4606 Über Nacht
8:51 a.m. Endlich ist richtiger Regen da. Über Nacht hat es immer wieder geregnet. Ich spüre leichte Vibrationen in mir; ähnlich wenn man sehr aufgeregt ist; ein bewegungsloses Zittern. Ich wüßte nicht, dass und warum ich aufgeregt sein sollte. Oder genügt schon das Aufwachen in einen neuen Tag, der mich einfach von vornherein überfordert? Ich meine, es ist ja in meinem Leben vieles ungeklärt und scheint unlösbar, angefangen bei meiner sogenannten sozialen Sicherheit.
Nun beginnt es wieder zu regnen und das Geräusch ist so schön! Ich kann das genießen (außer es regnet so stark und böig, dass dir das Wasser bei der undichten Stelle am Fenster herein rinnt – der innere Spötter).
Es ist schon wahr, dass ich eigentlich angespannt bin und meine Ruhe bloß eine verschreckte Oberflächlichkeit à la Totstellen. Mein Gehirn vermutet überall Gefahren und in Wirklichkeit kommt mir vor, dass alles in mir, und rundherum die gegenständliche und gesellschaftliche Wirklichkeit zerbröselt und das Ganze bald zusammenbrechen wird. Ich empfinde mich in einer Endzeit (das ist ja schon von deinem Alter her nicht ganz falsch – der innere Spötter).
Aber ich genieße trotzdem das Rauschen des Regens, das melancholische Grau draußen und freue mich auf das üppige Frühstück, das ich mir bald bereiten werde. Aber jetzt will ich noch ein wenig im Bett lesen.
(11.9.2026)
©Peter Alois Rumpf September 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

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