4386 Hecke
6:50 a.m. Wie so oft: ich wache friedlich in angenehmer Wärme unter der Bettdecke auf. Leichte, ganz leichte Kreuzschmerzen (die vergehen werden, wenn ich mich wieder bewegen werde). So liege ich da, noch ganz ohne Gedanken, ohne Bilder, ohne Plan. Und da, plötzlich, fährt eine Angst ein, eine Panik wie aus dem Nichts. Mit nichts verbunden, ohne Bild, ohne Idee, ohne Begriffe. Ich kann nicht sagen: mir ist dies oder das eingefallen, und da ist die Angst gekommen. Nein, und trotzdem muß etwas wach geworden sein. Vielleicht bin ich mir – noch ohne Bilder oder Gedanken, sozusagen verzippt – meiner und meines Lebens bewußt geworden und davon schockiert. Die Begegnung mit dem Destillat meines Lebens. Dass mein Bewußtsein sich in diesem Moment an seinen Inhalt (mein Leben, meine Erfahrungen, meinen Status quo) erinnert. Wie gesagt: keine Bilder, keine einzelnen, konkreten Inhalte, keine Sätze, sondern die Quintessenz. Ja, es ist ein Erschrecken, ein Schock, was solch eine Angst auslöst. Das sitzt nicht nur im Geist, es sitzt auch im Körper; im Leib, und wacht – ein wenig verzögert – mit den Bewußtsein auf. Schreiben ist übrigens eine Technik, diese namenlose, große, überwältigende Angst – nun ja: in den Griff zu bekommen wäre übertrieben, sagen wir: um sie einzuhegen. Freilich weiß man, dass das bloß ein Trick ist, der im letzten, entscheidenden Moment, wenn die schützende Hecke dem Ansturm nicht mehr standhält, nicht funktionieren wird.
(13.3.2026)
©Peter Alois Rumpf März 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

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