4596 Warum
11:12 a.m. WARUM pickt ein Aufkleber über dem Pissoir. Ja, warum ist überhaupt Seiendes und nicht viel mehr Nichts? Gut, ich bin immer noch pubertär und kindisch. Ich grinse und blicke lächelnd zum unglaublich hellstrahlenden Lichtengel (ich bin beim Schreiben natürlich wieder zurück vom Klo; am Klo schreibe ich noch nicht). Oh! Die köstliche Eierspeis kommt.
Meine Hände fühlen sich nach dem Essen etwas fettig an, obwohl ich nur das Brot in die Hand genommen habe. Ich gehe nicht die Hände waschen, obwohl ich fast aufgeregt befürchte, das deswegen mein heiliges Notizbuch Fettflecken abbekommt, aber ich warte, bis sich dieses Gefühl - das irgendwelche Sensoren an den Händen geliefert haben sollten – vergleiche: Fühler - (das, was man innen findet, wären Empfindungen) – bis sich also dieses Gefühl auflöst, weil ich annehme, dass es nicht auf echte – in diesem Fall – Fettmessdaten zurückgeht, sondern auf so einem einprogrammierten Gehirnprogramm – also meine Hände nicht fettig sein können (oder enthält das Brot ausreichend Fett? - der innere Spötter). Zur Rettung und um auf andere Gedanken zu kommen, bestelle ich noch einen Cappuccino (und um seiner Kaffeesucht genüge zu tun – der innere Spötter). Ich glaube, tatsächlich auf der aufgeschlagenen Notizbuchseite einen kleinen Fettfleck wahrnehmen zu können – hingetropft kann der jetzt nicht sein; beim Essen war das Notizbuch zugeklappt auf der Bank abgelegt (du hättest doch katholischer Priester werden sollen: da hättest du am Altar die Hände waschen – Lavabo – fanatisch auf die Brösel aufpassen und in Kelch und Patene inbrünstig herumwischen können – der innere Spötter).
Es ist ein schöner Sommertag. Der Wind in der Platane draußen, die freundlichen Menschen, die angenehme Musik aus den Boxen (und der zweite Cappuccino – der innere Spötter) lassen mein Herz aufgehen. Der Deckenventilator kreist, der Lichtengel strahlt – ich bin immer noch jedesmal erstaunt und ergriffen, wenn ich zur Lampe hinschaue – und ich betrachte die Passanten in der Spiegelung der offenen Glastür; keine Sekunde brauchen sie, um meine Betrachtungszone zu queren. Wieder einmal gibt es mir einen Stich, weil mir – beim Betrachten der Passanten – bewußt wird, wie sozial abgehängt und statusnieder ich bin. Aber würde ich mich als erfolgreicher Mann aushalten? Wäre ich dann total blöd? Wurscht! Das muß ich nicht wissen. Und wenn ich sterbe, wird mir eh alles gezeigt. Meine Hände fühlen sich immer noch etwas fettig an. Nähern wir uns dem Waschzwang? Dabei bin ich doch kein Dauerduscher; alle paar Tage genügt mir in normalen Zeiten. Aber die Hände! Was habe ich mit denen getan? Klebt meinem Tun und Handeln (und hanteln – der innere Spötter) eine Art Schuld an? Ja.
Ich blicke auf die Gartenlaube; ich will vom Thema weg. Wie gesagt: wenn ich sterbe, wird mir alles gezeigt werden (und zwar sub specie aeternitatis). Ich könnte in die Albertina gehen und Photos von Bildern für Facebook machen. Beim letzten Mal habe ich unglaublich viele Likes bekommen. Außerdem hätte ich zu Hause genug zu tun.
(1.9.2026)
©Peter Alois Rumpf September 2026 peteraloisrumpf@gmail.com
