Donnerstag, 29. Januar 2026

4345 Du lass dich nicht ...

 



12:40.  Heute bin ich in ein traditionelles Wiener Kaffeehaus – weil es auf meinem Weg lag und aus Neugierde – eingekehrt, das ich vor über 40 Jahren öfters frequentiert hatte (meine Besuche in traditionellen Cafés sind fast immer enttäuschend; abgesehen von der oft schlechten Kaffeequalität ist die Stimmung entweder so kellnergrantig oder (selten) zu bedüdelnd. Jedenfalls fast immer ein falscher Tonfall), aber jetzt sitze ich im Espresso Burggasse, um endlich einen guten Kaffee zu bekommen. Und wie gut und zuvorkommend ich hier behandelt werde! Und das ohne alle falsche Freundlichkeit und ohne aufgetragenes Theater. Ganz einfach freundlich, professionell und glaubwürdig. Ein richtiges Asyl für mich und meine gequälte Seele! Was für eine Erholung!

Ich bin seelisch erschöpft von meiner Angst und meinem Zorn über diesen Psychiatertermin und von meinem anstrengenden, aber sicherlich vergeblichen Versuch, im Text Nummer 4344 dem ganzen Dilemma (soll ich hingehen oder nicht) wenigstens gedanklich Herr zu werden.

Ein trauriger, hoffnungserheischenden Blick auf meinen „Lichtengel“ soll mir vielleicht etwas Linderung verschaffen, und tatsächlich beruhigt sich meine Seele ein wenig (gleichzeitig meldet sich der innere Zyniker und spottet über meine verzweifelte Zuflucht in etwas, das ich normalerweise als fragwürdige Esoterik abtue, aber Not lehrt beten heißt es).

Echtes Kerzenlicht ist auch nicht schlecht. Ich starre ein bißchen in die Flamme und mir ist zum Heulen (der innere Zyniker verurteilt mich für mein „Selbstmitleid“). Die stille, ruhige Kerzenflamme, die sanft und schön das ihr Verbrennen bremsende Kerzenwachs verbraucht und so das unvermeidliche Ende legal und regulär hinausschiebt und dabei wenigstens ein bißchen die Welt erleuchtet.

Die Musik aus den Boxen ist melancholisch schön, aber dennoch werde ich bald mein Asyl verlassen und nach Hause wandern, um zuerst das Geschirr abzuwaschen und dann die Texte auf die Schublade stellen. Bevor ich aufgebe will ich das noch dokumentiert haben, als letzten Versuch, in der Welt Resonanz und vielleicht Ermutigung zu finden. (Ach! Das Biermann-Lied! Ich werde es mir heute wieder einmal anhören!)


(29.1.2026)


©Peter Alois Rumpf Jänner 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

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