Dienstag, 13. Januar 2026

4328 Urschöne Melancholie

 



10:25 a.m.  Der sanfte Jazz schmilzt langsam und bedächtig aus den Boxen … das Frühstück ist da! Boah, ist das schnell gegangen! Bon appétit!

11:36 a.m.  Es ist ruhig im Lokal. Die jazzige Boxensängerin – keine Ahnung wer – singt so schön klagend. Zum Lichtengel sehe ich von meinem heutigen Platz aus nicht. Im vorderen Raum bin ich im Moment der einzige Gast. Die Lektüre ist beendet. Diese wunderbare, herrliche, urschöne Melancholie legt sich über die ganze Welt. Über meine ganze Welt. Ich will mit niemandem tauschen. Ich scheiß auf Erfolg und Reichtum! (Naja, genug Geld, um sich eine ÖBB-Jahreskarte zu kaufen und genug, um sich Ausflüge in diverse Orte leisten zu können und für drei, vier Tage in Hotels abzusteigen, das könnte er sich schon vorstellen, um an verschiedenen Orten und in unterschiedlichen Cafés die jeweilige Melancholie auszuprobieren. Wäre ja interessant, wissenschaftlich zu erforschen, wie sich die Schwermut in Sinabelkirchen, in Stinatz, St.Pölten - immerhin nach einem Ägypter benannt – in Schruns-Tschagguns (danke H. C. Artmann), Kennelbach, in Zirl, Kufstein/Rettenschoess, St. Gallen und Weißenbach an der Enns, in Feistritz/Bistrica an der Gail, in St.Peter – da gabat’s mehrere – anfühlt – der innere Spötter.) Jetzt sind wir zu dritt im vorderen Raum und ich habe den Zuwachs – vertieft auf mein Handy konzentriert – zunächst nicht bemerkt. Fever aus den Boxen. Fieber am Saum des Wahnsinns – nur so ein Satz, der mir gerade eingefallen ist; schaumamal, ob wir damit etwas anfangen können (zuerst hat er statt Saum: Horizont geschrieben – der innere Korrektor). (Er kommt sich so ernsthaft, integer und wahrhaftig vor, wenn er seine LeserInnen mit seinen Anmerkungen, Korrekturen, Kleinlichkeiten, und der Dekonstruktion seiner Texte sekkiert. Ständige Sabotage ist auch nicht witzig! Laßt ihm das nicht durchgehen! Protestiert! - der innere Spötter.)

11:58 a.m.  (Am Zenit seines Erfolges, seines Kaffeerausches und an dem des Tages – der innere Spötter) [Das mit dem ständigen Notieren der Uhrzeit ist auch so ein pseudowissenschaftlicher Fimmel und Unfug! Als wäre er sein eigener Feldforscher und Stimmungmeteorologe (gibt’s da auch eine menschengemachte Klimakatastrophe?) - der innere Spötter.]

Fever kommt nochmals aus den Boxen und elegant schnipsen sie sich durch die Welt des Funktionalen, der Leidenschaftslosigkeit und der Langeweile. (Mir ist nicht langweilig, aber nur weil ich diesen Pattzustand liebe.) Ich schaue ins Narrenkastl, bis mich irgendwelche Bewegungen in Raum und Zeit herauslocken. Ha, ha, ha! Die rote Kerze auf den drei Schemeln hat Arme bekommen. Zwar ist sie ohne Kopf, aber es hat sich der Wachsrand im warmen, weichen Zustand links und rechts so herabgebogen, dass es ausschaut, als hätte die kopflose Kerze zwei Arme, die sie ein wenig empört in die Hüften stemmt.

Finita la commedia.


(13.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

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