4619 Draußen in „der Natur“
12:18. Ja, draußen in „der Natur“ wirbelt der Wind genau in dem Moment, wo ich aus dem Kaffeeamt auf die Straße trete, in großartiger Performance dürre, gelbe Blätter hoch durch die Luft, so hoch, dass die Blätterwolke die Bäume der Oberen-Donaustraße übersteigt, um sie dann gleich wieder fallen zu lassen. Aber danke, lieber Wind, für das schöne Blätterspiel, das mein Herz erfreut und irgendwas in mir jubeln läßt.
12:57. In Hof 5 sitze ich hoffentlich ein wenig windgeschützt, sehe dicke, weiße Wolken über das Firmament ziehen (über das Firmament, das gar nicht so stark ist, sondern nach oben offen). Die Sonne blinzelt zwischen den zwei Kronen der doppelstämmigen Kastanie durch (genau genommen wächst die Kastanie in einem Stamm aus dem Boden, jedoch in gut zwei Metern Höhe teilt sich der Stamm in zwei gleich dicke Äste, die sich zu zwei eigenen Stämmen ausgewachsen haben; beide wachsen annähernd gerade in die Höhe – der innere Korrektor). Der Wind ist recht stark und bläst von Zeit zu Zeit kräftig unter schon abenteuerlichem Rauschen in den trapezförmigen Hof herein. Die miniermotten-zerfressenen Blätter der Kastanien hier hängen schon sehr traurig an den Zweigen. Der vierzehnteilige Fahrradständer ist komplett leer und in seinem sonnenbeschienenen Abschnitt wirft er schön geordnete Schatten auf den Asphalt. Weibliches Lachen irgendwo hinter mir, der Wind droht mir die Kappe vom Kopf zu wehen; der Wind mag keine auch nur im Entferntesten anzüglich deutbare Kommentare. Soll ich weitergehen? Ich glaube, der Wind will, dass ich mich trolle.
14:22. Eine gute halbe Stunde noch bis zur Psychotherapie treibe ich mich in den Parks des alten Akahas herum und am Schotterweg im Hof 3 habe ich eine reife Kastanie am Boden aus ihrer halben Schale gekickt (Spötter! Halts Maul! Ich schreibe nur mehr fürs Protokoll). Hier im größeren Hof treibt es der Wind viel toller, die Bäume drehen ihre Kronen kokett hin und her (Alarm! Alarm! Diese Bewegungen der Bäume haben nichts mit deinen internalisierten Bildern und Interpretationen weiblichen Verhaltens tu tun! - der innere Korrektor). (Und die angedachten „weiblichen Bewegungen“ mit deinen inneren Bildern und Interpretationen vermutlich auch nichts. Und außerdem: welche Waffen sind gemeint, zu denen wer greifen soll? - der innere Spötter.) (Komm! Steh auf und geh weiter! Sonst bekommst du nicht genug Schritte für deine Zählung zusammen. Geschrieben hast du eh schon zu viel; das wird kaum noch zu dertippen sein! - der zukünftige Tipper.)
(21.9.2026)
©Peter Alois Rumpf September 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

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