Erwartung. Als würde ich auf etwas warten, aber weiß überhaupt nicht, worauf. Und auch nicht, ob es gut oder schlecht für mich ist. Und auch nicht, ob es überhaupt eintritt. Vielleicht war es das schon für heute. Dabei surrt es um meine Ohren ganz aufgeregt und wie im Alarm. Aber mein Kopf ist schwer und müde und neigt sich zur Seite.
Aber ich drehe das Licht nicht ab und lege mich nicht flach. Das schreibe ich jetzt her, weil der Satz vorhin so geklungen hat, als würde ich mich zum Schlafen betten wollen. So war es auch, jedoch mache ich es nicht. Ist es Angst? Eine wahnsinnige und wahnsinnig vertraute Fremdheit umhüllt mich, wie die Erinnerung an tausende vergebliche Abende. Das Klappern der Fensterflügel wird stärker und häufiger und bekommt einen bedrohlichen Touch. Ich kann jetzt den Wind sogar heulen hören. Mein hölzerner Fensterrabe schaukelt im Luftzug, der durch das geschlossene Doppelfenster und das Rollo kommt. Ich sitze so da und kann nicht vor und nicht zurück. Die Welt jedenfalls hat ihr Versprechen nicht eingelöst; der Wind muß mir nun drohen. Ich schreibe jetzt nur, um nicht einfach nur da zu hocken. Vielleicht ist es doch Angst. Es gibt keine Erlösung – so schaut es zumindest aus. Mein altes, schleißiges Second-Hand-Hemd hängt so erbärmlich an der Zimmertür (First Hand war die meines Vaters. Das ist ja auch ein Witz, was ich so alles auftrage). Die Schatten in meinem Zimmer und dort, wo es hinfällt, das Licht sind von bedrohlicher Stummheit. Dabei könnten sie mir etwas Wichtiges sagen.
(16.3.2026)
©Peter Alois Rumpf März 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

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