Montag, 12. Januar 2026

4325 Eine optische Bestellung

 



13:00.  Die junge Frau steckt ihre Haare sehr gekonnt auf. Am Plafond im anderen Gastraum befindet sich die Weltkarte. Ein rhythmisches Geräusch, das ich nicht zuordnen kann – wie eines von einem der subtileren Perkussionsinstrumente. Der erste Schluck Kaffee, heiß, bitter, wie ich es beim zweiten Schluck dann richtig mag (bei der Kälte wäre auch Tee eine Option gewesen). Ein bißchen habe ich gewartet und den Pilotstift gewechselt, weil der rosane immer schwächer geschrieben hat, aber jetzt der herrliche zweite Schluck. Ich merke richtig, wie sich meine Seele entspannt und sich im Raum ausdehnen traut. Das Geräusch vermutlich von einem Handy. Wie konnte mir das nicht sofort klar sein! Laptop wäre auch eine Option; ein paar Leute arbeiten hier und scrollen und tippseln. Der hängende Garten innen an der Straßenfensterfront; wem er gehört, ist mir unbekannt. Semiramis wird es nicht sein (höchstens eine ganz kleine … - der innere Spötter). Ich mache mir Gedanken, wie die Pflanzen gegossen werden, denn vom Boden aus sind sie nicht erreichbar; nicht einmal, wenn jemand auf einem Tisch steht. Wieder eines der Welträtsel, das ich nicht entschlüsseln kann (immerhin keines der Weltwunder – der innere Spötter). Interessant auch: dort, wo ich in der Erinnerung eine Garderobe abgespeichert habe – und ich sehe es vor mir, wie ich dort die Walkingstecken und den Mantel aufgehängt habe – ist ein großer Spiegel und weit und breit kein Garderobenhaken. (Er wollte schon sein Wiener Lieblingswort schaasaugert anbringen, aber dann ist ihm aufgegangen, dass dieser Fehler mehr mit der Erinnerung als mit Wahrnehmung zu tun haben könnte. Oder ist jede Wahrnehmung schon Erinnerung? - der innere Spötter.) Uhrzeit? 13:21 (wegen dem Psychotherapietermin). Ein zweiter Cappuccino geht sich noch aus (dann werde ich in der Therapie wieder quasseln!). Der Quasselkasper aus Wasserburg fällt mir ein und ich muß innerlich kichern. Ich schaue mich wieder im Lokal um. Ach! Musikberieselung gibt es auch. Das könnte auch das rhythmische Geräusch gewesen sein (aber glaube ich nicht). Eine Person mit Kapuze am Kopf kommt herein. Dann eine alte Frau mit weinroter Mütze, deren lange, graue Haare, die vom Kragen ihrer Winterjacke nach vorne gedrückt werden, ich im ersten Moment für einen Vollbart gehalten habe. Außerdem zahlt sie und geht hinaus. Ihren Gang zur Kassa an der Bar habe ich falsch interpretiert. Wenn ich einen zweiten Cappuccino will, muß ich anzahn und den ersten jetzt austrinken. Done. Jetzt muß ich die angestrebte Bestellung anbringen, sonst geht sich’s nicht aus. Ich probiere eine optische Bestellung: hochheben der Tasse mit Blick auf einen Kellner; wenn nur einer in mein Blickfeld käme! Wurscht! Das kann meine LeserInnen nicht wirklich interessieren. Die optische Bestellung hat mit akustischer Unterstützung funktioniert. Ich will das eigentlich nicht preisgeben, aber ich betrachte die Rückseite der jungen Frau zwei Tische weiter. Der zweite Cappuccino ist da. Der erste heiße Schluck ein Genuss! Jetzt, wo ich das vorhin hergeschrieben habe, kann nicht mehr hinüber schauen. Bin ich froh! Ich nehme gleich hintereinander drei Schluck vom heißen Kaffee. Ich lege das Schreibzeug weg, nehme die Brille ab und lehne mich zurück an die Wand (um das aufzuschreiben, mußte der Arme diesen Vorgang wieder rückabwickeln – der innere Spötter). Dann nochmals die beschriebene procedure und ich blicke aus Verlegenheit auf den Plafond hier herinnen und stelle drei verschiedene Lampen mit drei unterschiedlichen Leuchtbirnen mit drei unterschiedlichen Lichtern fest. Sehr, sehr schön eigentlich (der Weigel Hans wird sich im Grab umdrehen – der innere Spötter). (Der Hans Weigel da oben wird das da gar nicht registrieren – der noch innenere Spötter.) Männele! Langsam isch zeit zum Aufbruch (isch mach disch kickbox!) (Du Assoziationsangeber! - der innere Spötter.) Muß ich vor der Therapie noch aufs Klo? Aber dann dalli! dalli!. Zuspätkommen ist nur Königen erlaubt. Weggedrückt! (Oida! Denk an deine LeserInnen – der innere Spötter.)


(12.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

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